Burgdorf beschließt Resolution: „Rettet die Kommunen!“ — Aktion auf dem Spittaplatz

Der Rat der Stadt Burgdorf hat in seiner Sitzung am heutigen Donnerstagabend, 18. Juni 2026, einstimmig die Resolution „Rettet die Kommunen!“ verabschiedet. Damit schließt sich Burgdorf einer bundesweiten Kampagne der kommunalen Spitzenverbände an. Am kommenden Montag, 22. Juni 2026, um 17 Uhr lädt die Stadt zu einer öffentlichen Aktion auf dem Spittaplatz ein.
Wie der AltkreisBlitz im Vorfeld berichtet hatte, beteiligen sich bundesweit Städte, Landkreise und Gemeinden am Aktionstag „Kommunen am Limit“. Hinter der Kampagne stehen der Deutsche Städtetag, der Deutsche Landkreistag und der Deutsche Städte- und Gemeindebund. Der Hintergrund ist ernst: Das kommunale Defizit lag 2025 bundesweit bei rund 30 Milliarden Euro — ein historischer Höchststand. Hauptursache sind steigende Sozialausgaben, die die Kommunen per Bundesgesetz erbringen müssen, ohne dafür ausreichend finanziert zu werden.
Auch Burgdorf spürt die Lage deutlich. Der Jahresabschluss 2024 weist ein Defizit von 10,3 Millionen Euro aus. Jörgen Wendt (Grüne) brachte es im Rat auf den Punkt: „Uns steht das Wasser bis zum Hals.“ Rüdiger Nijenhof(WGS) ergänzte, dass ein Großteil der kommunalen Aufgaben von Bund und Land zugewiesen worden sei — ohne ausreichende Finanzierung. Als Beispiele nannte er die Beitragsfreiheit bei Kindertagesstätten und die heute beschlossene Ganztagsbetreuung an Grundschulen: „Da sind zwei Paradebeispiele.“ Die Resolution, so Nijenhof, sende ein klares Signal: „Leute, ihr bringt das System an die Wand. Das müssen wir ändern.“
Bürgermeister Armin Pollehn (CDU) verwies darauf, dass die Städtebauförderung es überhaupt erst möglich mache, Plätze und Gebäude auf Vordermann zu bringen — und mahnte zugleich, dass die Kommunen an ihrem Limit angelangt seien: „Am Montag ist Demo auf dem Spittaplatz.“
Als einziger meldete Michael Fleischmann (parteilos) inhaltliche Bedenken an. Die Resolution passe für viele Kommunen, bilde die Situation Burgdorfs aber nicht vollständig ab: Seiner Ansicht nach seien ein erheblicher Teil der Schulden hausgemacht — durch „Prestige- und Wunschprojekte“, sagte er. Er nannte dabei insbesondere den IGS-Neubau (70 Millionen Euro) und damit verbundene Zinskosten. Die Kritik löste scharfe Reaktionen aus: Simone Heller (Grüne) warf Fleischmann vor, sich zu widersprechen, und Rudolf Alker (SPD), der erste Schulleiter der IGS im neuen Gebäude, verteidigte die Investition als notwendig und angemessen für eine moderne Schule mit 1.300 Schülerinnen und Schülern sowie 120 Lehrkräften und Mitarbeitern.
Am Ende stimmte Fleischmann der Resolution dennoch zu. Der Beschluss fiel einstimmig.
Die Aktion auf dem Spittaplatz am Montag, 22. Juni, um 17 Uhr ist öffentlich.