Burgdorfer Autor schreibt über Krisen, Wünsche und den Neuanfang
ersönliche Krisen können nach Ansicht des Burgdorfer Geisteswissenschaftlers und Autors Carsten Adler auch eine Chance zur Neuorientierung sein. In seinem philosophischen Märchen „Pepe Poseidonios – der kleine Stoiker aus dem Atlantik“ greift er die Frage auf, ob die Erfüllung eines großen Wunsches tatsächlich immer ins Glück führt.
„Ohne eine besonnene Selbstreflexion kann sich unser sehnlichster Wunsch letztendlich durchaus als unser größtes Unglück erweisen! Nämlich dann, wenn das, was wir uns herbeisehnen, gar nicht auf dem beruht, was tatsächlich zu uns gehört“, erklärt Adler. Diese Einsicht sei nicht nur ein zentraler Gedanke seiner Erzählung, sondern gehe auch auf ein eigenes Erlebnis zurück.
In einem Interview mit der Hildesheimer Zeitung, das nach Angaben des Autors heute erschienen ist, berichtete Adler über eine frühere Phase seines Lebens, in der ein vermeintlicher Traum zum Auslöser einer Krise wurde. Dem AltkreisBlitz erläutert er: „Als Kind der 2000er habe ich die Zeit der Boybands miterlebt und bin über einige Umwege an das Management der damals international bekannten Hannoverschen Band Touché gelangt, die von Dieter Bohlen produziert wurde. Irgendetwas schienen die in mir gesehen zu haben, sodass auch die Plattenfirma daran glaubte, dass mir eine große Karriere bevorstehe. Mit einem Schlag schien sich mein Kindheitstraum zu erfüllen: Foto-Shootings, Stylisten, Song-Aufnahmen… mehr und mehr sah es danach aus, dass ich plötzlich all das erreichen könnte, was ich zuvor bei anderen beneidet hatte. Es schien sich genau der Wunsch zu erfüllen, den ich mir von ganzem Herzen gewünscht hatte. Eine Sache hatte ich bei diesem sehnlichsten Wunsch jedoch nicht bedacht: Passt ein solches Leben wirklich zu mir? Bin das wirklich ich? Ist das ein Teil des Weges, der wirklich meinem Wesen entspricht?“
Je näher wichtige Termine und erste Auftritte gerückt seien, desto stärker habe er Panik bekommen. „Ich entwickelte eine Sozialphobie. Die Vorstellung, vor Kameras und womöglich tausenden Menschen zu stehen, als Interpret Verantwortung für ein hunderttausend Euro Projekt tragen zu müssen, machte mir unfassbare Angst. Diese Angst zermürbte mich bald derart, dass ich mit Medikamenten ruhiggestellt werden musste“, berichtet Adler. Er sei zu sensibel, unsicher, schüchtern und ängstlich gewesen, um das Leben zu führen, das er zuvor bei anderen beneidet habe. Als er vertraglich verpflichtet worden sei, an einem Silvesterabend einen großen Auftritt in Berlin zu absolvieren, habe er einen Zusammenbruch erlitten.
„Das Management ließ mich fallen und innerhalb kürzester Zeit wurde mein bis dahin wohl größter Höhenflug zu dem tiefsten Absturz, den ich jemals erlebt hatte“, sagt Adler. Danach habe er sein gesamtes Leben infrage gestellt und nach einigen Jahren der Krise versucht, seinen eigenen Lebensweg und Lebenssinn zu finden. Er habe sich davon lösen müssen, geblendet zu sein von Neid, Sehnsucht oder davon, sich an den Erfolgen und Erwartungen anderer zu messen.
Aus dieser Erfahrung sei für ihn eine Haltung entstanden, die sein Schreiben bis heute prägt. „Seitdem denke ich mir bei jedem Wunsch, bei jedem Beneiden, bei jedem Herbeisehnen: Woher willst du so genau wissen, dass genau dies dein Glück und nicht langfristig vielleicht doch eher deinen Untergang bedeuten wird? Die besonnene Selbstreflexion ist überlebenswichtig!“
Dieser Gedanke habe ihn zu dem Märchen inspiriert, in dem er die Philosophie der Stoiker erklären möchte. Diese antike Lebensweisheit zeige, dass nicht Sehnsüchte, Gier, Neid oder unstillbare Lust zum wahren Glück führten. „Sondern erst in der Ruhe des Geistes, in der Besonnenheit, in dem inneren Seelenfrieden eröffnet sich dir der klare Blick auf den Weg, der dir zugedacht ist … und der dein persönliches, eigenes und ganz individuelles Glück begründen wird“, so Adler.
Diese Lebensphilosophie versteht der Burgdorfer Autor als Gegenentwurf zu Trends wie „Manifestationen“ oder „Bestellungen beim Universum“, die jahrelang die Bestsellerlisten geprägt hätten. Erst solle der Mensch erkennen, wer er sei, bevor er sich wünsche, jemand anderes zu sein. Genau davon handelt das Märchen über den kleinen Meerjungen Pepe, den die Erfüllung seines größten Wunsches beinahe das Leben kostet.
Nach Angaben des Autors spreche diese Form der Lebensphilosophie in Zeiten der Unruhe offenbar viele Menschen an. Die stoische Philosophie erlebe seit einigen Jahren ein großes Revival. Auch Adlers Märchen zu dieser Thematik komme gut an. Wie der Verlag mitteilt, wurde das Buch aufgrund der Nachfrage nun in eine Neuauflage gegeben.
Vor wenigen Wochen veröffentlichte Carsten Adler zudem sein neues Werk „Die einzige Religion – ist LIEBE!“. Darin legt er geisteswissenschaftlich dar, warum Selbsterkenntnis aus seiner Sicht die Grundlage der Selbstliebe ist und warum erst Selbstliebe dazu befähige, wahrhaftig lieben zu können.
„Religion ist die Grundlage unserer Zivilisation – aber eben nur dann, wenn sie auch entsprechend ihres ursprungsgetreuen und damit auch wahren Begriffs verstanden und gelehrt wird. Denn etymologisch aufgeschlüsselt beinhaltet das lateinische „religio“ die (Selbst-)Liebe und die Selbstreflexion begrifflich unabdingbar. Doch dies wurde über die Jahrhunderte und Jahrtausende institutionell verfälscht wie kaum ein anderer Begriff!“, erklärt Adler. Wie dies historisch belegbar sei, zeige er in seinem Buch anhand verschiedener Beispiele aus der Kulturgeschichte.
Ob ihm damit nun der große Durchbruch bevorsteht, sieht der Burgdorfer Autor gelassen. „Es wird kommen, wie es kommt. Für mich war die Veröffentlichung als solche schon ein persönlicher Erfolg, für den ich unglaublich dankbar bin. Aber auf der Bühne oder vor Kameras sehe ich mich nach wie vor nicht. Auch wenn man in Zeiten von TikTok und Instagram ja beinahe schon ein Exot ist, wenn man nicht vor der Kamera steht. Aber die Influencer-Karriere überlasse ich wohl besser anderen“, sagt Carsten Adler.
In Burgdorf sind die beiden Bücher „Pepe Poseidonios – der kleine Stoiker aus dem Atlantik“ mit der ISBN 978-3-95544-189-0 sowie das geisteswissenschaftliche Werk „Die einzige Religion … ist LIEBE!“ mit der ISBN 978-3-95544-194-4 bei Wegeners und FreyRaum erhältlich sowie in jedem Online-Buchhandel.
