Stadtmuseum zeigt Ausstellung über die 1970er Jahre
Das Stadtmuseum Burgdorf zeigt von Sonnabend, 6. Juni 2026, bis Sonntag, 6. September, die neue Ausstellung „Ein Jahrzehnt im Umbruch – die 1970er Jahre“. Gastgeber sind der VVV Burgdorf, der Förderverein Stadtmuseum Burgdorf und die Stadt Burgdorf. Die Schau ist bei freiem Eintritt jeweils sonnabends und sonntags von 14 bis 17 Uhr im Stadtmuseum, Schmiedestraße 6, geöffnet.
Schlaghosen, Discofieber, Ölkrise, Ostpolitik, RAF-Terror und Flower-Power: Die Ausstellung widmet sich einem Jahrzehnt voller Gegensätze, das Politik, Gesellschaft und Alltagsleben nachhaltig veränderte. Für Konzeption und Zusammenstellung ist ein VVV-Projektteam mit Dr. Andreas Fahl, Gerhard Bleich, Anke Gehrke, Eckhard Gieseler, Heidrun Rickert, Martin Schlehuber, Silvia Schwentke, Christina Winter und Burkhard Wolters verantwortlich. Fördernde Unterstützung leisten die Sparkasse Hannover und die Region Hannover.
Die Ausstellungseröffnung findet am Sonnabend, 6. Juni, um 11 Uhr im Stadtmuseum statt. Die Einführung übernimmt Bürgermeister Armin Pollehn. Für die musikalische Umrahmung sorgt der Burgdorfer Musiker Daniel Fernholz mit bekannten Liedern aus den 1970er Jahren.
Die 1970er Jahre gelten als Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen. Während die sozialliberale Koalition Reformen und eine neue Entspannungspolitik vorantrieb, erschütterten Terrorismus, politische Konflikte und wirtschaftliche Krisen das Vertrauen vieler Menschen. Auf internationale Annäherung und Abrüstungsbemühungen folgte gegen Ende des Jahrzehnts erneut ein verschärfter Ost-West-Konflikt. Gleichzeitig sorgten die Ölkrisen von 1973 und 1979 für wirtschaftliche Unsicherheit, steigende Preise und Arbeitslosigkeit.
Dennoch waren die 1970er Jahre auch von einer starken Aufbruchstimmung geprägt. Frauenbewegung, Umweltinitiativen und neue gesellschaftliche Freiheiten veränderten das Lebensgefühl nachhaltig. Viele Menschen lösten sich zunehmend von traditionellen Normen und entdeckten neue Formen des Zusammenlebens, der Kultur und der politischen Mitgestaltung.
Die Ausstellung verbindet internationale Ereignisse mit Entwicklungen in Deutschland, Niedersachsen und Hannover. Thematisiert werden unter anderem die sozialliberale Koalition, die Ostpolitik von Willy Brandt und dessen Rücktritt nach einer Spionageaffäre, Veränderungen im Industriesektor, erste große Anti-Atomkraft-Proteste sowie technische und gesellschaftliche Neuerungen. In Hannover trat 1972 mit Herbert Schmalstieg der damals jüngste Oberbürgermeister der Bundesrepublik sein Amt an. Kultur und Stadtbild veränderten sich dort unter anderem durch das Straßenkunstprogramm, die Aufstellung der „Nanas“ am Leineufer und die Inbetriebnahme der ersten U-Bahn-Strecke.
Darüber hinaus lädt die Schau zu einer nostalgischen Reise in die Alltags- und Popkultur der 1970er Jahre ein. Musik, Mode, Fernsehen, Wohnen, Freizeit und Sport spiegeln das Lebensgefühl des Jahrzehnts wider. Die Bandbreite reicht von Disco und Glam Rock über Punk und Liedermacher bis zu bekannten Fernsehsendungen und großen Fußballereignissen. Auch die Veränderungen im Bildungsbereich werden aufgegriffen, darunter die Leitlinien antiautoritärer Erziehung und der Förderung selbstständigen Lernens. Zahlreiche Schautafeln, originale Exponate, Fotografien und Dokumente lassen die Atmosphäre dieser bewegten Zeit wieder aufleben. Ein besonderer Blickfang ist ein Ford Escort aus den frühen 1970er Jahren.
Ein Schwerpunkt widmet sich der Entwicklung Burgdorfs in den 1970er Jahren. Ende 1971 schloss mit der Burgdorfer Konservenfabrik der jahrzehntelang bedeutendste Wirtschaftsbetrieb der Stadt. Ein neues Altstadtsanierungskonzept führte zum Abriss vieler älterer Häuser, unter anderem am Brandende und am Bahnhof. Wichtigstes Bauprojekt war die Errichtung der Hochbrücke in den Jahren 1974 und 1975. Die niedersächsische Gebiets- und Verwaltungsreform von 1974 brachte die Auflösung des traditionsreichen Landkreises Burgdorf und die Eingliederung in den Landkreis Hannover mit sich. Im Jahr 1979 feierte die Stadt ihr 700-jähriges Bestehen, während im selben Jahr das norddeutsche Schneechaos die Region in Atem hielt.
Ein begleitender Ausstellungsführer ist gegen eine Schutzgebühr von sechs Euro im Stadtmuseum sowie bei Bleich Drucken und Stempeln, Braunschweiger Straße 2, erhältlich.


