Burgdorf

Ministerpräsident Lies wird Spargelbotschafter: Burgdorf feiert den 18. Spargelempfang

[BURGDORF]

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies hat sich am heutigen Dienstagabend, 26. Mai 2026, ins Goldene Buch der Stadt Burgdorf eingetragen – und trägt fortan einen neuen Titel: Spargelbotschafter. Der Moment bildete den festlichen Abschluss des 18. Burgdorfer Spargelempfangs, zu dem das Stadtmarketing Burgdorf (SMB) und die Stadt in das Veranstaltungszentrum StadtHaus an der Sorgenser Straße geladen hatten. Die Burgdorfer Stadtgesellschaft aus Politik, Vereinen und Verbänden war dicht vertreten.

Begrüßung und ein Gleichnis über die Stadtsparkasse

SMB-Vorsitzender Markus Wzietek eröffnete den Abend und begrüßte die Gäste – darunter die Landtagsabgeordneten Heike Koehler (CDU) und Thordies Hanisch (SPD), die Bürgermeister Frank Prüße (Lehrte), Olaf Kruse (Sehnde) und Armin Pollehn (Burgdorf) sowie Dagobert Strecker als Vertreter der Niedersächsischen Spargelstraße. Besonders hob Wzietek den Gast hervor, der zum ersten Mal dabei war: Volker Alt aus dem Vorstand der Sparkasse Hannover.

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Das gab dem Vorsitzenden Gelegenheit für eine amüsante Anekdote. Burgdorf hatte bis vor Kurzem noch eine eigene Stadtsparkasse – und viele hätten das Institut gerne behalten. Als es darum ging, was aus ihr werden sollte, sei ein durchaus kreativer „Plan B“ entstanden: Eine italienische Großbank, so Wzietek augenzwinkernd, solle angesprochen werden, sich still an der Burgdorfer Stadtsparkasse zu beteiligen – und hätte dafür sicherlich den zehnfachen Preis gezahlt, den Hannover am Ende eingebracht habe. Geheimwaffe bei den Verhandlungen sei eine gewisse „Röschen von der Leyen“ (gemeint ist die Präsidentin der EU-Kommission Ursula von der Leyen, die Red.) ewesen. „Spaß beiseite“, schloss Wzietek, „wir freuen uns, dass Sie heute hier sind.“

Burgdorf sei eben sehr kreativ – und genau das verkörpere der Spargelempfang: ein Abend, an dem alle zusammenkommen. SMB habe mit dem Bonusbuch, dem Wirtschaftsforum und traditionsreichen Veranstaltungen einen großen Anteil am Stadtleben. Einen Ausblick gab es auch: Der Burgdorf Ball findet am 14. November statt – in einer Kulisse, die CKT.Folientechnik mit „130 Prozent Leistung“ verwandeln wird. „Man wird wird das Gebäude und den Innenraum nicht wiedererkennen“, verriet Wzietek – mehr wollte er noch nicht sagen, außer: „Es wird fantastisch.“

Den Sport ließ Wzietek ebenfalls nicht unerwähnt. Während ein bekannter Fußballverein östlich der Region aus dem Oberhaus abgestiegen ist, seien die Handballer des TSV Burgdorf die eigentlichen Leistungsträger der Region: „Europ ist gesetzt“.

Pollehn: Rathaus I, Ganztagsschule und mehr als 60 Projekte

Bürgermeister Armin Pollehn blickte auf die Entwicklung der Stadt – und sprach dabei auch über das, was nach seiner Amtszeit kommen wird. „Nächstes Jahr zu dieser Zeit wird das Rathaus I eröffnet werden“, kündigte er an. Er sei dankbar, dass der Kampf um die Rathäuser gewonnen worden sei und das Leben in der Innenstadt damit erhalten bleibe. Die Innenstadt solle weiter attraktiver werden, grüner, lebendiger.

Als besonderen Meilenstein bezeichnete Pollehn die Einführung der Ganztagsschule – und zwar gleichzeitig für alle vier Grundschulklassen. „Ich bin dankbar für den Mut, den die Stadt auf sich genommen hat. Das ist ein Meilenstein für Burgdorf, für die Familien und für unsere Kinder.“

Die Stadt habe insgesamt mehr als 60 Projekte im Portfolio – von der Kita Aue Süd über die Stärkung der Feuerwehren als Sicherheitszentrum bis hin zur Renaturierung des Oldhorster Moores, der neuen Kita in Ramlingen-Ehlershausen und der Sanierung der Waldschule Ehlershausen. Es sei keine Leistungsshow, betonte Pollehn, sondern die schlichte Notwendigkeit, in Infrastruktur und soziale Bedarfe zu investieren – auch wenn die Kassen leer und die Kredite voll seien. „Hier findet Leben statt – das wollen wir erhalten.“ Er schloss mit einem klaren Bekenntnis zur Demokratie: „Es ist anstrengende Demokratie zu leben – aber ich habe noch nichts Besseres erlebt. Dafür lohnt es sich zu kämpfen.“

Das Ensemble Musical Momente mit den Sängerinnen Christine Owen und Angi Malinowski, begleitet von Vitali Moskalenko am Klavier, umrahmte den Abend mit Highlights aus bekannten Musicals — darunter ein Stück aus dem Welterfolg „Wicked“ als Damenduo.

Strecker: Niedersachsen hat die längste Spargelstraße der Welt

Dagobert Strecker eröffnete seine Rede mit einem Seitenhieb auf kulinarischen Luxus – Bertolt Brecht hatte in der Dreigroschenoper das Verlangen nach Besonderem durchaus dekadent gemeint. Spargel, sagte Strecker, sei heute freilich keine Henkersmahlzeit, und der Burgdorfer Spargel sei alles andere als holzig.

Dann wurde er ernst und erfreut zugleich: Die Schilder der Niedersächsischen Spargelstraße seien vollständig erneuert worden – er bedankte sich ausdrücklich bei der Stadtverwaltung für die hervorragende Umsetzung und hoffte auf Signalwirkung für andere Kommunen. Die Spargelstraße bestehe seit mehr als 25 Jahren, 750 Kilometer durch Niedersachsen, und sie beginne und ende in Burgdorf. „Da sollten wir mehr draus machen.“ 56 Mitglieder aus Städten, Gemeinden und der Gastronomie trügen den Verein — „das ist nicht selbstverständlich.“

Und dann erinnerte Strecker an das Wichtigste: „Bis Johanni Spargel essen.“ Bis zum 24. Juni — noch 28 Tage. Daraufhin ernannte Strecker Olaf Lies offiziell zum Spargelbotschafter der Niedersächsischen Spargelstraße.

Lies: Spargel, Ehrenamt und die Stärke der Demokratie

Der Ministerpräsident bedankte sich mit einem herzlichen „Moin“ und nahm die Ernennung sichtlich gerne an. Burgdorf sei eben eine besondere Stadt – er müsse inzwischen schon erklären, welche Nähe er zu ihr habe: Vor wenigen Wochen hatte Ursula von der Leyen die Niedersächsische Landesmedaille erhalten, vor zwei Wochen Bernd Lange. „Muss man eigentlich Burgdorfer sein, um die Landesmedaille zu bekommen“, werde er gefragt. Und wenn es die Fußballer schon nicht in die erste Liga schaffen – dann wenigstens die Handballer.

Den Spargel beschrieb er als „König der Gemüse“ – bedauerlich nur, dass seine Regentschaft so kurz sei, bis zum 24. Juni. Noch 28 Tage. „Man kann ihn auch zum Frühstück essen – fast 100 Mal also noch, wenn man sich anstrengt.“ Er lobte die Landwirte, die bereit seien, Spargel anzubauen, und die Gastronomiebetriebe, die ihn zubereiten. Spargel sei übrigens kein junges Gemüse – vor rund 5000 Jahren wurde er zum ersten Mal kultiviert. Dass er es dennoch geschafft habe, als saisonales Produkt seine Besonderheit zu bewahren, sei in einer Zeit, in der alles immer verfügbar sein müsse, eine echte Leistung. Lies versprach, seinen neuen Titel ernst zu nehmen: „Ich werde öfter darauf hinweisen, dass ich Spargelbotschafter von Burgdorf bin“ – und dabei nicht nur für den Spargel werben, sondern für die Menschen, die hier leben und sich engagieren.

Das Ehrenamt, sagte Lies, sei das Fundament: Ein Drittel der Niedersachsen bringe sich ein das beeindrucke ihn. Auch Kommunalpolitik sei Ehrenamt, und die Kommunalwahl stehe bald bevor. „Gelebte direkte Demokratie – die brauchen wir.“ Wer die Demokratie sichern wolle, müsse für sie werben, für sie eintreten – auch wenn es anstrengend sei. Er mahnte, Beleidigungen gegen Bürgermeister oder Polizisten nicht hinzunehmen, und schloss mit einem Appell: „Schaut auf das, was entscheidend ist – das Ehrenamt, das soziale Engagement.“

Den offiziellen Teil des Abends beschloss Armin Pollehn mit der Einladung zum Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Burgdorf. Flankiert von Dagobert Strecker und Markus Wzietek setzte Ministerpräsident Lies seine Unterschrift – mit Applaus der Gäste.

Nach dem Dank an Peter „Pit“ Widdel und sein Team vom StadtHaus Burgdorf für die Zubereitung des Essens wie auch an das Team des JohnnyB. um Stadtjugendpfleger Horst Gohla bot sich während und nach dem Essen genügend Zeit, sich auszutauschen und eine lebendige Stadtgesellschaft zu pflegen.

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