Burgdorf

Rathaus I als Bürgerhaus: Ausschuss vertagt Entscheidung über SMB-Konzept

Zu viele offene Fragen rund um Stadtmarketing, Miete und Förderbedingungen / Weiterdiskussion im Juni

[BURGDORF]

Das derzeit in Sanierung befindliche Rathaus I in Burgdorf soll künftig weit mehr sein als ein Verwaltungsgebäude – ein I-Point für Touristen, ein Treffpunkt für Vereine, ein Kinder- und Jugendbüro, ein öffentlich nutzbarer Ratssaal. So sieht es das Nutzungskonzept vor, das die Verwaltung dem Haushaltsausschuss am heutigen Montag, 9. März 2026, zur Vorberatung vorlegte. Doch die Vorlage stieß auf so viele grundsätzliche Fragen, dass der Ausschuss die Entscheidung vertagt hat. Weiterberaten werden soll am 1. Juni.

Was geplant ist: Ein Haus für alle

Das Erdgeschoss des Rathauses I soll öffentlich zugänglich und belebt werden. Geplant sind ein I-Point als zentraler Anlaufpunkt für Bürgerinnen, Bürger und Gäste – täglich geöffnet, auch an Wochenenden –, zwei Besprechungsräume für Vereine und Institutionen sowie Büros für den Seniorenrat und das Schiedsamt, die bereits vor der Sanierung im Haus untergebracht waren. Hinzu kommt ein Kinder- und Jugendbüro, das Beratung, Freizeitangebote und Partizipationsprojekte für 6- bis 18-Jährige anbieten soll – auch mit Blick auf die angestrebte Zertifizierung Burgdorfs als kinderfreundliche Kommune.

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Im ersten Obergeschoss sollen der Ratssaal für politische Sitzungen, Trauungen und Veranstaltungen sowie Büros für die Wirtschaftsförderung und das Citymanagement entstehen. In den oberen Etagen zieht die Abteilung Ordnung ein, was zugleich die derzeit angemieteten Räume in der Schlossstraße überflüssig machen würde.

Warum der SMB keine Miete zahlen soll

Der Knackpunkt des Konzepts ist die Rolle des Vereins Stadtmarketing Burgdorf (SMB): Er soll mit zehn Arbeitsplätzen ins Erdgeschoss einziehen und die Koordinierung der gesamten öffentlichen Nutzung übernehmen – Raumbelegung, Veranstaltungsorganisation, I-Point-Betrieb, Belebung des Rathausvorplatzes. Und das ohne Mietzahlung.

Der Grund liegt in der Förderlogik: Für die Sanierung des Rathauses I wurden 1,6 Millionen Euro aus dem Städtebauförderprogramm in Anspruch genommen. Wer in einem so geförderten Gebäude Miete einnimmt, muss diese dem Sanierungsvermögen zurechnen – was den Fördermittelanteil entsprechend verringert. Burgdorfs Bürgermeister Armin Pollehn (CDU) erläuterte, wie es zu der Konstruktion kam: Weil das Programm eine reine Verwaltungsnutzung ausschließt, wurde ein Bürgerhaus daraus – und weil jemand dieses Bürgerhaus verlässlich betreiben muss, fiel die Wahl auf den SMB. „Dann kam die Frage: Wer macht es dann? Da kam die Idee vom Stadtmarketing auf“, so Pollehn. Im Gegenzug für die mietfreie Nutzung übernehme der SMB Aufgaben, die sonst die Stadt selbst stemmen müsste.

Die Kritik: Zu viele offene Fragen

Doch im Ausschuss reichte diese Erklärung nicht aus. Mario Gawlik (Freigeist Burgdorf) erklärte die Vorlage schlicht für „nicht beschlussfähig“: Es fehle eine klare Aussage, was der normale Quadratmeterpreis sei und was der SMB dafür konkret zu leisten habe. Rechte und Pflichten müssten in einem sauberen Vertrag geregelt werden, nicht in einer Vorlage mit groben Schlagworten. „Das muss in unterschiedliche Aspekte aufgedröselt werden“, forderte er.

Simone Heller (Bündnis 90/Die Grünen) fragte direkt: „Sollen die da mietfrei wohnen?“ Die Städtische Rätin Nicole Raue bestätigte, dass klassische Mieteinnahmen fördermindernd wären – was jedoch nicht alle überzeugte. Heller: „Dann sollen wir wenigstens über den städtischen Beitrag an den SMB reden. Einfach durchwinken, nur um Förderkriterien zu erfüllen, geht nicht.“

Rüdiger Nijenhof (WGS Freie Burgdorfer) stellte grundsätzlichere Fragen: Wer bekomme künftig die Einnahmen aus dem Ratssaal, wenn dieser an Vereine oder Unternehmen vermietet werde? Und was passiere, wenn der SMB in einigen Jahren selbst in finanzielle Schwierigkeiten gerate? „Da holen wir uns selbst die Nachfrage ran“, warnte er. Auch die Frage, ob der Seniorenrat künftig beim SMB um Räume nachfragen müsse, hatte für ihn ein „Geschmäckle“.

Oliver Sieke (CDU) zeigte sich dem Konzept gegenüber grundsätzlich offen, hätte sich aber alternative Konzepte gewünscht. Andrea Buhndorf (SPD) wollte die Vorlage zunächst in die Fraktionen nehmen: „Da ist viel Beratungsbedarf.“

Bürgermeister Pollehn warb noch einmal für die Idee: Ein öffentlich zugänglicher Ratssaal, der auch von Vereinen und Unternehmen für Seminare genutzt werden könne, steigere die Attraktivität der Stadt. „Unternehmen könnten den Ratssaal für ein Seminar anmieten. Die Menschen kommen dann auch nach dem Seminar nach Burgdorf.“ Mario Gawlik regte zudem an, im Zuge der geplanten Burgdorf GmbH auch deren Einbindung in das Gebäude mitzudenken.

Am Ende stimmten alle Ausschussmitglieder dafür, die Vorlage zu vertagen. Die Diskussion wird am 1. Juni fortgesetzt – dann, so die Erwartung, mit klareren Antworten auf die Fragen nach Gegenleistung, Vertragsgestaltung und den Konditionen für alle weiteren Nutzer des Hauses.

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