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Wege zu mehr sozialer Teilhabe: Wahrendorff-Symposium in Köthenwald setzt starkes Zeichen für Inklusion

[KÖTHENWALD]

Unter dem Titel „Breaking the Chains: Projekte, Perspektiven und Herausforderungen sozialer Teilhabe“ diskutierten am 10. September rund 200 Fachleute, Betroffene und Interessierte beim Wahrendorff Wohnen-Symposium über neue Wege zu Inklusion, Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Verantwortung. Die Veranstaltung im Klinikum Wahrendorff widmete sich der Frage, wie Barrieren in Köpfen und Strukturen abgebaut werden können – mit einem klaren Ziel: mehr echte Teilhabe für Menschen mit psychischen und intellektuellen Beeinträchtigungen.

Bereits der Titel des Symposiums – „Breaking the Chains“ – spiegelte die Leitidee wider: Ketten sprengen, Grenzen überwinden, Teilhabe neu denken. In Vorträgen, Diskussionsrunden und beim „Markt der Teilhabe“ wurden innovative Projekte vorgestellt und Perspektiven aus Wissenschaft, Praxis und persönlicher Erfahrung zusammengeführt.

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Forschung trifft gelebte Praxis

Einen Höhepunkt des Symposiums bildete die Vorstellung des Projekts „Leinen los, statt Anker setzen“ durch Dr. Julia Krieger und Maryam Hakim aus dem Wahrendorff-Team für Forschung und Entwicklung. Das Programm unterstützt Menschen aus der Eingliederungshilfe auf ihrem Weg in eine eigene Wohnung oder in den ersten Arbeitsmarkt. Das Projekt, das bereits auf internationalen Fachkongressen Aufmerksamkeit erregte, zeigt eindrucksvoll, wie praxisnahe Forschung neue Zugänge zu sozialer Teilhabe eröffnen kann.

Auch PD Dr. Uta Gühne von der Universität Leipzig stellte die S3-Leitlinien zu psychosozialen Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen vor. Christiane Scholz und Eyleen Besser berichteten über die Umsetzung emotionaler Entwicklungsansätze bei Menschen mit geistiger Behinderung im Bereich Wahrendorff Wohnen. Besonders berührend war der Beitrag von Thelke Scholz, die als Expertin aus Erfahrung ihre Sicht auf das Spannungsfeld von Selbstbestimmung und Fürsorge schilderte.

Kontroverse Diskussion um gelebte Teilhabe

In einer lebhaften Podiumsdiskussion mit PD Dr. Uta Gühne, Andreas Landmann, Thelke Scholz, Henrik Bey und Eyleen Besser stand die Frage im Mittelpunkt, was es wirklich braucht, um Teilhabe zu leben. Dabei wurde deutlich: Teilhabe ist weit mehr als Zugang zu Hilfsangeboten – sie bedeutet, als gleichwertiges Mitglied der Gesellschaft gesehen und anerkannt zu werden.

„Teilhabe bedeutet für mich, mich als Teil einer Gemeinschaft zu erleben – nicht nur als psychoseerfahrene Person, sondern auch als Mutter, Wissenschaftlerin und Mitgestalterin“, sagte Thelke Scholz. Eyleen Besser betonte, wie wichtig „eine offene, tolerante und menschliche Haltung“ sei, die über fachliche Arbeit hinausgehe.

Für PD Dr. Uta Gühne liegt der Schlüssel zu echter Inklusion „in sektorenübergreifender Zusammenarbeit, barrierefreien Sozialräumen und der engen Verzahnung medizinischer und sozialer Angebote“. Andreas Landmann, Vorsitzender der Besuchskommission Region Hannover, forderte, „größer zu denken“: Eine wirklich inklusive Gesellschaft entstehe nur, wenn Inklusion nicht in einzelnen Systemen ende. „Länder wie Dänemark zeigen, dass gelebte Inklusion zu mehr Lebenszufriedenheit führt“, sagte er.

Selbstbestimmung im Mittelpunkt

Besonders intensiv wurde über die Balance zwischen Fürsorge und Selbstbestimmung diskutiert. „Fürsorge darf nicht bevormunden“, so PD Dr. Gühne. „Zentral ist das Konzept der assistierten Entscheidungsfindung – unterstützen, aber nicht übergehen.“ Auch Thelke Scholz plädierte für mehr Autonomie: „Menschen müssen selbst entscheiden dürfen, was Hilfe für sie bedeutet.“

Blick in die Zukunft

Einigkeit bestand darin, dass Teilhabe nur dann gelingen kann, wenn strukturelle Voraussetzungen verbessert werden. Dazu zählen mehr inklusive Begegnungsräume, eine stärkere Beteiligung von Menschen mit eigener Erfahrung und der konsequente Abbau gesellschaftlicher Vorurteile.

„Wir müssen mehr Menschen für inklusive Arbeit und Gemeinschaft gewinnen – gerade in einer Zeit, in der Toleranz und Akzeptanz wieder neu erstritten werden müssen“, sagte Eyleen Besser abschließend.

Fazit

Das Symposium zeigte eindrucksvoll, dass Teilhabe kein theoretisches Konzept, sondern ein lebendiger, sozialer Prozess ist, der Engagement, Wissen und Mut erfordert. Wahrendorff Wohnen setzte mit dieser Veranstaltung ein starkes Zeichen: Für mehr Offenheit, für Vielfalt – und für das gemeinsame Ziel, Grenzen im Denken und Handeln zu überwinden.

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