Masterplan für Bahnhof und Rathaus
Die Stadt Lehrte legt dem Rat einen Masterplan für den Bereich Bahnhofstraße und Rathausviertel in der Kernstadt vor. Ziel ist es, die vorhandenen städtebaulichen und funktionalen Missstände in diesem zentralen Bereich aufzuheben und eine langfristige Aufwertung anzustreben.
Der Plan geht auf einen städtebaulichen Wettbewerb aus dem Jahr 2023 zurück, der von der Stadt Lehrte und dem Büro Drees und Huesmann Stadtplaner PartGmbB begleitet wurde. Das Plangebiet umfasst rund 4,4 Hektar und schließt den Bereich östlich der Bahnhofstraße einschließlich des Bahnhofstunnels sowie den Bereich um das Rathaus ein. Aus 13 eingereichten Entwürfen wurde das Büro bb22 architekten + stadtplaner aus Frankfurt am Main mit dem ersten Platz ausgezeichnet und anschließend mit der Erarbeitung des Masterplans beauftragt.
Nach Angaben der Vorlage wurden die Zwischenergebnisse des Masterplans am Montag, 16. Juni 2025, im Bau- und Verkehrsplanungsausschuss vorgestellt. Die Lenkungsgruppe wurde mit Beschluss des Rates vom Mittwoch, 5. März 2025, fortgeführt und um einen Vertretenden aus dem Fachdienst Straßen und Verkehr erweitert. Eine Informationsveranstaltung fand am Mittwoch, 24. September 2025, in der städtischen Galerie in Lehrte statt. Ein abschließender Stadtspaziergang durch das Plangebiet wurde am Montag, 19. Mai 2026, durchgeführt.
Ein Schwerpunkt des Masterplans ist die Umgestaltung des Bahnhofsumfelds. Vorgesehen sind eine Aufwertung des Bahnhofsvorplatzes mit einem großzügigen transparenten Dach, eine bessere natürliche Belichtung des Bahnhofstunnels, eine barrierearme Zuwegung mit Rampen und großzügigen Aufzügen sowie ein Fahrradparkhaus am westlichen Zugang. Das denkmalgeschützte Bahnhofsempfangsgebäude soll einer neuen Nutzung zugeführt und aufgewertet werden.
Für die Querung der B 443 und die Aufwertung des Sedanplatzes wurden drei Lösungsansätze untersucht. Ein Brückenbauwerk wurde wegen der Restriktionen, der städtebaulichen Wirkung und des Kosten-Nutzen-Verhältnisses als unverhältnismäßig eingeschätzt. Ebenfalls geprüft wurde die Einrichtung einer zusätzlichen Lichtsignalanlage im Bereich Sedanplatz. Als weiterer Ansatz wird eine Querung ohne Lichtsignalanlage in Verbindung mit einem Kreisverkehr im Bereich der Kreuzung B 443 und Marktstraße beschrieben. Zuständig ist nach der Vorlage die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, mit der bereits Gespräche geführt werden.
Für die Bahnhofstraße sieht der Masterplan ein Verkehrs- und Erschließungskonzept mit klarerer Gliederung des Verkehrsraums, einer Einbahnstraßenregelung, linksseitig angeordneten Kurzzeitstellplätzen und breiteren Gehwegen vor. Eine Quartiersgarage soll den fehlenden Stellplatzbedarf für die geplante Rathauserweiterung ersetzen. Das öffentliche Parken in der bestehenden P+R-Anlage in der Bahnhofstraße soll künftig nicht mehr dort vorgehalten, sondern auf der anderen Seite der Bahngleise im vorhandenen Parkhaus in der Poststraße untergebracht werden.
Im Bereich hinter dem Rathaus sieht der Masterplan eine Rathauserweiterung und ein Wohnquartier an der Gartenstraße vor. Für die Verwaltung werden rund 150 zusätzliche Arbeitsplätze sowie Besprechungsräume, ein Sitzungszimmer und eine Kantine oder ein Pausenraum genannt. Da der Bedarf nicht allein im Erweiterungsbau an der Gartenstraße untergebracht werden kann, wird zusätzlich eine zweite Rathauserweiterung auf DB-Flächen südlich der Bahngleise vorgesehen. Für das Wohnquartier an der Gartenstraße sind etwa 66 Wohneinheiten vorgesehen. Unter dem gemeinschaftlichen Wohnhof ist eine Tiefebene für Stellplätze vorgesehen, damit das Wohnquartier unabhängig von der Realisierung einer Quartiersgarage umgesetzt werden kann, sobald die Rathauserweiterung abgeschlossen ist.
Entlang der Bahnhofstraße soll außerdem die Bebauung und Nutzungsprogrammierung weiterentwickelt werden. Der Masterplan sieht eine Nachverdichtung, Vor- und Rücksprünge in der Bebauung, eine Aufstockung von Bestandsgebäuden sowie die Aktivierung von Erdgeschosszonen vor. Genannt werden unter anderem soziale und kulturelle Einrichtungen, Rathausnutzungen, Wohnen, Quartiersgarage und Fahrradparkhaus, Co-Working und Büroflächen, urbane Produktion, Gastronomie sowie Gewerbe, Dienstleistungen und kleinteilige Logistik. Für den Arbeitsstandort Bahnhofstraße werden im Entwurf unterschiedliche Flächenkennwerte und Nutzungen beschrieben.
Die im Süden der Bahnhofstraße liegenden DB-Flächen werden als weiteres Entwicklungspotenzial beschrieben. Zugleich verweist die Vorlage auf die vorgesehenen Kabeltrassen und auf das geplante Digitale Stellwerk der Deutschen Bahn, zu dessen genauer Verortung nach Darstellung der Bahn derzeit keine Aussage getroffen werden kann. Vorgesehen sind dort unter anderem eine optionale zweite Rathauserweiterung sowie ein Wohngebäude mit Microapartments. Die Durchwegung entlang der Gleise wurde verworfen, weil betriebsnotwendige Kabeltrassen dort verlaufen; der Fuß- und Radverkehr soll entlang der Bahnhofstraße gebündelt werden.
Schließlich legt der Masterplan Wert auf eine zukunftsfähige Gestaltung der Freiräume. Vorgesehen sind die Fortführung der Grünverbindung des alten Bahndamms als „Grüne Fuge“, Retentionsflächen, Versickerungsmulden, wasserdurchlässige Beläge, begrünte Dächer und Fassaden sowie die Erhaltung und Ergänzung des geschützten Baumbestands. Nach Einschätzung der Vorlage dient der Masterplan als Grundlage für weitere Entscheidungen des Rates und der Verwaltung. Dem Entwurf des Endberichts liegt die Vorlage als Anlage bei.
Ausführliche Informationen stehen in den Ratsunterlagen zur Verfügung: 2026 084 Anlage 01 Endbericht Masterplan , Beschlussvorlage ohne Haushalt.