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Region Hannover
Dienstag, 22.06.2021 - 19:27 Uhr

"Zukunft ernten": Gartenregion prämiert sieben Projekte

Jury-Entscheidung im Förderwettbewerb "Gärten fördern. Zukunft ernten!"

REGION

Ausgelobt waren 100.000 Euro Fördergeld für zukunftsweisende Garten- und Grünprojekte, 32 eingereichte Vorhaben musste am Ende eine Fachjury befinden. Am heutigen Dienstag, 22. Juni 2021, wurde dem Ausschuss für Regionalplanung, Naherholung, Metropolregion und Europaangelegenheiten die Entscheidung des Gremiums vorgestellt. Für die drei möglichen Förderschwerpunkte wurden insgesamt sieben Preisträgerinnen und Preisträger benannt, neben sechs Vereinen auch die Gemeinde Wedemark.

 

"Gärten fördern. Zukunft ernten!": Unter diesem Motto hatte die Region Hannover 2021 ihren Förderwettbewerb ausgeschrieben. Gefragt waren Antworten auf die Frage, wie Gärten und Grünräume in der Region Hannover unter Berücksichtigung aktueller Herausforderungen zu einer Verbesserung der Lebensqualität beitragen können.

 

Sonja Beuning, Leiterin des Fachbereichs Planung und Raumordnung der Region Hannover, zeigte sich von den eingereichten Wettbewerbsbeiträgen begeistert: "Alle vorgeschlagenen Projekte zeichnen sich durch frische Ideen aus. Dies umschließt neugedachte Schulgärten wie andere öffentlich zugängliche Gemeinschaftsgärten und beinhaltet niederschwellige Bildungs-, Lern- und Mitmachangebote zu Themen wie Gemüseanbau und Artenvielfalt bis zu innovativen Projekten, die die Rolle von Gärten bei der Anpassung an die Klimaveränderungen verdeutlichen. Gemeinsam wollen wir Oasen der Erholung schaffen, Naturerfahrungen vermitteln und darüber das soziale Miteinander stärken."

 

Die Qualität der Wettbewerbsbeiträge hat die Jury denn auch bewogen, die jeweilige Höchstsumme von 30.000 Euro pro Projekt nicht auszuschöpfen, um mehr Initiativen die Chance einer Unterstützung zu geben. Astrid Eblenkamp, Projektleiterin im Team Regionale Naherholung: "Das gesamte Fördervolumen von 100.000 Euro wurde vergeben; im Einzelfall wurde eine Fördersumme von maximal 20.000 Euro freigegeben."

 

Förderschwerpunkt: Ernährung und Gesundheit

In dieser Kategorie kommt die höchste Fördersumme dem Verein Transition Town Hannover e.V. zugute für "Solidarisch Landwirtschaften im Permakulturgarten am Kronsberg": Nördlich des entstehenden Ecovillage Hannover soll eine zwei Hektar große, bisher konventionell genutzte Ackerfläche in einen artenreichen Permakulturgarten umgewandelt werden. Neben Lebensmittelanbau ist eine insekten-freundliche Bepflanzung, wie Zwischenpflanzung von Kräutern und (Beeren-) Gehölzen sowie einer Blühwiese in der Mitte der Fläche, vorgesehen. Humusbildende Maßnahmen sollen die Bodenregeneration anregen.

 

Mit "Window-Gardening" möchte der Verein Fenster zum guten Leben e. V. i. G. zu einer Verbesserung der Ernährung und Gesundheit der Menschen beitragen: "Fürs Gärtnerglück reichen ein paar Quadratzentimeter Beet. Sprossen, Micro-Greens, Kräuter und Gewürze sind wunderbare Quellen von Vitaminen und Spurenelementen."

 

Einen ganz besonderen Schulgarten will der Förderverein der Freiwind Schule Mardorf anlegen, mit naturnahen Flächen und Wildwiesen. Auch der Schulhof soll nachhaltig und ökologisch gestaltet werden. Ziel des Projektes ist es, Wissen über Gärten, Landwirtschaft, Permakultur sowie Natur zu vermitteln, jeden Prozessschritt vom Anbau bis zum Verzehr zu fühlen, zu erleben und zu beobachten sowie Verständnis für gesunde Ernährung zu wecken.

 

Förderschwerpunkte: Ernährung und Gesundheit & Klimaanpassung und -schutz

Bis Sommer 2023 will der BUND Region Hannover e.V.  ein Netzwerk aus "Saatgut-Erhalterinnen und Erhaltern" in Kleingärten der Landeshauptstadt Hannover aufbauen. Ziel ist der Erhalt nicht mehr zugelassener, samenfester Nutzpflanzensorten und die Rückkehr der (Geschmacks-)Vielfalt von Gemüse und Kräutern in Haus- und Schrebergärten.

 

Das Umweltzentrum Hannover e.V. plant den Bau eines modular aufgebauten Schaugartens, der die Möglichkeiten der naturnahen Bepflanzung von Gärten unterschiedlicher Größe bis hin zu Blumenkästen zeigt. Grundsatz: "Eine nachhaltige Bepflanzung muss nicht teuer sein und erfordert nicht viel Platz, jede und jeder kann einen Beitrag zum Artenschutz und zur Biodiversität leisten."

 

Die Makers for Humanity e.V. wollen auf dem Teich des Schulbiologiezentrums in Hannover-Burg zwei Schwimmgärten als Lern-und Erlebnisorte für Schulen, Fachpublikum und Gäste installieren und systematisch bepflanzen. Auf einer der beiden Garteninseln werden wassergestützte Anbaumethoden erforscht und präsentiert. Die zweite Garteninsel dient als schwimmendes Klassenzimmer und Kulturort für Veranstaltungen.

 

Förderschwerpunkt: Grüne Baukultur

Das Mehrgenerationenhaus Wedemark ist Anlaufstelle und Treffpunkt für sehr unterschiedliche Bevölkerungsgruppen, darunter Menschen mit Fluchtgeschichte, mit geringem Einkommen, Seniorinnen und Senioren, behinderte und nicht-behinderte Menschen und andere. Der Innenhof des Zentrums soll für alle ein barrierefreier, naturnaher "Veranstaltungs- und Wohlfühlort werden, der klimafreundliche Energien für nachhaltigen Bewuchs nutzt und dieses den Besucherinnen und Besuchern nahebringt." Hierfür sollen Flächen entsiegelt, Regenwasser über eine Zisterne aufgefangen und genutzt, eine Photovoltaikanlage zum Betrieb einer digital gesteuerten Bewässerung installiert, Nistmöglichkeiten für Vögel durch eine großflächige Fassadenbegrünung geschaffen und auch ein Wildblumenbeet angelegt werden: "Der Innenhof soll auf sehr kleinem Raum eine öffentlich zugängliche Oase werden, die unterhält, bildet und der heimischen Natur trotzdem ihren Raum lässt."

 

Hintergrund des Förderwettbewerbs

"Im Rahmen des Projektes Gartenregion fördert die Region Hannover seit mehr als einem Jahrzehnt auf verschiedene Weise den Erhalt und die Entwicklung ihrer Grünräume", erläutert Christine Karasch, Dezernentin für Umwelt, Planung und Bauen: "Die intensive Nutzung unserer Parks und Wälder in der COVID-19-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig und sinnvoll diese Investitionen waren und sind. Grünanlagen im unmittelbaren Wohnumfeld der Menschen sind für ihre alltägliche Erholung wichtig und werden auch wieder zu Orten der Begegnung werden. Auch der Klimawandel zwingt zu einer Neubesinnung."

 

Mit dem erstmals für 2021 ausgeschriebenen Förderwettbewerb sollen in den kommenden Jahren verstärkt richtungsweisende garten- und grünraumbezogene Projekte unterstützt werden, die aktuelle Zukunftsfragen aufgreifen und neuartige Lösungsansätze erproben.

 

Im Themenfeld Ernährung und Gesundheit sollen Antworten auf die Fragen gegeben werden: Wie ernähren wir uns zukünftig? Woher kommen unsere Lebensmittel? Wie wollen wir sie produzieren (lassen)? Welche Rolle spielen dabei unsere Gärten, Grünflächen und Landschaftsräume in der Region Hannover? Wie tragen sie zu unserer Gesundheit bei? Wie können Aufenthalt und Erlebnisse im Grünen unser persönliches Wohlbefinden verbessern? Welche Aufgaben übernehmen Gärten bei der Gesundheitsvorsorge? Wie können Gärten zur Behandlung und zum Genesungserfolg beitragen? Welche Rolle spielen Gärten in den verschiedenen Lebensphasen?

 

Beim Förderschwerpunkt Klimaschutz und -anpassung soll es darum gehen, wie Gärten und siedlungsbezogene Grünzonen zum Klimaschutz beitragen können. Welche Lösungsansätze für klima- und umweltbedingte Herausforderungen sind auf ungenutzten Flächen und an sogenannten "Unorten" möglich? Was heißt Klimaanpassung für die Anlage und Bewirtschaftung von Gärten, Grünräume und Landschaftsräumen in der Region Hannover? Wie verändern sich Pflanzenwahl und -pflege?

 

Vorschläge für eine Grüne Baukultur könnten sich damit befassen, mit welchen innovativen baulichen, planerischen und technischen Maßnahmen sich Grünbereiche zukunftsgerecht gestalten lassen. Wie müssen Grünräume gestaltet werden, um zur Steigerung der Biodiversität und zum Insektenschutz beizutragen? Wie sieht zukunftsweisende Garten- und Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung für die Region Hannover aus? Welche Best-Practice-Beispiele gibt es? Was lässt sich aus ihnen für die Sanierung, Neu- und Umgestaltung von Parks und Gärten usw. lernen?

 

Der Wettbewerb ist offen für Vereine und private Organisationen, Forstverwaltungen, Realverbände und in Einzelfällen auch natürliche Personen, die in der Region Hannover aktiv sind und mit dem zu fördernden Projekt keine kommerziellen Interessen verfolgen, ebenso wie die Städte und Gemeinden der Region Hannover.