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Lehrte
Montag, 03.05.2021 - 16:50 Uhr

Kultusminister besucht Oberschule und sieht ihren digitalen Unterricht "ganz weit vorne"

Kultusminister Grant Hendrik Tonne und Schulleiterin Katrin Telschow-Don (vorne) zusammen mit (hinten von rechts) Lehrtes Bürgermeister Frank Prüße, dem stellvertretenden Schulleiter Christian Scholz und dem schulfachlichen Dezernent Oliver Brandt.Aufn.: Wolfgang Hake

HäMELERWALD

In der Oberschule Lehrte gab es ein ganz besonderes Treffen: Die Schule traf sich mit Kultusminister Grant-Hendrik Tonne, dem Bürgermeister der Stadt Lehrte Frank Prüße und Oliver Brandt vom Regionalen Landesamt für Schule und Bildung (ehemals Landesschulbehörde), um das digitale Konzept der Schule vorzustellen und über Perspektiven für die digitale Bildung in Niedersachsen zu diskutieren.

 

Die junge Schule (gegründet im August 2018) befindet sich im Aufbau. Zurzeit gibt es dort die Jahrgänge 5 bis 7. Ab dem 7. Jahrgang gibt es an der Oberschule Haupt- und Realschulklassen.

 

Leer ist sie, die Schule, zum Besuch des Ministers. Aufgrund der hohen Inzidenzzahl in der Region findet kein Präsenzunterricht statt. Stille Flure. Leere Klassenräume. Doch die Klasse 7aR hat trotzdem einen Weg gefunden, den Minister in ihrem Klassenraum willkommen zu heißen. Die Schülerinnen und Schüler haben mit Unterstützung ihres Klassenlehrers Christian Scholz kurzerhand eine Videobotschaft vorbereitet. Freundlich wird der Minister von Lisan und Eduard über den großen Bildschirm im Klassenraum begrüßt. Nach und nach kommen alle zu Wort, um ihre Erfahrungen und Gedanken zum digitalen Lernen und zum Homeschooling mitzuteilen. Zum Lernen zu Hause bringt Matti es auf den Punkt: "Uns fehlt der Präsenzunterricht und der Kontakt zu unseren Mitschülern. Aber mit vielen anderen in einem Klassenraum zu sitzen und Schulter an Schulter im Schulbus zu stehen ist riskant. Ich möchte meine Familie vor Ansteckung schützen."

 

Der stellvertretende Schulleiter Christian Scholz stellt anschließend das Konzept des digitalen Unterrichts an der Oberschule vor. Kultusminister Tonne attestiert der Schule schließlich, mit ihrem Konzept und der Umsetzung des digitalen Unterrichts "ganz weit vorne" dabei zu sein. Es habe ihm sehr gut gefallen an der Oberschule in Lehrte, und er möchte bald wiederkommen, um sich noch einmal persönlich für das Feedback der Schülerinnen und Schüler zu bedanken. Dafür werde er bald digital in einer Unterrichtsstunde der Klasse dabei sein.

 

Ursprünglich sah das digitale Konzept der Schule vor, im zweiten Halbjahr der 6. Klasse den ersten Informatik-Unterricht zu erteilen - mit der Einführung in Hard- und Software sowie Cyber-Sicherheit. Vorher sollte bewusst der Schwerpunkt auf analoge Medien und das "Lernen mit Herz und Hand" gelegt werden. Dann kam die Corona-Pandemie und somit der erste Lockdown.

 

Es musste innerhalb weniger Wochen eine Lösung gefunden werden, um Distanzunterricht bestmöglich zu realisieren. Ein passendes digitales System musste gefunden werden. Eine besondere Schwierigkeit war, dass weder die technische Ausstattung der Schülerinnen und Schüler zu Hause noch deren technische Fertigkeiten im Umgang mit digitalen Medien bekannt waren. Und weder Kinder noch Lehrkräfte hatten zuvor Unterricht ausschließlich über den Computer kennengelernt. Es galt ein System zu finden, das für alle Beteiligten unkompliziert und leicht zu handhaben war und den Zugang mit jedem mobilen Endgerät und jedem Betriebssystem ermöglichte. "Meine Frau würde sagen, ich habe mich dafür fünf Wochen in meinem Arbeitszimmer eingeschlossen", lacht Scholz.

 

Im April 2020 führte die Schule die Groupware "Google Workspace for Education" mit Google Classroom als Lern-Management-System ein und war gewappnet für den Distanzunterricht, also das Lernen zu Hause, sowie für den Wechselunterricht.

 

Die logische Konsequenz war, gleiche technische Voraussetzungen für alle zu schaffen. Die Schulgemeinschaft beschloss also, ab dem Schuljahr 2020/21 ein Chromebook Convertible mit Stiftbedienung in allen Klassen und Jahrgängen einzuführen. Seitdem arbeiten jeder Schüler und jede Schülerin mit dem gleichen Gerät - in der Schule und zu Hause. Sogar die Schulbücher befinden sich in digitaler Form darauf. Schwere Schultaschen gehören damit der Vergangenheit an. Dazu meint Dilber aus der 7aR: "Der Hauptteil unserer Schulmaterialien ist auf einem Gerät vorhanden, so stehen uns alle Unterrichtsinhalte jederzeit zur Verfügung. Sogar auf das digitale Tafelbild bekommen wir Zugriff, wenn wir das möchten."

 

Ein reines Tablet wie ein iPad kam für die Schule aus mehreren Gründen nicht in Frage, da das System zu geschlossen, die Möglichkeiten des iPads zu eingeschränkt und die Hardware zu teuer ist. Außerdem sollten die Kinder das Arbeiten mit einem richtigen Computer inklusive Tastatur erlernen. "Das 'Wischen' müssen wir den Kindern nicht mehr beibringen", ergänzt Christian Scholz lächelnd.

 

Obwohl die Stadt Lehrte als Schulträger für die weitere Ausstattung aller Schulen Tablets statt Notebooks vorgesehen hatte, ließ sie sich auf das Hämelerwalder Modell ein. Die Oberschule wurde zur Projektschule. Bürgermeister Prüße betont: "Wir sind diesen Weg mitgegangen, obwohl wir uns für eine einheitliche digitale Lösung für alle Lehrter Schulen entschieden hatten, was für uns am einfachsten gewesen wäre. Jetzt hat sich ja gezeigt, dass sich das Modellprojekt in dieser Schulform ausgezahlt hat."

 

Der Weg der Oberschule musste sich auch sogleich beweisen. Während der ersten Monate dieses Schuljahres wurden die Schülerinnen und Schüler mit der neuen Hardware vertraut gemacht. Im Umgang mit der Software waren sie mittlerweile routiniert. Prompt kam der nächste Lockdown, der nunmehr seit Dezember andauert.

 

"Eine gute und verlässliche Strukturierung des Schultags und vor allem der enge Kontakt zwischen den Schülerinnen und Schülern mit ihren Lehrkräften sind unser besonderes Anliegen. Die Kinder haben es in der sozialen Isolation durch die Pandemie schon schwer genug, deshalb ist der eng getaktete Austausch mit Mitschülern und Lehrkräften - auch wenn es nur über den Bildschirm ist - von besonders großer Bedeutung", betont Schulleiterin Katrin Telschow-Don. Das meint auch Nele aus der 7aR in ihrer Videobotschaft: "Ich finde am digitalen Unterricht gut, dass wir durch die regelmäßigen Videokonferenzen und zeitlich befristeten Aufgaben einen gut geplanten Tag haben.”  

 

Jeder Schultag beginnt mit dem "Morgengruß" - einem Video-Treffen mit der Klassenleitung über das Lern-Management-System. Der Tag wird organisiert und es gibt Gelegenheit sich auszutauschen. Die Arbeitsaufgaben für die Unterrichtsfächer des Tages haben die Schülerinnen und Schüler kurz zuvor über dieselbe Plattform erhalten. Diese werden digital bearbeitet und der jeweiligen Lehrkraft zur Überprüfung zurückgesandt, ohne dass zu Hause etwas ausgedruckt werden muss. Mehrere Video-Treffen mit den Fachlehrern begleiten den schulischen Vormittag, der mit dem "Mittagstreff" mit der Klassenleitung seinen Abschluss findet.

 

Der schulfachliche Dezernent Oliver Brandt berichtet vom positiven Echo aus der Elternschaft - die Umsetzung des Unterrichts in der Oberschule im Distanzunterricht stoße auf große Zustimmung.

 

Die Klasse 7aR ist jedenfalls schon jetzt aufgeregt und ganz "aus dem Häuschen", dass sie demnächst so hohen Besuch bekommt - in ihrem digitalen Unterricht.