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Burgdorf
Sonntag, 17.05.2020 - 19:24 Uhr

Pfarrer Martin Karras verlässt Burgdorf nach acht Jahren

Am Sonntag, 30. August 2020, wird Pfarrer Martin Karras verabschiedet.Aufn.:

BURGDORF

Nach acht Jahren verlässt der in 2012 aus Garmisch-Patenkirchen in die Spargelstadt Burgdorf kommende Pfarrer Martin Karras zum 1. September die katholische St. Nikolaus Pfarrgemeinde. Karras wird nach einer sechsmonatigen Auszeit zum 1. März 2021 zum mitarbeitenden Pastor in der Hospiz- und Klinikseelsorge sowie nach Bedarf und Möglichkeit in St. Marien, Lüneburg, tätig werden. Für seinen Weggang, obwohl er sich in Burgdorf sehr wohl gefühlt habe, nennt der 53-jährige Motorradbegeisterte Priester und Wacken-Fan, dass er schon frühzeitig für sich entschieden habe, bei der Einrichtung der Pastoralbereiche als leitender Pfarrer nicht zur Verfügung stehen zu wollen. Dieses Aufgrund seiner gesundheitlichen Einschränkungen, aber auch um wieder verstärkt in der Seelsorge tätig zu sein.

 

Karras Start in der Pfarrgemeinde, die ihn von Anfang an mit offenen Armen aufgenommen hatte, war nicht leicht. Festgestellt habe er, dass das Gemeinschaftsgefühl hier ein anderes ist, als das, was er bisher kannte. Die Profanierung der Hänigser St. Barbara Kirche habe ihn kalt erwischt. Mitgenommen habe ihn insbesondere der letzte Gottesdienst in dieser 50 Jahre alten Kirche, in der er in eine Vielzahl von weinenden Augen sehen musste. "Der gesamte Ablauf der Profanierung ist mehr als nur unglücklich gelaufen", so Karras. Völlig vergessen worden seien dabei die Menschen. Und dieses schlug sich dann auch in den entsprechenden Äußerungen nieder. Zusammen mit den kirchlichen Gremien, dem Kirchenvorstand und dem Pfarrgemeinderat fanden die Hänigser Katholiken dann aber doch eine neue Heimat in der Burgdorfer Pfarrkirche, wenn man es denn so ausdrücken will. Der Altar der Barbara-Kirche wurde trotz Widerständen aus Reihen einiger Gemeindemitglieder in der Pfarrkirche aufgestellt und die Kapelle in der Pfarrkirche in Barbara-Kapelle umbenannt. Eine der beiden Glocken fungiert seither als Wandlungsglocke. Die Zweite wurde als ständige Erinnerung an die einstige katholische Kirche auf dem nunmehr in Barbara-Kreisel benannten Platz vor der Mühle in Hänigsen aufgestellt. Karras dankte dafür nochmals der Gemeinde Uetze und hier insbesondere dem Hänigser Ortsrat, der sich einstimmig dafür eigesetzt hatte. Dass katholisches Leben nunmehr auch in Hänigsen weitergeht, sei zum großen Teil dem engagierten Einsatz von Barbara und Ulrich Ensinger zu verdanken. Beide haben sich frühzeitig mit dem damaligen Pastor Halbrügge und dem Kirchenvorstand von St. Petri über eine Nutzung der Kirche und des Gemeindehauses positiv verständigt, die die Kirchengemeinde. Die klaren Aussagen von Halbrügge nach dem letzten Gottesdienst in St. Barbara, dass die St. Petri Kirche für katholische Gottesdienste selbstverständlich zur Verfügung stehe, haben ihn, Martin Karras, sehr beeindruckt. Die mehr als nur sehr gute Zusammenarbeit hat sich dann mit dem Wechsel von Halbrügge auf Steffen Lahmann fortgesetzt. Karras nennt hier als Beispiel die ansprechBAR im Hänigser Freibad, mit der beide Konfessionen neue Wege gingen. Hänigsen, so der scheidende Pfarrer, ist ein sehr gutes Beispiel für täglich gelebte Ökumene.

 

"Es war von Anfang sehr unkompliziert, da wir bei der evangelischen Gemeinde auf offene Ohren stießen und eine große Bereitschaft der Unterstützung fanden. Und es gab immer wieder gemeinsame Überlegungen, wie wir als Kirchen für die Menschen arbeiten konnten. Dieses war in Burgdorf nicht anders. Die Ökumene ist in diesen Jahren gewachsen, auch über die traditionellen Grenzen hinweg. Ökumene", so Karras heute, "verbinde ich stark zwischen evangelischer und katholischer Kirche, zwischenzeitlich aber auch mit der Elim-Gemeinde, dem B-Punkt und der Neuapostolischen Kirche. Mit letzterer auch in Uetze. Und dafür bin ich sehr dankbar. Allerdings hätte ich mir manchmal mehr Begeisterung auf unserer Seite gewünscht. Vieles wurde zustimmend zur Kenntnis genommen, aber die Zahl der aktiv Begeisterten hätte größer sein können."

 

Offen war Karras für Vorschläge, insbesondere für diejenigen, die Kirche näher zu den Menschen brachte. So nahm er die Anregungen, Fronleichnam in der Mitte dieser Stadt und Erntedankgottesdienste auf den Bauerhöfen der umliegenden Dörfer zu feiern, die bislang etwas eintönigen Gemeindefeste aufzuputschen, die Einbringung des Friedenslichtes und der Roratemessen in der Adventszeit sowie mit dem Infomobil der Pfarrgemeinde auf Wochenmärkten und Gemeindefesten zu stehen, um einfach für die Menschen da zu sein, positiv auf. Unvergesslich bleiben ihm die beiden Konzerte der Jackson Singers in Zusammenarbeit mit Paul Rohde und den Jazzfreunden Altkreis Burgdorf. Karras Motto: Altes immer wieder zu hinterfragen. Wenn es gut ist, beizubehalten und ausbauen, wenn es sich überholt hat, muss man auch loslassen können. Und so war es auch im Pfarrbriefteam. Karras wirkte nicht als Zensor. Er ließ machen. Und stand voll hinter dem, was geschrieben wurde. Karras hielt aber auch was das Priesteramt für Frauen und grundlegende Veränderungen in der katholischen Kirche betrifft nicht hinter dem Berg. So stand und steht er voll hinter der Bewegung Maria 2.0. "Kirche muss für die Menschen das sein und nicht umgekehrt. Und Frauen spielen da eine ganz wesentliche Rolle", so Martin Karras. "Letztendlich leben wir in einem Zeitalter der Gleichberechtigung. Das muss auch die katholische Kirche lernen und möglichst schnell."

 

Mit seiner Krebserkrankung ging Karras von Anfang an offen um. Die Gemeinde wusste stets, wie es um ihn stand. In dieser Zeit habe er "ganz viele tolle Menschen kennengelernt, die mich gut während der Zeit meiner Erkrankung begleitet haben. Aber auch Menschen, wie Wolfgang Obst, die sich über das normal übliche engagiert haben". Daher, dass Martin Karras in diesen Jahren seinen Vorsitz als Vorsitzender des Kirchenvorstanden abgab, wurde Wolfgang Obst erster nichtgeistlicher Vorsitzender der Burgdorfer Pfarrgemeinde. Obst bedauert den Weggang von Karras. "Die Zusammenarbeit mit ihm war ausgezeichnet", betont er und fügt hinzu: "In vielen Bereichen haben wir uns ergänzt". Karras würdigt in seinem Rückblick insbesondere das Engagement von Angelika Wirz. "Angelika Wirz war immer dann, wenn sie gebraucht wurde. Ohne sie hätte vieles anders ausgesehen", erklärt er. Beeindruckt habe ihn aber auch das Engagement des Planungsteams für die Umsetzung einer Kindertagesstätte auf dem Kirchengelände. Hier zeige und zeigte sich die Lebendigkeit dieser Kirchengemeinde.

 

Insgesamt, so Martin Karras, waren es gute acht Jahre. Karras weiter: "Gemeindeleben muss von allen, Haupt- wie Ehrenamtlichen geleistet werden. Die Ehrenamtlichen, die sich bei uns engagiert haben, waren sehr intensiv dabei, zum Teil bis an die Grenze der Belastbarkeit. Vielleicht war ich manchmal etwas zu ungeduldig", so Karras selbstkritisch, "und habe die Menschen mit meinen Ideen überfordert".

 

Die Verabschiedung von Karras erfolgt am Sonntag, 30. August 2020, um 14 Uhr im Rahmen eines Wortgottesdienstes mit anschließendem Empfang. Ab dem 1. September zählt die Pfarrgemeinde St. Nikolaus dann zum Pastoralbereich Ost mit rund 23.500 Katholiken. Neben St. Nikolaus gehören dann die Pfarrgemeinden St. Bernward Lehrte mit ihren Kirchorten Ahlten, Sehnde und Bolzum sowie St. Martin in Hannover-Roderbruch zum neuen Bereich. Alle Pfarrgemeinden bleiben jedoch selbstständig. Leitender Pfarrer ist Franz Kurth.  

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