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Burgdorf
Donnerstag, 26.09.2019 - 20:41 Uhr

ASB-Wünschewagen: Reinhold Goldschmidt fühlt sich zum letzten Mal wie ein Matrose

Psychoonkologin Nicole Drees zusammen mit Reinhold Goldschmidt vor der Cap San Diego im Hamburger Hafen.Aufn.:

BURGDORF

"Die weißen Schwäne des Südatlantiks" wurden die eleganten baugleichen Stückgut-Schnellfrachter genannt, die ab Anfang der 60er Jahre über die Weltmeere schipperten. Auch Wünschewagen-Fahrgast Reinhold Goldschmidt aus Burgdorf gehörte einst zur Crew - vier Monate war er Teil der Besatzung der "Cap San Augustin". Die ist inzwischen "eingemottet" worden. Und so bleiben dem 73-jährigen nur Erinnerungen an diese wunderschöne Zeit, an eine Reise nach Argentinien, den Besuch des Karnevals in Rio de Janeiro in Brasilien. Erinnerungen, die immer wichtiger für den Burgdorfer werden. Denn Goldschmidt hat Lungenkrebs und wird bald sterben. Seit April 2018 hat er viele, viele Wochen in der Klinik verbracht. Sein letzter großer Wunsch: Noch einmal die "Cap San Diego" besuchen, das Schwesternschiff "seines" Dampfers. Das liegt an der Überseebrücke im Hamburger Hafen und ist inzwischen ein Museumsschiff.

 

Für den alleinstehenden Reinhold Goldschmidt, der durch seine schwere Krankheit oft stark geschwächt ist, sich dann kaum noch auf den Beinen halten kann, wäre die Reise in den Norden auf eigene Faust nicht mehr zu bewältigen gewesen. Damit er doch noch einmal an seinen Sehnsuchtsort fahren, Abschied vom Meer nehmen konnte, wandte sich seine behandelnde Psychoonkologin aus dem Siloah, Nicole Drees, an das niedersächische Team vom ASB-Wünschewagen. Und das organisierte innerhalb weniger Tage die Wunschfahrt, brachte den besonderen Reisenden mit dem Spezialfahrzeug nach Hamburg.

 

Goldschmidt im Glück: Beim Besuch auf der Kommandobrücke der Cap San Diego sagte der Krebspatient, der für die "Zeitreise in die Vergangenheit" noch einmal alle Kräfte mobilisierte, sogar auf eigenen Beinen auf Besichtigungstour durch den Dampfer ging, strahlend: "Das ich das noch erleben darf!" Begleitet wurden der Burgdorfer und die beiden ehrenamtlichen ASB-Wunscherfüller Alexander Hermes und Gianluca Mordhorst während der Tour von der Kommandobrücke bis zur Ladeluke von ehemaligen Matrosen, die heute auf der Cap San Diego Führungen anbieten. Und mit denen tauschte Goldschmidt jede Menge "Seemannsgarn" aus. So zeigte er den ASB-Helfern auf alten Seekarten, wohin er einst mit dem Dampfer unterwegs war. Und plauderte auch ein paar Anekdoten aus. Angesichts der Offiziersmesse erzählte er Matrosen-Kollegen, die sich dort immer heimlich unter den Tisch legten, um mal völlig ungestört und vor allem unentdeckt ein Gläschen Schnaps trinken zu können - das war ansonsten nämlich streng verboten… Den Maschinenraum wollte Goldschmidt übrigens als einzigen Ort auf der Cap San Diego nicht besichtigen: "Ich bin doch kein Kellerkind", sagte er empört und erklärte den überraschten Wunscherfüllern, dass Matrosen so die Schiffsbesatzung nenne, die tief unter der Wasserlinie die Kommandos von der Brücke umsetzen müsste.

 

Nach rund zwei Stunden an Bord machte sich die besondere Reisegruppe wieder zurück auf den Weg nach Hannover. Natürlich nicht, ohne dass Goldschmidt noch einmal im Hafen den Blick über die Elbe schweifen lassen, ein letztes Mal die Schiffssirenen hören konnte.

 

Auf zum letzten Sehnsuchtsort: Das ist der ASB-Wünschewagen

Seit November 2017 erfüllt der Wünschewagen, ein Ehrenamtsprojekt vom ASB-Landesverband Niedersachsen, die letzten Wünsche von schwerkranken und sterbenden Menschen. "Wunschfahrten" führen die besonderen Reisenden auf letzte Wunschwege - wenn der gesundheitliche Zustand es erfordert, auch im Rollstuhl oder mit Beatmungsgerät und Magensonde. Denn das Fahrzeug ist ein auf die speziellen Bedürfnisse der Fahrgäste konstruierter Krankentransporter. Ausgestattet ist er unter anderem mit notfallmedizinischer Ausstattung, extra weichen Stoßdämpfern, einer Musikanlage und einem harmonischen Arrangement aus Licht und Glas, das die "Reise" zum Wohlfühl-Erlebnis werden lässt. Das Projekt finanziert sich ausschließlich über Spenden und ASB-Mitgliedsbeiträge und durch das Engagement freiwilliger "Wunscherfüller" - qualifizierte medizinische Fachkräfte -, die die Fahrten begleiten. Für die Reisenden und ihre Begleitpersonen sind die Fahrten kostenlos. Mehr als 140 "Reisen" hat das Wünschewagen-Team inzwischen organisieren können. Jüngster Fahrgast war die 4-jährige Josie aus Peine, die noch einmal an den Flughafen Hannover wollte. Der älteste Fahrgast, eine 99-jährige Hannoveranerin, hatte den Wunsch, ein letztes Mal ihr Geburtshaus in Marburg zu besichtigen.

 

Wunschanfragen und Hilfsangebote nimmt das Wünschewagen-Team unter 0511/3585436 entgegen. Mehr Infos gibt es unter Opens external link in new windowwww.asb-niedersachsen.org/der-wuenschewagen und unter Opens external link in new windowwww.wuenschewagen.de.

 

Spendenkonto Wünschewagen Niedersachsen: ASB gGmbH für Sozialdienste und Krankentransporte; Bank für Sozialwirtschaft; IBAN: DE55 2512 0510 0007 4570 02, BIC: BFSW DE 33 HAN; Verwendungszweck: Spende Wünschewagen.

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