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Dienstag, 07.05.2019 - 18:33 Uhr

Spezialisierte Gendermedizin in Psychiatrie und Psychosomatik

Geschlechtsspezifische Angebote für die Seele

Rückt die Gender-Thematik in der Psychiatrie in den Fokus: Prof. Dr. med. Gerhard Schmid-Ott.Aufn.: Klinikum Wahrendorff

ILTEN

Nicht nur der Körper, auch die Psyche ist durch das Geschlecht geprägt. Männer und Frauen unterscheiden sich in ihrem Erleben und Verhalten, werden anders seelisch krank und gehen verschieden mit Symptomen um. Bei der Behandlung haben sie daher auch andere Bedürfnisse. Darauf hat sich das Klinikum Wahrendorff bereits seit vielen Jahren spezialisiert. So gab es hier bundesweit die erste Tagesklinik nur für Männer. Nun bietet das Klinikum ein in der Region derzeit ganz neues geschlechterspezifisches Angebot: tagesklinische Behandlungsschwerpunkte nur für Frauen.

 

"Bisher gibt es in Deutschland vornehmlich Reha-Kliniken für traumatisierte Frauen, tagesklinische Angebote fehlen weitestgehend", so Prof. Dr. Gerhard Schmid-Ott, der die Gender-Thematik und gezielte Angebote in der Psychiatrie und Psychosomatik im Klinikum Wahrendorff seit 2017 als ausgewiesener Experte und Leitender Arzt mit weiter entwickelt. "Deshalb bieten wir nun auch ganz spezielle tagesklinische Angebote nur für Frauen an. Für Frauen mit Ängsten, Depressionen, Posttraumatischen Belastungsstörungen, Burn-Out, chronischen Schmerzen und funktionellen Störungen, also körperlichen Beschwerden ohne medizinische Erklärung."

 

In einem neuen therapeutischen Schutzraum haben die Patientinnen die Möglichkeit, negative Lebenserfahrungen, Schicksalsschläge und Veränderungen durch schwere Krankheiten wie zum Beispiel Krebs zu verarbeiten und sich offen auszutauschen. Das Therapieangebot umfasst neben Psychotherapie und Problemlösungsgruppen auch Ergo- und Entspannungstherapie, Sport- und Kreativitätsangebote, Psychoedukation, Konzentrations- und Achtsamkeitstraining. Die Behandlung findet in reinen Frauengruppen tagsüber statt. Die Patientinnen kehren zum frühen Abend in ihr eigenes Wohnumfeld zurück.

 

"Aufgrund ihres erlernten Rollenbildes stellen Frauen ihre eigenen Interessen oft zu sehr zurück", fasst Prof. Schmid-Ott zusammen. "Sie zweifeln viel, nehmen stets Rücksicht und wollen es allen recht machen. Wir vermitteln ihnen, dass sie auch ruhig mal egoistisch sein dürfen. Wir wollen sie stärken und selbstbewusster machen - nicht gegen die Männer, sondern für sich selbst." Darüber hinaus geht es dem Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Psychiatrie um Wertschätzung. "Frauen dürfen stolz darauf sein, was sie geleistet haben. Viele wurden für ihre Haus-, Familien- und Kümmerarbeit bisher nie gewürdigt oder belohnt."

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