Tipps & Infos

Eigener Brunnen statt Wasseranschluss? Warum Trinkwasser aus dem Garten mehr Planung braucht als viele denken

Grundwasser gibt es faktisch überall. Und unter gewissen Voraussetzungen kann jeder Grundstücksbesitzer es entnehmen undnutzen – nicht nur, um den Garten zu bewässern, sondern auch zur Trinkwasserversorgung.

Das klingt nicht nur nach Unabhängigkeit, Krisensicherheit und einem Weg, um sich langfristig viele Wasserkosten zu sparen, das kann es auch sein. Allerdings ist es bei einem solchen Projekt – auch hier in der Region – beileibe nicht damitgetan, ein Loch zu graben und eine Pumpe hineinzuhängen. 

Hier für den täglichen Newsletter anmelden

Gartenbrunnen oder Trinkwasserbrunnen?

Ein Brunnen für die Gartenbewässerung ist vor allem eine wasserrechtliche und technische Angelegenheit. Soll das Wasser jedoch zur Trinkwasserversorgung genutzt werden – auch nur anteilig – wird das Projekt in jeder Hinsicht anspruchsvoller.Dann macht ein Trinkwasserbrunnen Kontakt mit drei Ebenen: Wasserrecht, Bohranzeige und Trinkwasserhygiene.

  • Region Hannover / Untere Wasserbehörde – Team Gewässerschutz Ost oder West

Zuständig für die wasserrechtliche Seite des Brunnens. Hier geht es um die Anzeige des Erdaufschlusses beziehungsweiseder Brunnenbohrung, Fragen zur Grundwasserentnahme und die Einordnung, ob das Vorhaben erlaubnisfrei bleibt oder weitere Schritte nötig sind.

Telefon 0511 61621055, E-Mail: gewaesserschutz@region-hannover.de

  • LBEG Niedersachsen / Anzeige Geologischer Untersuchungen

Bohrungen werden über die Online-Anwendung des LBEG angezeigt. Die Plattform dient der Anzeige geologischer Untersuchungen und Bohrungen und erfüllt nach LBEG-Angaben Anforderungen unter anderem aus Geologiedatengesetz, Bundesberggesetz und Wasserhaushaltsgesetz.

Telefon 0511 643-0, E-Mail: bohranzeige@lbeg.niedersachsen.de

  • Gesundheitsamt / Team Umwelthygiene der Region Hannover

Sobald Brunnenwasser als Trinkwasser genutzt werden soll, geht es um eine Wasserversorgungsanlage, bei privaten Einzelanlagen typischerweise um eine Eigenwasserversorgungsanlage. Errichtung und Änderungen müssen demGesundheitsamt angezeigt werden. Dort geht es um Trinkwasserhygiene, Untersuchungen und Anforderungen nach Trinkwasserverordnung.

Telefon 0511 61644333, E-Mail: umwelthygiene@region-hannover.de

Ist der Brunnen als Trinkwasserquelle in Betrieb, endet die Verantwortung allerdings nicht mit der ersten erfolgreichen Wasseranalyse: Die Wasserqualität muss anschließend regelmäßig durch zugelassene Untersuchungsstellen kontrolliert werden, wobei das Gesundheitsamt je nach Anlage und Nutzung vorgibt, welche Parameter in welchen Abständen geprüft werden müssen.

Warum Trinkwasser mehr Technik braucht

Ein Trinkwasserbrunnen, das muss man unterstreichen, ist ein eigenes Wasserversorgungssystem – quasi eine Miniaturnachbildung der öffentlichen Wasserversorgung, bloß für einen Haushalt. Dazu gehören nicht nur Bohrloch und Pumpe, sondern auch ein sauber ausgebauter Brunnen, ein geschützter Brunnenkopf, geeignete Leitungen, Drucktechnik, Probenahmestellen und eine passende Aufbereitung.

Typische Bausteine eines Trinkwasserbrunnens

  • Brunnenplanung und hydrogeologische Einschätzung
  • Bohrung, Ausbau, Brunnenrohr und Brunnenkopf
  • Tiefbrunnenpumpe oder Hauswasserwerk Druckbehälter, Steuerung und Frostschutz Verrohrung bis ins Haus
  • Filter gegen diverse filtrierbare
  • Verunreinigungen
  • eventuell UV-Desinfektion oder weitere Hygienetechnik
  • Laboranalysen vor und während des Betriebs
  • Wartung, Filterwechsel und Dokumentation

Der angenehme Teil: Mit moderner Technik lässt sich Brunnenwasser oft sehr gut aufbereiten. Je nach Rohwasserqualität und Filtration kann daraus ein hochwertiges, alltagstaugliches Trinkwasser werden.

Der Haken: Die Technik muss zum Wasser passen. Ein Standardfilter aus dem Baumarkt macht aus unbekanntem Rohwasser nicht automatisch Trinkwasser. Erst die Laboranalyse zeigt, welche Stoffe oder Keime tatsächlich relevant sind.

Was kostet ein eigener Trinkwasserbrunnen?

Die Kosten hängen stark davon ab, wie tief gebohrt werden muss, welche Bodenverhältnisse vorliegen, wie viel Wasser benötigt wird und welche Aufbereitung notwendig ist. Ein einfacher Gartenbrunnen kann deutlich günstiger bleiben. Ein Trinkwasserbrunnen mit Hausanschluss, Filtertechnik, Laboranalysen, Erdarbeiten und fachgerechter Installation ist dagegenein größeres Projekt.

Hinzu kommt: In der Region steht Grundwasser nicht überall gleich tief; regionale Karten der Region Hannover und des LBEG zeigen entsprechende Unterschiede. Für Eigentümer ist das wichtig, weil nicht der erste feuchte Bodenhorizont zählt,sondern eine dauerhaft ergiebige. Die tatsächliche Bohrtiefe muss deshalb immer standortbezogen durch einen Fachbetrieb geprüft werden.

Ungleich zum simplen Gartenbewässerungsbrunnen ist es daher wichtig, nicht nur den Bohrpreis zu vergleichen. Entscheidend ist das Gesamtpaket bis zum Wasserhahn – bei Trinkwasser deutlich teurer. Wird aus dem Brunnen ein vollständiges System zur Eigenversorgung, kann daher eine Finanzierung eine Rolle spielen. Wer Rücklagen, Eigenleistung und Fremdfinanzierung nüchtern abgleicht, kann prüfen, ob ein Kredit in Höhe von 30.000 Euro als Rahmen für Bohrung, Technik, Filterung, Leitungen und Reserven sinnvoll ist.

Für einen simplen Gartenbrunnen wäre diese Summe meist viel zu hoch. Für eine auf Trinkwasser ausgelegte Eigenwasserversorgung mit tiefer Bohrung, anspruchsvoller Technik und umfangreichen Arbeiten kann sie aber eine durchaus realistische obere Grenze sein.

Wie gut kann eigenes Brunnenwasser werden?

Indem das Wasser regelmäßig amtlich geprüft werden muss, erfüllt es zwangsläufig die sehr hohen Mindestanforderungen der Trinkwasserverordnung. Mit anderen Worten: In Sachen Qualität, Belastung usw. kann sich das Wasser eines angemeldeten und abgenommenen Trinkwasserbrunnens nicht von dem unterscheiden, was aus dem öffentlichen Netz eingespeist wird -zumindest in der Theorie. In der Praxis gibt es durchaus Unterschiede:

Öffentliche Wasserversorgung

Beim öffentlichen Netz kümmern sich Wasserversorger dauerhaft um Gewinnung, Aufbereitung, Kontrolle und Verteilung. Der Verbraucher muss sich um nichts kümmern – die Verantwortung liegt vollständig beim Versorger.

Eigener Trinkwasserbrunnen

Beim eigenen Brunnen übernimmt der Betreiber diese Rolle im Kleinen. Es kommt also auf den Besitzer an, ob er durch Eigenleistung, Qualität der Filter, Wartung usw. dauerhaft eine ähnliche Güte gewährleistet.

Mit anderen Worten: Wer begreift, dass sein Trinkwasserbrunnen dauerhaft gewisse Aufmerksamkeit benötigt und bereit ist, bei den technischen Bausteinen nicht zu sehr auf den Preis zu schauen, der kann eine sehr hohe Wassergüte erzielen – die durchaus(etwa in Sachen Geschmack oder Kalkgehalt) über der örtlichen Trinkwasserversorgung liegen kann.

Das ist jedoch kein Automatismus, weil Brunnenwasser per se besser wäre, sondern stets das Ergebnis von individuellem Verhalten.

Fazit: Ein starkes Projekt, wenn man es richtig angeht

Ein eigener Trinkwasserbrunnen kann für Hausbesitzer attraktiv sein: mehr Unabhängigkeit, ein direkter Zugriff auf dieeigene Wasserquelle und, wenigstens langfristig, möglicherweise geringere Verbrauchskosten. Gerade auf größeren Grundstücken oder bei besonderem Wasserbedarf kann das sinnvoll sein.

Realistisch betrachtet ist es aber kein Spontanprojekt. Wer Trinkwasser aus dem eigenen Garten nutzen will, braucht Planung, Fachunternehmen, Behördenkontakt, Laboranalysen und passende Aufbereitung. Genau darin liegt aber auch die Chance: Wird der Brunnen sauber geplant, entsteht keine Bastellösung, sondern eine eigene kleine Wasserversorgung. Und die kann, richtig ausgelegt und regelmäßig kontrolliert, mehr sein als nur ein romantischer Traum vom Wasser aus dem eigenen Boden.

Bildquelle: 

Download als PDF

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"