Burgdorf

Ehrenamt, Energiekosten und Ehrgeiz: Die TSV Burgdorf zieht Jahresbilanz

[BURGDORF]

Voll besetzt war der Saal im Gasthaus Haase an der Lehrter Straße, als die Turn- und Sportvereinigung Burgdorf am heutigen Mittwoch, 27. Mai 2026, zu ihrer Jahreshauptversammlung einlud. 55 Mitglieder waren der Einladung gefolgt. Holger Staab, 1. Vorsitzender der TSV Burgdorf, begrüßte die Anwesenden und eröffnete den Abend.

Mitglieder, Ehrgeiz und ein Zitat aus dem Jahr 1994

Am 31. Dezember 2025 zählte die TSV Burgdorf exakt 3.104 Mitglieder — 1.527 Frauen und 1.577 Männer. „Fast pari, die Frauen holen auf“, kommentierte Staab die Zahlen. Gegenüber dem Vorjahr sei ein leichter Rückgang zu verzeichnen, allerdings nur ein minimaler. Rechnet man alle Abteilungsmitgliedschaften zusammen, kommt man auf 3.345 — ein Zeichen dafür, dass viele Mitglieder in mehreren Abteilungen aktiv sind.

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Staab blickte auf fünf Jahre Vorstandsarbeit im derzeitigen Team zurück. Die TSV habe sich ehrgeizige Ziele gesetzt und daran festgehalten, auch wenn nicht alles reibungslos verlaufen sei. „Ich bin der Meinung: Wir sind ein tolles Team, wir schaffen viel, wir versuchen viel“, sagte er. Ausdrücklich dankte er den Vorstandsmitgliedern und allen Ehrenamtlichen. Das Ehrenamt sei in der heutigen Zeit alles andere als selbstverständlich — ohne es wäre ein Verein mit mehr als 3.000 Mitgliedern schlicht nicht denkbar.

Zum Beleg zitierte Staab den Ehrenvorsitzenden Ulrich Karos, der diesen Gedanken bereits auf der Jahreshauptversammlung 1994 formuliert hatte — vor 32 Jahren. „Sport ist für die gesellschaftliche und sportliche Ebene von fundamentaler Wichtigkeit. Er ist zu fördern, kein Politiker wird dem widersprechen wollen. Sport wird allerdings häufig als Masse für Haushaltssanierer genutzt, die Schäden treten allerdings langfristig auf. Jede investierte Mark lohnt sich — es ist eine rentierliche Investition.“ Die Aktualität dieses Zitats heute sei, so Staab, verblüffend.

Wirtschaftlich stehe die TSV solide da. Einzelne Abteilungen hätten ihre Beiträge erhöhen müssen, andere würden folgen. Sportlich gebe es Erfreuliches: Unter anderem die Volleyballer, Leichtathleten und Handballer feierten Erfolge. Gleich mehrere Abteilungen blicken in diesem Jahr auf runde Jubiläen: Die Tennisabteilung besteht seit 100 Jahren, Tischtennis und Leichtathletik feiern ihr 75-jähriges Bestehen.

Energiekostenpauschale: Mehr Last, vor allem für Kinder und Jugendliche

Klaus Mengers, 2. Vorsitzender, widmete sich einem der drängendsten Themen des Abends: der Energiekostenpauschale für die Hallennutzung. Von 2021 bis 2024 war sie ausgesetzt worden. Die Wiedereinführung ab dem 1. Januar 2026 (wir berichteten) ließ sich nicht mehr verhindern — und das neue Modell greift deutlich weiter als das alte. Früher zahlten die Abteilungen einen Euro pro Hallenstunde und Segment, allerdings nur ab 18 Uhr. Künftig werden 1,22 Euro pro Hallensegment und Stunde fällig — und das für alle Tageszeiten, also auch am Nachmittag.

Das trifft besonders Kinder und Jugendliche. Zwar gibt es einen Jugendbonus: Je mehr Jugendliche eine Abteilung zählt, desto höher der Abschlag, sodass der Satz für die TSV Burgdorf auf 1,05 Euro sinken kann. Dennoch liegen die Werte nach einer Simulation für das Jahr 2025 bei rund 21.600 Euro — 400 Euro mehr als vor der Corona-Pandemie. Noch bitterer: Die Stadt Burgdorf zahlt der TSV rund 19.000 Euro Sportförderung. Damit würde der Verein rechnerisch mehr an die Stadt abführen, als er an Förderung erhält.

Inge Siegenburg-Neumann stellte den Haushalt vor: Zuschüsse von rund 30.000 Euro stehen Belastungen von rund 29.000 Euro gegenüber — ein Überschuss von etwa 900 Euro, die an die Abteilungen weitergegeben werden konnten. Die allgemeinen Vereinskosten belaufen sich auf rund 10.000 Euro. In 2025 wurde die Energiekostenpauschale noch nicht erhoben; wäre das der Fall gewesen, wäre die Bilanz erheblich schlechter ausgefallen.

Sportwart: Hallenprobleme und ein schwieriger Sportplatz an der IGS

Thorsten Volkmann, Sportwart der TSV, sprach die anhaltenden Engpässe bei den Hallenzeiten an, besonders im Winter. Durch den Neubau der IGS habe es eine leichte Entspannung gegeben. Die Sporthalle an der Gudrun-Pausewang-Grundschule sei zwar die „schönste der Stadt“, so Volkmann — gerade wegen der Tribüne —, stehe aber für Erwachsene und Leistungssport nicht zur Verfügung. An der IGS selbst sei der neue Boden der Sportanlage qualitativ nicht überzeugend: „Der Boden lebt“, so Volkmann. Der Verein warte noch immer auf einen neuen Sportplatz, der ursprünglich versprochen worden war. Die Platzierung eines Glashauses mitten auf dem Gelände sorgte bei ihm für Unverständnis. Die TSV wolle nun nachfragen, wann der Platz für die Allgemeinheit nutzbar sein soll.

Öffentlichkeitsarbeit: Stadtradeln, Schutzkonzept und Strategiecamp

Tobias Gotthold berichtete für das Team Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Bei der ersten Teilnahme der TSV am Stadtradeln erreichte der Verein sofort Platz 7 von 43 — ein starker Einstieg. Darüber hinaus engagiert sich die TSV im Projekt „Ausgezeichnet“ des Regionssportbundes (RSB) Hannover, das Vereine im Kampf gegen sexualisierte Gewalt unterstützt. Das Team um Laura Blanke und Kathleen Schön erhielt dafür am 18. März 2026 eine Auszeichnung durch den Regionssportbund und den Landessportbund sowie eine Fördersumme von 1.000 Euro. Entstanden sind unter anderem ein Schutzkonzept, eine eigene Telefonnummer und ein K(r)ummerkasten. „Täter haben es schwer bei uns“, brachte es Gotthold auf den Punkt. Holger Staab ergänzte, die TSV zähle damit zu den Vorreitern in Niedersachsen.

Für den 8. und 9. August plant der Vorstand ein Strategiecamp in der Jugendherberge Müden, um den Verein strukturell weiterzuentwickeln.

Aus den Abteilungen

13 Abteilungen berichteten kurz aus ihrem Jahresbetrieb. Besonders hervorzuheben: Die Leichtathletikabteilung ist die größte ihrer Art in der Region, die Handballer können auf sportliche Erfolge blicken, die Jungrecken sind in der kommenden Saison wieder in der 3. Liga. Die Schachabteilung um Jürgen Waldeck sucht neue Mitstreiter — gesucht werden Menschen, die nicht am Rechner, sondern in Präsenz spielen wollen.

Stefan Westing, 1. Stellvertreter der Schwimmabteilung, machte auf eine besorgniserregende Lage aufmerksam: Die Warteliste für Kinder, die das Seepferdchen bereits erworben haben, umfasst derzeit 30 bis 40 Kinder im Alter von sechs bis sieben Jahren. Es fehlen einfach die Wasserzeiten. Die Reaktivierung des Lehrschwimmbeckens an der Gudrun-Pausewang-Grundschule würde nach Auffassung der Abteilung ausreichen, um Abhilfe zu schaffen. Die Warteliste für Kinder, die das Seepferdchen ablegen wollen, ist dagegen erfolgreich abgearbeitet worden.

Die Skiabteilung vermeldete einen Mitgliederrekord: 150 Mitglieder, so viele wie noch nie. In der Turnabteilung sind es 1.103 Mitglieder, hälftig Kinder und Erwachsene — und das Röhnrad ist als neue Disziplin gut angelaufen.

Ehrungen für langjährige Mitglieder

Holger Staab nahm im Anschluss die Ehrungen für langjährige Vereinstreue vor. Für 40 Jahre Mitgliedschaft wurden Horst Deutschmann, Renate Hurcks, Kerstin Karbowski und Torsten Schnell geehrt. Die 50-jährige Zugehörigkeit feierten Ralph-Michael Döring, Rosemarie Frieling, Hanna Karos, Dipl. Ulrich O. Kielhorn, Gerd Meyer, Olaf Rotter, Albert Schewe, Regina Seiffert und Jasper Wittrock. Für 60 Jahre wurden Erika Becker, Renate Karos, Wilfried Peschel und Sophie Unnering ausgezeichnet. Auf 70 Jahre Mitgliedschaft blicken Gisela Hiller und Ernst Solle zurück. Die beeindruckendste Vereinstreue zeigen Hedda Rüdiger und Friedel Stümpel — beide sind seit 75 Jahren Mitglied der TSV Burgdorf.

Am Ende des Abends dankte Staab dem gesamten Team und allen Ehrenamtlichen. Die Hütte sei voll gewesen — beim nächsten Mal, kündigte er an, werde man auch den hinteren Teil des Saals öffnen.

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