S4-Ausfall trifft Wedemark unvorbereitet – Bürgermeister spricht von systemischem Versagen
Der kurzfristige Komplettausfall der S-Bahn-Linie S4 hat die Gemeinde Wedemark ohne Vorlauf und zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt getroffen. Von einem Tag auf den anderen ist eine zentrale Verbindung nach Hannover für fast einen Monat entfallen. Pendler stehen vor erheblichen Problemen, Familien verlieren Planungssicherheit, und das Vertrauen in den öffentlichen Nahverkehr wird nachhaltig beschädigt. Wedemarks Bürgermeister Helge Zychlinski spricht von einem systemischen Versagen und sieht in dem Vorfall ein deutliches Zeichen dafür, wie Gewinninteressen die Verlässlichkeit des Nahverkehrs und die Verkehrswende untergraben.
Nicht nur der Ausfall selbst sorgt in der Wedemark für Unmut, sondern vor allem die kurzfristige Ankündigung. Eine komplette Linie nahezu über Nacht stillzulegen, sei gegenüber den Fahrgästen respektlos, betont Zychlinski. So dürfe mit öffentlicher Daseinsvorsorge nicht umgegangen werden. Die vom Betreiber genannten Gründe wie Fahrzeugmangel, Wartungsrückstände und fehlende Ersatzteile seien keineswegs überraschend, sondern das Ergebnis langfristiger Fehlentscheidungen. Wer nachhaltig wirtschaftet, so der Bürgermeister, gerate nicht von heute auf morgen in eine solche Lage.
Gerade im ländlichen Raum ist ein verlässlicher Bahnverkehr von zentraler Bedeutung. Fällt die Bahn aus, weichen viele Menschen notgedrungen auf das Auto aus. Das belastet Straßen, Klima und private Haushalte gleichermaßen. Der eingerichtete Schienenersatzverkehr stellt aus Sicht der Gemeinde keinen gleichwertigen Ersatz dar, sondern lediglich einen Notbehelf. Während die Fahrt mit der S-Bahn sonst rund 27 Minuten dauerte, sind Pendler nun bis zu einer Stunde unterwegs. Wer die Verkehrswende ernst meine, dürfe Menschen nicht regelmäßig vom Zug in den Bus zwingen, so Zychlinski.
Für die Gemeindeverwaltung ist der Ausfall der S4 kein Einzelfall, sondern Ausdruck struktureller Probleme. Wenn öffentliche Mobilität vorrangig nach bilanziellen Kennzahlen privater Unternehmen organisiert werde, verlören Qualität und Zuverlässigkeit an Gewicht. Gewinnmaximierung und ein verlässlicher Nahverkehr ließen sich offensichtlich nur schwer miteinander vereinbaren, stellt der Bürgermeister fest.
Zychlinski hat sich daher direkt an die Geschäftsführung der S-Bahn Hannover gewandt und in einem Schreiben von einem organisatorischen Totalausfall gesprochen. Er fordert eine schonungslose Aufarbeitung der Ursachen sowie konkrete Maßnahmen, um ähnliche Vorgänge künftig zu verhindern. Parallel dazu hat er den Verkehrsdezernenten der Region Hannover, Ulf-Birger Franz, angeschrieben und angeregt, bei zukünftigen Vergabeverfahren den Aufbau einer eigenen S-Bahn-Sparte innerhalb der Üstra zu prüfen. Öffentliche Daseinsvorsorge gehöre in öffentliche Verantwortung, betont der Bürgermeister. Nur so ließen sich Verlässlichkeit, Qualität und eine langfristige Planung sicherstellen.
