20 Jahre Jazzfreunde Altkreis Burgdorf
„Jazz ist im Osten der Region zu einer Größe geworden“, erklärt Bernd Senger, Rechtsanwalt und ehemaliges Mitglied der Geschäftsführung des Klinikums Wahrendorff sowie Bassist und Sänger bei den Black Point Jazzmen. Daran sei auch der gemeinnützige Kulturverein Jazzfreunde Altkreis Burgdorf beteiligt. Zu den Konzerten reisen Gäste regelmäßig aus ganz Norddeutschland und sogar aus Berlin an.
Das Programm der Jazzfreunde mit internationalen Künstlern ist in dieser Form in der Region kaum ein zweites Mal zu finden. Jazzfans erleben in Burgdorf klassischen Jazz ebenso wie New Orleans, Dixieland, Ragtime, Skiffle und Blues in vielen Facetten. Auch jüngere Besucher werden angesprochen. Für sie gehören Boogie-Woogie, Swing, Jump ’n’ Jive und Rock ’n’ Roll zum festen Bestandteil des Angebots. Burgdorf ist dadurch zunehmend auch Ziel von Tänzern geworden, die in Vintage-Kleidung zu den Konzerten erscheinen – für einen Jazzclub eine eher ungewöhnliche Entwicklung.
In ihrer inzwischen 20-jährigen Vereinsgeschichte haben die Jazzfreunde zahlreiche internationale Künstler nach Burgdorf, Uetze und Lehrte geholt. Viele von ihnen treten dort immer wieder gern auf. Zu den Gästen gehörten unter anderem Axel Zwingenberger, Abi Wallenstein, Bill Haley’s New Comets, Andy Cooper, Don Vappie, Enrico Tomasso, Thomas l’Etienne, Ray Collins Hot Club, die Dutch Swing College Band oder die Pasadena Roof Orchestra.
Einige Veranstaltungen setzten besondere Akzente. Dazu zählen mehrere Jazz-Jamborees, bei denen regionale Bands auftraten und gemeinsam eine große Jamsession gestalteten. Große Resonanz fanden auch die Riverboat-Shuffles in Hannover, die regelmäßig ausverkauft waren. 2008 organisierten die Jazzfreunde im Rahmen eines verkaufsoffenen Sonntags und eines Kunstmarkts die erste Burgdorfer Streetparade mit internationalen Marching Bands. Darüber hinaus zeigte der Verein mit Veranstaltungen wie einer Lesung mit Charles Brauer, einer Comedy-Show mit Postbote Hans-Hermann Thielke sowie Gastspielen der Pfunds Kerle und der Bundesmusikkapelle Söll aus Tirol seine programmatische Vielfalt. Ein fester Höhepunkt ist bis heute der traditionelle Pfingstfrühschoppen im Schlosspark, der gemeinsam mit Pit Widdel organisiert wird.
Die Idee zur Vereinsgründung entstand im Sommer 2005. Magitta und Paul Rohde hörten bei einem Abendspaziergang in Bamberg von weitem Jazzmusik und entdeckten vor einem Hotel die Band Jive Sharks aus Berlin und Rostock. Begeistert von dem Auftritt entstand die Idee, die Musiker nach Burgdorf einzuladen. Nach dem ersten Konzert, das auf große Resonanz stieß, entstand bald der Wunsch nach weiteren Veranstaltungen und schließlich nach einem eigenen Jazzclub. Am Sonntag, 15. März 2006, wurde der Kulturverein Jazzfreunde Altkreis Burgdorf offiziell gegründet.
Schnell zeigte sich jedoch, wie schwierig es ist, einen Club ohne feste Spielstätte zu betreiben. Zudem fehlte den Initiatoren zu Beginn die Erfahrung in der Organisation eines Jazzclubs. Unterstützung durch den Jazzclub Hannover gab es nicht, da die Burgdorfer zunächst als Konkurrenz wahrgenommen wurden. Heute bietet der Burgdorfer Jazzclub ein Programm, das in dieser Form selbst in Hannover kaum noch zu finden ist. Paul und Magitta Rohde gelten inzwischen in Norddeutschland und darüber hinaus als zuverlässige Veranstalter.
Mangels eigener Räume mussten die Jazzfreunde immer wieder an unterschiedlichen Orten gastieren, darunter im Black Horse, im Café au Lait, in der Aula des Gymnasiums, in der St.-Nikolaus-Kirche, im Johnny B., im Studio B5 und im Stadthaus. Auch in Lehrte, Burgwedel, Langenhagen, Uetze sowie in verschiedenen Burgdorfer Ortsteilen wurden Veranstaltungen organisiert.
Viele Bands aus Hamburg und Berlin sowie aus Ländern wie den Niederlanden, Frankreich, Belgien, England, Polen, Ungarn, Tschechien, Österreich, Dänemark, Schweden und den USA haben in Burgdorf gespielt. Die zahlreichen Einträge und Autogramme der Künstler in den Club-Alben zeugen davon, welchen Eindruck die Auftritte in der Stadt hinterlassen haben.
Während sich in den vergangenen Jahren einige Jazzclubs aufgelöst haben, weil sich keine neuen Vorstände fanden, planen die Jazzfreunde weiterhin ihr Programm. Paul Rohde organisiert derzeit Veranstaltungen bis Ende 2026. Für Pfingsten 2026 ist zudem ein zweitägiges Festival mit prominenten Künstlern geplant.