BU statt H: Burgdorf will eigenes Kfz-Kennzeichen einführen
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Sieben zu zwei — mit deutlicher Mehrheit hat der Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit, Liegenschaften und Verkehr (WALV) am heutigen Donnerstag, 11. Juni 2026, einen Antrag der WGS Freie Burgdorfer zur Wiedereinführung des Kfz-Kennzeichens „BU“ empfohlen. Die Initiative knüpft an einen Ratsbeschluss aus dem Jahr 2019 an, der bislang an der Haltung der Region Hannover gescheitert war.
Dirk Bierkamp (WGS) eröffnete die Diskussion mit einer schlichten Feststellung: Ältere Burgdorferinnen und Burgdorfer kennen BU noch — die geläufige Abkürzung für „Bauern unterwegs“. 1974 war damit Schluss. Es gehe nicht darum, H abzuschaffen, sagte Bierkamp, sondern darum, den Menschen die Wahl zu lassen — wer Burgdorfer Identität auf dem Kennzeichenschild zeigen wolle, solle das können.
Thomas Wortmann (CDU) brachte es noch persönlicher: Er freue sich immer, wenn er noch ein altes Auto mit BU-Kennzeichen sehe. Seine Fraktion werde zustimmen.
Von der SPD kam Unterstützung — wenn auch mit entwaffnender Ehrlichkeit. Björn Sund erinnerte daran, dass ein Beschluss aus 2019 ja bereits existiere; einen neuen brauche es eigentlich nicht. Jetzt müsse der Bürgermeister das Gespräch mit der Region suchen. „Mein Herz hängt da nicht so dran“, sagte Sund, „aber von mir aus soll’s so sein.“ Mario Gawlik (Freigeist Burgdorf) ergänzte, dass es auf Regionsebene bereits einen Beschluss gebe — der dort allerdings abgelehnt worden sei. Trotzdem: Zustimmung.
Der dreistufige Antrag der WGS sieht vor: Bekräftigung des 2019er-Beschlusses für BU als freiwilliges Wunschkennzeichen, erneute Kontaktaufnahme mit der Region Hannover und — sollte die Region blockieren — eine Petition an die Niedersächsische Landesregierung zur Unterstützung der Bundesratsinitiative (Drucksache 24/26) zur Kennzeichenliberalisierung. Rückenwind kommt aus Berlin: Die Ministerpräsidentenkonferenz hat sich unter Beteiligung des niedersächsischen Ministerpräsidenten für mehr Entscheidungsspielraum der Kommunen ausgesprochen.
Der Antrag geht nun zur endgültigen Entscheidung in den Rat. Dieser tagt kommenden Donnerstag.
Es ist durchaus bemerkenswert, dass sich ein Freigeist den Themen der Nostalgie widmet. Dennoch stellt sich die Frage, ob nicht dringendere städtische Belange existieren, die eine Priorisierung erfordern.
Wir benötigen eine verstärkte Eigenverantwortung in Bezug auf unsere Straßeninfrastruktur sowie deren Beschilderung. Die jüngste Vergangenheit bot hierfür hinreichende Belege. Wenngleich die Wiedereinführung eines historischen Kennzeichens BU als ästhetisch ansprechend empfunden werden mag und zur Aufwertung des Stadtbildes beitragen könnte, löst diese Maßnahme keines der zugrunde liegenden strukturellen Probleme.
Was wir weitaus dringender benötigen, ist eine Führungspersönlichkeit im Bürgermeisteramt, die sich nicht in bloßer Repräsentation erschöpft oder deren Wirken sich auf die Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen beschränkt. Vielmehr bedarf es eines verantwortungsbewussten Stadtoberhaupts, das sich den drängenden Belangen der Gemeinde mit Entschlossenheit widmet, bei Widerständen beharrlich agiert und sich mit Nachdruck für die Interessen der Bürgerinnen und Bürger einsetzt.
Auch bei Kandidaten, die durch volksnahe Wahlkampfauftritte in ländlichen Regionen Bekanntheit erlangen, bleibt für die Wählerschaft die entscheidende Frage offen, ob diese bereit sind, auch kontroverse und schwierige Herausforderungen anzugehen. Angesichts der verbreiteten politischen Versprechens Kultur, wie sie auf Bundesebene zu beobachten ist, stellt sich für den Bürger die grundlegende Frage nach der tatsächlichen Umsetzungsstärke und der Bereitschaft, für die Anliegen der Gemeinde auch in Konfliktsituationen einzutreten.
Ich persönlich kenne den Bürgermeisterkandidaten Michael Fleischmann. Er hat in der jüngsten Vergangenheit wiederholt fundierte Argumente vorgebracht, während die etablierten Parteien aufgrund ihrer veralteten Strukturen häufig weniger zielführende Lösungsansätze vertraten. Es ist daher positiv zu bewerten, dass Herr Fleischmann parteilos agiert und somit als besonnener Bürger handeln kann.
Ich möchte dazu ermutigen, ihm die entsprechende Chance zu gewähren. Sollte der Wunsch nach dem BU-Kennzeichen innerhalb der Burgdorfer Bevölkerung weiterhin bestehen, wird er sich zweifellos dieser Angelegenheit annehmen.
Herzlichst, ihr Olaf Supper