180 Kinder, kein Schulhof, keine Antwort: Burgdorfer Mehrgenerationenhaus muss Sommerschule stark einschränken
Foto: Bastian Kroll
Ein emotionaler Moment im Ausschuss für Soziales, Integration, Prävention und Gleichstellung am heutigen Dienstag, 2. Juni 2026: Ursula Wieker, Koordinatorin des Burgdorfer Mehrgenerationenhauses (BMGH), schilderte die Lage der Sommerschule — und machte dabei deutlich, dass sie sich von der Stadtverwaltung im Stich gelassen fühlt.
Das BMGH betreut in der jährlichen Sommerschule in den Sommerferien rund 180 Kinder und pflegt eine langjährige Kooperation mit der Ingo-Siegner-Schule als festem Partner. Nun soll die Einrichtung ihre Angebote auf die Gudrun-Pausewang-Grundschule (GPGS) verlagern — eine Forderung, die Wieker als nicht umsetzbar bezeichnet. „Wir sind Nachbarn“, sagte sie über die bisherige Schule. Von den Räumen in der Bergstraße zur Ingo-Siegner-Schule in der Hannoverschen Neustadt ist es Quasi ums Eck nur wenige Meter. Die GPGS in der Burgdorfer Südstadt hingegen passe schlicht nicht zur Situation.
Vor-Ort-Termin an der GPGS verlief unangenehm
Um die Möglichkeit zu prüfen, fand ein Vor-Ort-Termin an der GPGS statt — der nach Wiekers Schilderung „negativ“ verlief. Sowohl die Schulleitung als auch der Hausmeister hätten der Idee ablehnend gegenüber gegenüber gestanden, berichtete Wieker heute im Ausschuss. Es sei ein „unangenehmer Termin“ gewesen.
Warum die Ausweichung auf die GPGS und nicht auf die Grundschule I? Diese Frage habe das BMGH an die Verwaltung gestellt — bislang ohne Antwort. Seit dem 21. April 2026 habe die Einrichtung keine Rückmeldung von der Stadt erhalten. „Uns schmerzt es sehr“, sagte Wieker.
Kostenfreies Angebot für 180 Kinder verdrängt von bezahltem Angebot für 30
Was bekannt sei: An der GPGS werde mit 30 Kindern ein kostenpflichtiges Angebot eines anderen Trägers gemacht. Das BMGH hingegen biete ein kostenloses Programm für 180 Kinder an. Viele Eltern könnten sich schlicht kein bezahltes Angebot leisten. „Dann können wir uns keinen Urlaub leisten“, sei die Aussage vieler Eltern, die nun vereinzelt nahezu flehend den Kontakt suchen würden mit den Worten: „Wenn ihr schon einschränken müsst, dann nehmt wenigstens mein Kind auf.“
Eine Konsequenz habe man bereits gezogen: Das Programm musste reduziert werden — dieses gubt es in diesem Jahr nur noch für ältere Kinder, den jüngeren könne kein adäquates Angebot gemacht werden. Denn einen eigenen Schulhof habe das BMGH nicht und könne in den eigenen Räumen kein kindgerechtes Angebot vorhalten. Und statt 180 Kinder können aufgrund der kleineres Platzes in diesem Jahr nur 30 Kinder teilnehmen.
Kugel: „Fühle mich ein wenig überfahren“
Erster Stadtrat Michael Kugel räumte ein, dass diese Situation für das BMGH unbefriedigend sei. Die Ursache sei technisch: Zwei Organisationen könnten den Schulhof nicht zeitgleich nutzen. Details könne er nicht nennen, weil er im Detail nicht in den Prozess eingebunden sei. Sein Urteil am Ende: „Ich fühle mich ein wenig überfahren.“
Eine inhaltliche Lösung wurde im Ausschuss nicht präsentiert. Das Thema wurde anschließend noch im nichtöffentlichen Teil diskutiert. Dass das BMGH noch zur Sommerschule die Ingo-Siegner-Grundschule nutzen kann, kann als ausgeschlossen angesehen werden — denn der andere Anbieter hat bereits eine Zusage zur Nutzung.
Warum es in diesem Jahr schief gegangen ist, ist unklar. Ob das BMGH seinen Antrag zu spät eingereicht hat oder die Verwaltung einen Fehler gemacht hat, ließ sich heute nicht aufklären.
