Burgdorf bricht Planung für Magdalenentunnel ab – und denkt über Neubau nach
Foto: Bastian Kroll
Der Magdalenentunnel bleibt erstmal, wie er ist. Der Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit, Liegenschaften und Verkehr hat in seiner Sitzung am heutigen Donnerstag, 23. April 2026, die laufende Planung zur Rampenanbindung zurückgestellt – und das nach einer Debatte, in der das Wort „Verschlimmbesserung“ mehrfach fiel. Stattdessen soll nun geprüft werden, was ein kompletter Neubau des Tunnels kosten würde.
Hintergrund: Ein Tunnel mit Tücken
Der Magdalenentunnel ist Teil des geplanten Radwegs von Burgdorf nach Heeßel. Er führt unter der B 443 hindurch und verbindet die Stadtseite mit dem Weg Richtung Heeßel und Beinhorn. Das Problem ist seit Langem bekannt: Die Rampenführung ist unübersichtlich, die Sichtverhältnisse von Süden aus sind nach Aussage von beratenden Ausschussmitglied Lutz Wackermann „katastrophal“, und die enge 90-Grad-Kurve am Tunneleingang entspricht weder den Anforderungen der Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) noch dem Anspruch einer leistungsfähigen Radverbindung.
Zwei Varianten, beide umstritten
Die Üstra als Planungsbüro hatte zwei Varianten zur Verbesserung der Ostseite des Tunnels erarbeitet und dem Ausschuss vorgestellt.
Variante 1, der soganannte erste Wurf – sieht eine barrierefreie Lösung nach HBVA vor – mit Rampen, Zwischenpodesten und Stützwänden. Sie erfüllt die Anforderungen an Barrierefreiheit, weist aber erhebliche Längsneigungen. Hinzu kommt: Ein Anwohner könnte mit seinem Fahrzeug (VW Crafter) seine Zufahrt nicht mehr nutzen. Die Kosten für den Bauabschnitt zusammen: rund 812.000 Euro.
Variante 2 verzichtet auf die Barrierefreiheit nach HBVA und nimmt dafür eine kürzere Stützwand in Kauf, sodass die Anwohnerzufahrt wieder nutzbar wäre. Die Längsneigung liegt bei 13 Prozent, der Tunnel selbst bleibt unangetastet. Kosten: rund 770.000 Euro.
Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr war noch von 400.000 bis 420.000 Euro die Rede. Seither sind allein für Stützwände 300.000 Euro und für die Verlegung einer Gasleitung weitere 123.000 Euro hinzugekommen. Der ursprüngliche Beschluss lautete: Barrierefreiheit herstellen.
„Wir verschlimmbessern das“
Wackermann ließ von Beginn an keinen Zweifel daran, was er von beiden Varianten hält. Die Lösung führe eine Radwegverbindung ein, die schlechter sei als das, was heute bestehe. „Das ist hier eine Radweggrampe für Fußgänger, die um die Ecke gehen“, sagte er mit Blick auf die enge Kurvenführung. Ein Neubau des Tunnels in gerader Verlängerung vom Finanzamttunnel wäre für – grob überschlagen – 500.000 bis 550.000 Euro möglich – und würde die gesamte Problematik lösen. Außerdem, so Wackermann, habe der Anwohner keinen Anspruch auf eine besonders günstige Zufahrtslage; seine Einfahrt könnte auch nach Osten versetzt werden.
Auch Ariane Thieleking (CDU) zeigte sich unzufrieden. „Ich sehe auch eine Verschlimmbesserung“, sagte sie und fragte, ob es nicht eine andere Möglichkeit gebe, Barrierefreiheit herzustellen. „Damit bin ich überhaupt nicht glücklich.“
Neubau als Denkansatz
Ratsmitglied Michael Fleischmann, einer von vier Zuschauern, griff Wackermanns Gedanken auf: Ein neuer Tunnel wäre die beste Lösung und ließe sich mit überschaubarem finanziellen Aufwand realisieren. Die Üstra bestätigte, dass ein Neubau in offener Bauweise grundsätzlich möglich sei – allerdings würde dabei die Bundesstraße betroffen, und man wage zu bezweifeln, dass 750.000 Euro ausreichen würden.
Björn Sund (SPD) brachte die Haltung der Koalitionsfraktion auf den Punkt: „Eigentlich ist es nicht das, was wir wollen.“ Man würde es begrüßen, eine grobe Kostenschätzung für eine Direktverbindung zu bekommen – erst dann solle diskutiert werden. „Der Tunnel ist eben, wie er ist.“
Bürgermeister Armin Pollehn (CDU) betonte, die Barrierefreiheit sei das Ziel gewesen, er kenne die Ecke vom Fahrrad und wisse, dass die meisten den kürzesten Weg nähmen – auch aus Burgdorf heraus: „Man sieht nicht, wer im Tunnel ist.“ Er wolle die Arbeit nicht schmälern, sehe aber die Optionen nicht.
Planung zurückgestellt
Ausschussvorsitzender Hartmut Braun (Bündnis 90/Die Grünen) fasste die Stimmung zusammen: Die Skepsis sei zu groß, um mit der bisherigen Planung weiterzumachen. Der Ausschuss stellte die Planung zurück und wartet nun auf eine Kostenschätzung für einen Neubau. Wackermann wies darauf hin, dass der Weg planfeststellungsfrei bleibe, da man im Bestand an der B 188 alt verbleibe – das könnte den Prozess beschleunigen.
Wie lange ein Neubau dauern würde, blieb offen. Dirk Bierkamp (WGS FreieBurgdorfer) fragte nach: „Jahre?“ Die Verwaltung konnte nicht sagen, ob ein Planfeststellungsverfahren nötig wird.
Fest steht: Der Anfang 2027 geplante erste Bauabschnitt des Radwegs Heeßel–Burgdorf wird dadurch nicht aufgehalten – die Frage des Magdalenentunnels bleibt jedoch ungelöst.