Wo wird es in Isernhagen zu heiß? Grüne wollen Hitzebelastung gezielt untersuchen
Wenn Hitze über Tage anhält und auch die Nächte kaum Abkühlung bringen, wird sie für viele Menschen zur gesundheitlichen Belastung. Wie ernst die Folgen sein können, zeigen aktuelle Schätzungen des Robert Koch-Instituts: Bis Ende Juni seien in diesem Jahr rund 370 hitzebedingte Todesfälle in Niedersachsen verzeichnet worden. Das Niedersächsische Landesgesundheitsamt warnt davor, die gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze zu unterschätzen.
Die Grünen Isernhagen wollen deshalb in der kommenden Wahlperiode einen konkreten Vorschlag zum kommunalen Hitzeschutz in die politischen Beratungen einbringen. Im Mittelpunkt steht ein Bereich, den die Gemeinde mit ihrer Planung beeinflussen kann: das Wohnumfeld und das lokale Mikroklima. Wo ist die Hitzebelastung besonders hoch, wo fehlt Schatten und wo können Bäume, Grünflächen oder Entsiegelung zur Verbesserung beitragen?
„Hitze verteilt sich nicht überall gleich, und nur wenige Menschen haben privat Klimaanlagen“, sagt Jessica Rothhardt, Ratsfrau und Spitzenkandidatin der Grünen. „Deshalb wollen wir genauer wissen, wie und wo der kommunale Hitzeschutz in Isernhagen verbessert werden kann. Entscheidend ist, dort anzusetzen, wo Maßnahmen für die Menschen besonders viel bewirken können.“
Vorhandene Klimadaten nutzen
Eine wichtige Grundlage liegt bereits vor: Die Klimaanalyse der Region Hannover enthält unter anderem Daten zur nächtlichen Überwärmung, zur Wärmebelastung am Tag und zu klimaökologisch wichtigen Freiflächen. Nach den Vorstellungen der Grünen sollen diese und weitere vorhandene kommunale und regionale Daten zunächst ausgewertet werden. Erst anschließend sollen auffällige Quartiere genauer betrachtet werden.
Auch größere bestehende und geplante Wohnbauentwicklungen sollen berücksichtigt werden, darunter das Bodegelände in Isernhagen H.B. Damit soll auch der finanzielle Aufwand begrenzt werden: Statt das gesamte Gemeindegebiet flächendeckend im Detail zu untersuchen, sind vertiefende Analysen nur dort vorgesehen, wo sie fachlich sinnvoll sind.
Drei Bäume, 30 Prozent Baumkronen, 300 Meter bis zum Grün
Als wissenschaftlichen Orientierungsrahmen wollen die Grünen unter anderem die sogenannte 3-30-300-Regel heranziehen. Das vom Stadtgrünforscher Cecil Konijnendijk entwickelte Konzept formuliert drei leicht verständliche Zielwerte: Von Wohnungen, Schulen und Arbeitsplätzen aus sollten mindestens drei größere, gut entwickelte Bäume sichtbar sein. Wohnquartiere sollten möglichst einen Baumkronenanteil von 30 Prozent erreichen. Von jeder Wohnung sollte eine öffentliche Grünfläche in höchstens 300 Metern erreichbar sein.
Die Werte sind keine verbindlichen Grenzwerte, sondern eine wissenschaftlich begründete Leitlinie, die an die örtlichen Gegebenheiten angepasst werden muss. Sie kann helfen, Unterschiede zwischen Quartieren sichtbar zu machen und mögliche Defizite zu erkennen.
„Wir können heiße Sommer nicht wegplanen. Aber wir können Isernhagen besser darauf vorbereiten„, sagt Dr. Annette Heuer, Co-Vorsitzende der Grünen Isernhagen. „Es geht um das Zusammenspiel von Bäumen, Verschattung, Grünflächen und Entsiegelung. Gerade bei neuen Wohngebieten sollten wir diese Fragen von Anfang an mitdenken. Spätere Nachrüstungen sind häufig schwieriger und teurer.“
Erst prüfen, dann gezielt handeln
Wo die Untersuchung Handlungsbedarf zeigt, sollen Maßnahmen entwickelt und priorisiert werden. Denkbar sind zusätzliche Straßenbäume, Entsiegelungen, kleinere öffentliche Grünflächen oder mehr Verschattung auf Schulhöfen, Spielplätzen und an Bushaltestellen. Die Erkenntnisse sollen außerdem bei größeren städtebaulichen Entwicklungen und neuen Bebauungsplänen berücksichtigt werden. Ziel ist es, Isernhagen langfristig besser auf zunehmende Hitzeperioden vorzubereiten.

