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Politik beim Frühstück: SoVD-Kreisverband hat Landtagsabgeordnete zum Gespräch eingeladen

[BURGDORF]

Rund 60 Gäste kamen am heutigen Sonnabend, 13. Juni 2026, zum „Sozialpolitischen Frühstück“ des SoVD-Kreisverbandes Burgdorf in die Clubgaststätte des Stadthauses an der Sorgenser Straße. Unter dem Titel „Politik im Gespräch — Einblicke in die Arbeit des Niedersächsischen Landtags“ berichteten die Landtagsabgeordneten Thordies Hanisch (SPD) und Heike Koehler (CDU) aus ihrem politischen Alltag. Das Frühstück hatte aber auch eine persönliche Note: Die Vorsitzende Anne-Marie Weibel kündigte an, nicht mehr kandidieren zu wollen.

Anne-Marie Weibel begrüßte die Gäste und brachte dabei eine Zäsur zur Sprache: Elf Jahre hatte sie als zweite Vorsitzende gearbeitet, ein weiteres Jahr als erste — nun will sie nicht mehr kandidieren. Einen Nachfolger gibt es bereits. Namen nannte Weibel noch nicht, das Motto aber schon: „Wir müssen uns verjüngen.“ Der Verband brauche eine neue Generation — und die ist offenbar in Sichtweite.

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Unter den Gästen befand sich auch Andrea Buhndorf, die für die SPD als Bürgermeisterkandidatin in Burgdorf antritt und dem SoVD-Kreisverband herzliche Worte mitgab. 8.000 Mitglieder allein im Kreisverband — das sei „eine Riesenleistung, sensationell“, so Buhndorf. Den Verband zeichne eine soziale DNA aus, die sie tief beeindrucke. Buhndorf, die in Burgdorf aufgewachsen ist und im hiesigen Rathaus unter anderem in der Sozialabteilung gearbeitet hat, heute als Fachbereichsleiterin in der Gemeinde Hohenhameln tätig ist, betonte, dass man Bodenhaftung brauche und wissen müsse, worüber man spricht. Für Verbände wie den SoVD, die anderen Menschen helfen, sei sie dankbar.

Koehler: „Pflege darf nicht zur Armutsfalle werden“

Heike Koehler (CDU) ist seit zwei Jahren im Landtag — und nutzte die Bühne gleich für eine Klarstellung: Sozialpolitiker gebe es auch in der CDU, und das sei „ganz, ganz wichtig“. Sie ist Ortsbürgermeisterin in Ahlten (rund 6.000 Einwohner), seit 2011 Ratsmitglied in Lehrte und sitzt im Landtag unter anderem im Umwelt- und Energieausschuss, im Petitions- und im Innenausschuss. Ihr Steckenpferd ist die Sozialpolitik.

Der SoVD, so Koehler, stehe seit Jahrzehnten für soziale Gerechtigkeit. „Gerade in Zeiten großer Veränderungen brauchten wir Verbände, die den Menschen eine Stimme geben und die Politik daran erinnern, dass hinter jeder Statistik ein Mensch steht“, betonte sie. Den Austausch mit dem SoVD empfindet sie als besonders wertvoll für ihre Arbeit als Mandatsträgerin.

Die größte soziale Herausforderung der Zukunft sieht Koehler in der Pflege: Die Zahl der Pflegebedürftigen steige, die Kosten stiegen, Fachkräfte fehlten. „Pflege darf nicht zur Armutsfalle werden.“ Bei häuslicher Gewalt sprach sie sich für die Einführung der elektronischen Fußfessel aus — nicht das Opfer müsse sich ändern, sondern der Täter. Und auf die Frage, was die Gesellschaft zusammenhält, kam sie auf das Ehrenamt: Was wäre Niedersachsen ohne die Menschen, die unzählige Stunden ihrer Zeit für andere einsetzen?

Hanisch: Demokratie braucht alle

Thordies Hanisch (SPD) ist bereits seit acht Jahren im Landtag und dankte zunächst ausdrücklich Anne-Marie Weibel und Kreisfrauensprecherin Ilona Picker für ihren Einsatz: „Ohne euer Engagement würde das hier alles nicht klappen.“ Dann berichtete sie anhand konkreter Beispiele, wie Landespolitik funktioniert.

Im Umwelt- und Energiebereich habe der Landtag das Windbeteiligungsgesetz beschlossen: Kommunen bekommen künftig 0,3 Cent je Kilowattstunde aus Windkraft und werden verpflichtet, diese für freiwillige Leistungen ausgeben — statt bisher 0,2 Cent. Zudem müsse sichergestellt werden, dass nicht nur diejenigen profitierten, die ohnehin schon gut informiert oder finanziell besser gestellt seien.

Ernster wurde der Ton, als Hanisch auf den Zustand der Demokratie zu sprechen kam. Die Demokratie sei in Alarm — häusliche Gewalt, Polarisierung, der Aufstieg der AfD. Deren Wahlprogramme sollte man sich anschauen: In Sachsen-Anhalt plane die AfD etwa die Abschaffung der Schulpflicht. „Das machen die gezielt, damit unsere Kinder nicht im öffentlichen System geschult werden.“ 20 Prozent könnten in unserem Land schnell zur größten Partei werden — die Politik allein könne die Demokratie nicht sichern. „Dazu brauchen wir euch und sie.“

Muik: Die Ratsuchenden werden jünger — und verzweifelter

Einen der eindrücklichsten Beiträge des Abends lieferte Matthias Muik, seit acht Jahren Geschäftsstellenleiter des SoVD Burgdorf und Moderator der Veranstaltung. Er schilderte eine Entwicklung, die ihn erschreckt: Die Menschen, die in die Beratung kommen, werden jünger.

Früher dominierten Themen wie Rente, Pflege, Schwerbehinderung und Krebs — Ratsuchende ab 60. In den vergangenen zwölf Monaten habe sich die Klientel extrem verändert: 35-jährige Familienväter mit Eigenheim und Kindern, die nicht mehr zurechtkommen. Schuldnerberatung, Kindergeld, Jobcenter, mehrere Tausend Euro im Minus. „Wer Vollzeit arbeitet und Kinder hat, da kann es nur eine Frage der Zeit sein, wann es nicht mehr weitergeht.“ Die Beratungsgespräche würden intensiver und emotionaler. „Im Grunde brauchen wir Psychologen, um die Situation von Anfang an ganzheitlich aufzunehmen.“ Sein Appell: Wer Fragen hat, soll sich melden — es gibt immer eine Lösung, und wenn er nicht helfen kann, hat er immer noch einen Tipp parat.

In der anschließenden Diskussion meldeten sich Gäste zu Wort, die vor allem der Bundespolitik ein schlechtes Zeugnis ausstellten. Koehler räumte ein, dass Vertrauen wieder hergestellt werden müsse — und dass sie nicht immer einer Meinung mit der CDU-Bundespolitik sei.


Über den SoVD Kreisverband Burgdorf

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) zählt niedersachsenweit mehr als 280.000 Mitglieder — allein im Kreisverband Burgdorf sind es über 8.000. Damit ist er der mit Abstand stärkste Sozialverband des Landes. Zum Kreisverband gehören zehn Ortsverbände, von Burgdorf über Lehrte und Sehnde bis in die Wedemark.

Im Beratungszentrum an der Wilhelmstraße 3 in Burgdorf stehen Sozialberaterinnen und Sozialberater zu den Themen Rente, Pflege, Behinderung, Gesundheit und Bürgergeld zur Seite. Die Beratung ist nach der internationalen Qualitätsnorm ISO 9001:2015 zertifiziert. Rund 110 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kreisverband sorgen dafür, dass die Betreuung vor Ort funktioniert.

Der SoVD versteht sich als parteipolitisch unabhängige Interessenvertretung: „Unser Handeln ist immer politisch, aber nie parteipolitisch.“ Neben Beratung und politischer Interessenvertretung bieten die Ortsverbände Veranstaltungen, Ausflüge und Gemeinschaft.

Kontakt: Wilhelmstraße 3, 31303 Burgdorf, Telefon 05136/5659, Mail info.burgdorf@sovd-nds.de. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 9 bis 16 Uhr und am Freitag von 9 bis 12 Uhr. Weitere Informationen unter www.sovd-burgdorf.de.

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