Rathaus I: SMB soll Koordination übernehmen – Ausschuss gibt keine Empfehlung ab
Foto: Bastian Kroll
Das Nutzungskonzept für das Rathaus I war am heutigen Montag, 1. Juni 2026, zentrales Thema im Ausschuss für Haushalt, Finanzen und Verwaltungsangelegenheiten. Die Verwaltung stellte das Konzept in zweiter Lesung vor — ohne dass der Ausschuss am Ende einen Beschluss fasste. Die Entscheidung soll nun im Verwaltungsausschuss am 16. Juni und im Rat am 18. Juni fallen.
Das Konzept: SMB als Koordinator statt Mieter
Nach dem Ratsbeschluss vom Februar 2022 soll das sanierte Rathaus I sowohl als Verwaltungsstandort als auch als Bürgerhaus der Öffentlichkeit dienen. Für diese Öffnung stehen 1,6 Millionen Euro Städtebauförderung bereit. Nicole Raue, Leiterin Zentrale Dienste bei der Burgdorfer, Stadtverwaltung stellte das Konzept vor: Das Erdgeschoss soll einen iPoint als zentralen Anlaufpunkt für Bürgerinnen, Bürger und Touristinnen und Touristen beherbergen — erreichbar montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr, samstags von 11 bis 14 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Dazu kommen zwei Besprechungsräume für Vereine und Institutionen, das Kinder- und Jugendbüro, Büros für den Seniorenrat und das Schiedsamt. Im ersten Obergeschoss sind Ratssaal, Wirtschaftsförderung und ein Büro für den Citymanager vorgesehen, in den oberen Geschossen zieht das Ordnungsamt ein.
Die Koordination dieser öffentlichen Nutzung — Raumbelegung, Veranstaltungsorganisation, Schnittstelle zu Vereinen — soll das Stadtmarketing Burgdorf (SMB) übernehmen. Dafür erhält es im Erdgeschoss zehn Büroarbeitsplätze mietfrei zur Verfügung gestellt; eine Mietzahlung entfällt, weil der SMB im Gegenzug die genannten Koordinationsaufgaben erbringt. Raue betonte: Es sei nicht möglich, diese Aufgabe mit städtischem Stammpersonal zu stemmen — man müsste erheblich aufstocken. Der SMB sei dafür die geeignetste Organisation.
SMB: Investition in die Innenstadt
Gerhard Bleich, Geschäftsführer des SMB, Markus Wzietek (1. Vorsitzender) und Thomas Lüer (2. Vorsitzender) standen dem Ausschuss für Fragen zur Verfügung. Bleich betonte, das Rathaus I werde kein reines Verwaltungsgebäude, sondern ein Ort, der Leben in die Innenstadt bringe. Das SMB werde selbst noch in die Ausstattung investieren und eigene Mittel einsetzen. Lüer sprach von einer Win-win-Situation für die Stadt: Die Verwaltung spare Kosten für den iPoint-Betrieb, der SMB schaffe neue Wertschöpfung durch Tagestourismus. Die künftige Burgdorf GmbH könne ebenfalls im Rathaus I untergebracht werden; der Ratssaal könnte zudem kostenpflichtig vermietet werden.
Vergaberecht: Keine Ausschreibungspflicht
Anja Piel, Leiterin der städtischen Rechnungsprüfung, beantwortete die Frage nach einer möglichen Ausschreibungspflicht: Da der SMB keine Zahlungen von der Stadt erhält, sondern Gegenleistungen erbringt, handle es sich um eine Konzession. Ausschreibungspflichtig sei eine solche ab 5,4 Millionen Euro netto — diese Schwelle werde bei weitem nicht erreicht.
Förderrisiko: Nur bei vollständigem Wegfall der öffentlichen Nutzung
Raue präzisierte auch die Fördermittellage: Mindestens 61 Prozent des Gebäudes müssten öffentlich genutzt werden, um die volle Förderung zu erhalten. Sinke der Anteil auf 35 Prozent, reduziere sich die Förderung entsprechend. Eine vollständige Rückzahlung der 1,6 Millionen Euro sei nur dann nötig, wenn die Stadt entscheide, keinerlei öffentliche Nutzung mehr stattfinden zu lassen.
WGS stellt Fragen — Pollehn widerspricht vehement
Vorab hatte Rüdiger Nijenhof, Fraktionsvorsitzender der Ratsfraktion WGS FreieBurgdorfer, einen schriftlichen Fragenkatalog eingereicht und zugleich beantragt, das Konzept zur Nachbesserung zurückzustellen. Nijenhof war nicht persönlich anwesend. Die Verwaltung beantwortete seine Fragen — woraufhin Ausschussvorsitzender Gerald Hinz (SPD) feststellte, dass die Antworten nichts an der Einschätzung des Ausschusses geändert hätten.
Bürgermeister Armin Pollehn wies den in der WGS-Anfrage enthaltenen Vorwurf, die Verwaltung habe Informationen zurückgehalten, „vehement“ zurück: Man habe seit eineinhalb Jahren offen kommuniziert, und es habe nie ein „Alles-oder-Nichts“-Szenario gegeben.
Debatte: Zwischen Zustimmung und Skepsis
Simone Heller (Bündnis 90/Die Grünen) bat um Bedenkzeit für ihre Fraktion. Sie wolle nicht grundsätzlich dagegen sein, habe aber noch offene Fragen — etwa zur Personalentwicklung beim SMB und zur Frage, ob das Konzept hätte ausgeschrieben werden müssen. „Das habe ich das Recht zu fragen, das nehme ich hier wahr.“
Oliver Sieke (CDU) machte keinen Hehl aus seiner Überzeugung und brachte einen emotionalen Wortbeitrag ein: Das Rathaus I sei keine „Verwaltungsfabrik“, sondern ein romantisches Gebäude mitten in der Innenstadt — und damit perfekt für das vorgeschlagene Konzept. Er könne die geäußerten Bedenken, die einem „Misstrauensvotum“ gleichen würden, nicht nachvollziehen
Dr. Karl-Heinz Vehling (Freigeist Burgdorf) unterstützte das Vorhaben grundsätzlich: Es sei allemal besser als ein externer Betreiber. Er formulierte jedoch eine klare Erwartungshaltung — das „Schmuckstück“ solle auch wie ein Schmuckstück behandelt werden.
Klaus Köneke (CDU) wies darauf hin, dass dem SMB nur etwa sechs Prozent der Gesamtfläche zur Verfügung gestellt werden, während 40 Prozent für die öffentliche Nutzung vorgesehen seien — das sei eine verhältnismäßige Lösung.
Hinz fasste zusammen: Der Ausschuss habe nun mehr Argumentationshilfe erhalten und seien partie wie auch die Grünen werden das Konzept in den Fraktionen besprechen. Eine Abstimmung im Ausschuss fand nicht statt. Der Verwaltungsausschuss berät am 16. Juni, der Rat entscheidet am 18. Juni 2026.
