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Grüne Sichtschutzlösungen erobern die Vorgärten rund um Hannover

[REGION]

Wer in den letzten zwei Jahren durch Neubaugebiete in Burgdorf, Isernhagen oder Burgwedel spaziert ist, hat es vermutlich bemerkt. Immer mehr Grundstücke setzen auf formierte Bäume statt klassischer Thujahecken. Grundstücke in diesen Gemeinden werden seit der Fortschreibung des Regionalen Raumordnungsprogramms 2022 tendenziell kleiner, und Gartenbesitzer suchen nach Lösungen, die wenig Tiefe beanspruchen.

Besonders auffällig ist die Entwicklung in Wohngebieten, die nach 2020 erschlossen wurden. Dort stehen Häuser oft nur sechs bis acht Meter voneinander entfernt. Eine ausgewachsene Kirschlorbeerhecke beansprucht leicht 80 bis 100 Zentimeter Breite auf jeder Seite, was bei solchen Abständen erheblich ins Gewicht fällt. Kein Wunder also, dass Alternativen gefragt sind, die vertikal statt horizontal wachsen.

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Eine dieser Alternativen ist der Spalierbaum, eine fächerförmig gezogene Baumform, die als freistehende Palmette im Garten aufgestellt wird. Anders als viele vermuten, benötigen diese Bäume kein Drahtgerüst an einer Hauswand. Sie werden mit Baumpfählen geliefert und stehen frei im Garten, was die Platzierung deutlich flexibler macht als bei wandgebundenen Spalieren.

Warum Thujahecken in Neubaugebieten an ihre Grenzen stoßen

Thuja occidentalis, der in Deutschland meistverkaufte Heckenbewuchs, braucht mindestens 50 Zentimeter Abstand zur Grundstücksgrenze. In Niedersachsen schreibt das Nachbarrechtsgesetz in § 50 vor, dass Hecken ab einer Höhe von 1,20 Metern einen Grenzabstand von mindestens einem Drittel ihrer Höhe einhalten müssen. Wer eine zwei Meter hohe Sichtschutzhecke plant, muss also rund 67 Zentimeter Abstand kalkulieren.

In der Praxis bedeutet das Folgendes: Auf einem Grundstück mit acht Metern Breite gehen allein durch beidseitige Heckenpflanzung über zwei Meter nutzbare Fläche verloren. Für Familien mit Kindern, die Spielfläche brauchen, ist das ein echtes Problem. Formierte Bäume dagegen kommen mit einer Kronentiefe von etwa 30 Zentimetern aus und lassen sich deutlich näher an die Grenze setzen.

Was formierte Bäume von herkömmlichen Gehölzen unterscheidet

Ein Spalierbaum entsteht nicht zufällig. In Baumschulen werden junge Bäume über mehrere Jahre an einem Rahmen gezogen, bis die Äste eine gleichmäßige, flache Fächerform bilden. Der niederländische Familienbetrieb Venovi GmbH aus Opheusden, der über spalierbaumspezialist.de auch den deutschen Markt beliefert, kultiviert solche Bäume auf rund 160 Hektar Fläche und das seit 1860. Pro Jahr verlassen dort etwa 50.000 Bäume die Baumschule als Ballen- oder Containerware.

Die Auswahl reicht von Ziergehölzen wie Amberbaum und Hainbuche bis hin zu Spalierobstbäumen mit Apfel, Birne oder Süßkirsche. Gerade die immergrünen Varianten, etwa die Glanzmispel Red Robin oder die Steineiche, eignen sich als ganzjähriger Sichtschutz. Stammhöhen bis zu 2,40 Meter sorgen dafür, dass bereits direkt nach der Pflanzung ein spürbarer Blickschutz entsteht.

Standortwahl und Bodenverhältnisse in der Region Hannover

Rund um Burgdorf und Isernhagen bestehen die Böden überwiegend aus lehmigem Sand mit einem pH-Wert zwischen 5,5 und 6,5. Das sind gute Voraussetzungen für die meisten Laubgehölze, die als Spalierform erhältlich sind. Hainbuchen und Linden beispielsweise gedeihen auf diesen Böden besonders gut, während Felsenbirnen eine leicht durchlässigere Struktur bevorzugen.

Bei der Standortwahl spielt auch die Windexposition eine Rolle. Die Region südöstlich von Hannover ist vergleichsweise windarm, was formierten Bäumen entgegenkommt. In exponierten Lagen, etwa am Rand der Burgdorfer Aue, empfiehlt es sich allerdings, die Stützpfähle in den ersten zwei bis drei Jahren stehen zu lassen, bis der Wurzelballen ausreichend verankert ist.

Pflanzzeit und Pflege im niedersächsischen Klima

Zwischen Oktober und April liegt die optimale Pflanzzeit für einen Spalierbaum, solange der Boden frostfrei ist. In der Region Hannover bedeutet das in den meisten Jahren ein Zeitfenster von Mitte Oktober bis Ende März. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt hier laut Daten des Deutschen Wetterdienstes bei rund 9,4 Grad Celsius, was den meisten Spalierformen ausgezeichnet entspricht.

Der Pflegeaufwand hält sich in Grenzen. Einmal jährlich, idealerweise im späten Juni nach dem Johannistrieb, werden die Seitentriebe zurückgeschnitten, um die Fächerform zu erhalten. Im Vergleich dazu verlangt eine Thujahecke mindestens zwei Schnitte pro Jahr und reagiert empfindlich auf Trockenperioden, wie sie in den Sommern 2022 und 2023 auch in Niedersachsen mehrfach auftraten.

Wer weniger Gartenarbeit und gleichzeitig mehr nutzbare Fläche möchte, findet in formierten Bäumen eine durchdacht dimensionierte Lösung. In einer Gemeinde wie Isernhagen, wo laut Baulandkataster die durchschnittliche Grundstücksfläche neuer Parzellen unter 500 Quadratmeter liegt, zählt jeder Zentimeter.

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