Fahrradstraße zum Wasserwerksweg: Planer sehen hohes Potenzial, Politik ringt um Abwägung
Foto: Bastian Kroll
Am gestrigen Donnerstag, 22. Januar 2026, ist im Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit, Liegenschaften und Verkehr im Ratssaal des Burgdorfer Schlosses über die mögliche Einrichtung einer Fahrradstraße im Bereich Wasserwerksweg und Blücherstraße beraten worden. Vor rund 25 Zuhörern stellte die Firma shp Verkehrsplanung aus Hannover Ergebnisse zu Nutzung, Befragung und Verkehrszählungen vor, während Ausschussmitglieder und Gäste vor allem über Eingriffe in den Parkraum, Nutzen und Prioritäten stritten.
„Es gibt keine abgespeckte Fahrradstraße“
Die Mitarbeiter von shp Verkehrsplanung berichteten, dass sie 2023 mit einer Vorplanung beauftragt worden seien. Bei der nun vorgelegten Vorplanung musste die nutzbare Straßenbreite vergrößert werden, weil rechtliche Vorgaben und aktuelle Rechtsprechung die Regelbreiten beeinflussten. Eine Parkraumerhebung sei 2024 durchgeführt worden. Dabei sei deutlich geworden, dass Stellplätze entfallen müssten, zugleich seien aber in der Umgebung genügend Kapazitäten vorhanden, Engpässe im Parkraum seien nicht zu erwarten. Auf Nachfrage aus der Politik, ob eine abgespeckte Variante möglich sei, fiel die Antwort klar aus. Eine abgespeckte Fahrradstraße gebe es nicht.
Befragung an der Schule und Zählungen auf den Straßen
Grundlage der Vorstellung war auch eine schulweite Online-Befragung über IServ, die von Dezember 2024 bis Januar 2025 lief. Nach Angaben der Planer hätten 390 Schüler die Seite aufgerufen, 204 hätten die Befragung abgeschlossen, was als sehr gute Rücklaufquote bewertet wurde. Der Anteil der Fahrradnutzung sei hoch gewesen, 71 Prozent der Teilnehmer. Rund die Hälfte der Befragten komme demnach aus der Weststadt, fahre über den Läuferweg und nutze dann den Wasserwerksweg, ein weiterer Teil fahre weiter südlich über Bahnhof oder den Finanzamttunnel und dann durch die Wallgartenstraße. Drei Viertel hätten angegeben, die angebotene Fahrradstraße nutzen zu wollen. Aus dem südlichen Bereich würden laut Darstellung 40 Prozent der fahrradfahrenden Schüler kommen, von ihnen würden 22 Prozent sogar einen Umweg in Kauf nehmen, gaben sie bei der Befragung an.
Ergänzend verwiesen die Planer auf Verkehrszählungen unter anderem am Wasserwerksweg und an der Blücherstraße. Dabei gebe es deutliche Spitzen vor und nach der Schule, zugleich werde die Strecke auch tagsüber von Einwohnern genutzt. Die Achse Blücherstraße und Wasserwerksweg sei schon heute hochfrequentiert. In der Schlussfolgerung hieß es, die Einrichtung einer Fahrradstraße könne die Verkehrssicherheit für Radfahrende „deutlich verbessern“.
Zweifel, Parkraum und die Frage nach dem Bedarf
In der Diskussion wurde mehrfach nach der Notwendigkeit einer Fahrradstraße gefragt. Dr. Karl-Heinz Vehling (Freigeist Burgdorf) stellte in den Raum, ob das Ganze erforderlich sei und ob dafür Mittel ausgegeben werden sollten, zudem gebe es keine Erhebung zu Unfällen. Ariane Thieleking (CDU) erkundigte sich, ob es Grenzwerte gebe, ab wann eine Fahrradstraße eingerichtet werden sollte. Die Planer verwiesen auf das vorhandene Potenzial und sagten, die Zahlen seien gut, in anderen Städten und Stadtteilen seien sie nicht so hoch und dennoch würden Fahrradstraßen eingerichtet.
Lutz Wackermann (beratendes Mitglied) sprach über parkende Autos als Problem, wenn Radfahrende sich „durchquetschen“ müssten, und verwies darauf, dass Fahrradstraßen sicherer und am Ende günstiger seien, auch mit Blick auf Unfallfolgekosten. Dagmar Thöner (Bündnis 90/Die Grünen) sagte, wenn Parkplätze wegfielen, sehe sie das als Problem, gerade abends stünden dort viele Fahrzeuge, und sie sprach sich dafür aus, zunächst das umzusetzen, „was leicht umzusetzen ist“.
Björn Sund (SPD) beschrieb seinen Standpunkt als „ambivalent“. Sein Problem sei der Eingriff, der auch für Anwohner und Gewerbetreibende „nicht unerheblich“ sei. Hier gab es in einer Einwohnerversammlung bereits Gegenwind. Zugleich gehe es darum, einen sicheren Schulweg zu gewährleisten. Er bat die Verwaltung um eine Bewertung, ob es empfehlenswert sei und welche Kosten entstehen könnten, und sagte, man müsse „mit echten Fakten konfrontiert werden“. Später betonte er erneut, man müsse eine Güterabwägung treffen, auch angesichts der Finanzlage der Stadt. Dass die Sicherheit durch eine Fahrradstraße verbessert werde, sei „unbestritten“, die Frage sei aber, ob sie am Ende auch genutzt werde. Er warnte davor, sich von „Totschlagargumenten“ leiten zu lassen, und plädierte für eine durchdachte Entscheidung.
Die Verwaltung erklärte, aus ihrer Sicht sei das Vorhaben empfehlenswert, die Fahrradstraße zum Gymnasium sei bereits auch gut angenommen worden. Als Vorgehen wurde genannt, dass eine Beschlussvorlage erstellt werde, in der auch eine Kostenschätzung enthalten sein soll.
ADFC drängt: „Zögern, da kommen wir nicht weiter“
Deutlich wurde der Ton aus dem Kreis des ADFC. Dort hieß es, man wünsche sich, „dass wir mal weiterkommen“, seit Jahren gebe es den Beschluss, mehr Radverkehr zu wollen, nun höre man wieder zögern. Die Frage, die im Saal hörbaren Beifall auslöste, lautete: „Ist ein parkendes Auto wirklich wichtiger als ein Kind auf einem Fahrrad?“