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Freitag, 27.05.2022 - 13:32 Uhr

Nach Glücksspielvertrag: Darum bevorzugen Spieler weiterhin Casinos ohne Limit

REGION

Nach langem Ringen scheint es nun eine Regelung zu geben, die in Deutschland das Glücksspiel aus der Grauzone in die Legalität holt. Das ist erst einmal aller Ehren wert und ein sehr wichtiger Schritt. Warum es so lange dauerte und weshalb die Lösung nicht allen behagt, wollen wir näher beleuchten.

 

Zu Beginn gab es das Paradies

Zumindest aus der Perspektive des Staates, denn dieser besaß das Monopol auf das Glücksspiel und verdiente nicht schlecht damit. Im Zuge der europäischen Vereinigung und der damit einhergehenden Angleichung der Marktbedingungen geriet die deutsche Glücksspielregelung immer wieder ins Visier von Brüssel.
Berlin verteidigte sein Monopol stets mit dem Argument, auf diese Weise die Spielsucht unter Kontrolle halten zu können. In Anbetracht der Tatsache, dass der deutsche Staat im TV und im Rundfunk Werbung für seine Glücksspielangebote machte, konnte von Spielsucht-Kontrolle keine Rede mehr sein. Das Monopol fiel und es sollte sehr lange dauern, ehe man sich auf eine marktgerechte Lösung einigen konnte.

 

Immer wieder Ausbrecher

Die Problematik lag dabei vor allem im ständigen Kompetenzgerangel zwischen Bund und Ländern. Es musste eine gemeinsame Lösung gefunden werden und dies gestaltete sich äußerst schwierig, da manche Länder recht gut am staatlichen Glücksspiel verdienten und auf einen Ausgleich pochten.

 

Es wurden im Zuge dieses Einigungsprozesses ganze drei Staatsverträge zum Glücksspiel erlassen und wieder verworfen. Seit letztem Jahr hat man sich auf den vierten geeinigt und es hat den Anschein, als würde dieser erst einmal Bestand haben, obwohl er immer noch sehr viele Fragen aufwirft und sich eine Menge Kritik an ihm regt. Schließlich gibt es immer noch jede Menge Glücksspielanbieter, die ohne eine deutsche Lizenz auftreten.

 

Was bringt die neueste Fassung für die Spieler?

Obwohl mehrere Gerichte dem Staat bereits mehrfach nachgewiesen haben, dass sein Monopol keine positiven Auswirkungen auf die Spielsuchtprävention hatte, besteht er nach wie vor darauf. Das hat zur Folge, dass sich nun die privaten Anbieter an Regelungen halten müssen, die vorher für den Staat nicht gegolten haben.


Dabei geht es vor allem um das maximale anbieterübergreifende Einzahlungslimit. Das beträgt 1.000 Euro pro Monat und muss von der Aufsichtsbehörde überwacht werden können. In einer ersten Reaktion haben sich direkt Ratgeber über Casinos ohne Limit etablieren können, die den Spielern dabei helfen, die staatliche Willkür zu umgehen.

 

Warum ist diese Regelung wenig hilfreich?

Auf den ersten Blick erscheint dieses Limit wie ein Schutz vor Spielsucht. Auf den zweiten Blick kann man sich jedoch die Frage stellen, ab welchem Betrag ein Spieler als spielsüchtig gilt, und weiterhin kann man sich fragen, ob man das überhaupt an einem fixen Betrag festmachen kann.

 

Die finanziellen Möglichkeiten könnten unterschiedlicher kaum sein: Für den einen sind 1.000 Euro sehr viel Geld, der andere gibt diesen Betrag für ein Dinner aus, ohne nachdenken zu müssen. Das nun 1.000 Euro pro Monat die Grenze zwischen Spielsucht und verantwortlichem und lustvollem Spiel darstellen, ist hanebüchen.

 

Jeder spielt mit anderen Möglichkeiten

Poker-Turniere sind, spätestens seit dem Hype um den James-Bond-Film Casino Royale, aus der Freizeitgestaltung kaum mehr wegzudenken. Die meisten von uns kennen jemanden im nahen und entfernten Bekanntenkreis, der gerne Poker spielt. Spieler die über gewisse finanzielle Möglichkeiten verfügen, setzen dabei auch mal gerne mehr ein. Daran ist überhaupt nichts Verwerfliches.

 

Spielsucht hat laut unabhängiger Experten nichts mit fixen Einsätzen zu tun, sondern spiegelt sich im gesamten Verhalten des Spielers wider. Jemand, der im Monat 100 Euro verspielt, kann bereits spielsüchtig sein, während ein anderer, der im Monat über 10.000 Euro fürs Zocken ausgibt, ein ganz normales Spielverhalten zeigt. Eine Frage ist beispielsweise, ob man auch mal eine Pause von mehreren Wochen oder Monaten „aushalten“ kann. An solchen Faktoren zeichnet sich Suchtverhalten ab und weniger an der Summe, die man einsetzt.

 

Viele fühlen sich bevormundet

Es sind besonders die Freunde der Tischspiele, die sich bevormundet und gegängelt fühlen, aber auch viele Experten schlagen Alarm, weil sie nun fürchten, dass viele Spieler abseits der staatlich kontrollierten Spielstätten ihrem Spiel nachgehen.
Es braucht neue Lösungen. Wir finden es gut, dass es überhaupt einen gültigen Glücksspielstaatsvertrag gibt, ähnlich wie in immer mehr anderen europäischen Ländern. Es war ein langer Weg und es scheint, als sei er noch nicht zu Ende gegangen, und die Spieler warten auf Nachbesserungen.

 

Spielsucht wirklich ernst nehmen

Dass Spielsucht eine Gefahr für labile Persönlichkeiten darstellen kann, ist eine unbestrittene Tatsache. Was jedoch näher beleuchtet werden muss, ist der richtige Umgang damit. Für private Anbieter Regelungen festzusetzen, die es in staatlichen Spielbanken nicht gibt, wirft Fragen auf.

 

Eine Expertengruppe sollte gegründet werden, die unabhängig von finanziellen Interessen eine Lösung erarbeitet. Eine Lösung, die der Sache wirklich dient und sich ihrer auch würdig erweist.