Burgdorf

Kita-Plätze in Burgdorf: Vom Mangel zur neuen Diskussion

[BURGDORF]

Wer sich noch an die Jahre erinnert, in denen Eltern in Burgdorf händeringend nach einem Kita-Platz suchten, wird die Nachricht mit Erleichterung aufnehmen: Die Lage entspannt sich. Michael Kugel von der Jugendverwaltung der Stadt legte dem Ausschuss für Jugendhilfe und Familie die neue Bedarfsplanung für die Kindertageseinrichtungen 2026/2027 vor — und sprach von einer erfreulichen Situation.

Zum ersten Mal seit Jahren zeichnet sich ab, dass allen Kindern mit Rechtsanspruch ein Betreuungsplatz angeboten werden kann. Im Kindergartenbereich (Kinder von drei bis sechs Jahren) wird die Versorgungslage laut Prognose ab 2027 sogar in einen leichten Überschuss kippen: Statt eines Defizits von 72 Plätzen in diesem Jahr rechnet die Verwaltung für 2027 mit einem Plus von 121 Plätzen. Hintergrund ist ein deutlicher Rückgang der Geburtenzahlen: Von 317 im Jahr 2021 sanken sie bis 2024 auf 233 — fast ein Viertel weniger.

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Das bedeutet auch: Die Diskussion verändert sich. „Früher war die Frage: Haben wir überhaupt einen Platz für Ihr Kind?“, sagte Kugel. „Künftig wird es heißen: Ich habe keinen Platz in meiner Wunschkita.“ Das klingt nach Luxusproblem — ist aber ein echter Konflikt, der sich abzeichnet. Dazu kommt die Frage, was mit leerer werdenden Gruppen passiert. Birgit Meinig (SPD) sah darin auch eine Chance: Kleinere Gruppen würden eine individuellere Betreuung ermöglichen. „Eine 25er-Gruppe mit zwei Fachkräften — das ist schwer, individuell auf die Kinder einzugehen. Aus dieser Sicht kann man die Situation gelassener sehen.“

CDU-Fraktionsvorsitzender Klaus Köneke mahnte dennoch zur Vorsicht: Die Geburtenzahlen seien seit Jahren rückläufig, zwei weitere Kita-Projekte stünden noch in der Pipeline — die Kita St. Nikolaus im Langen Mühlenfeld und eine Erweiterung der evangelischen Kita am Fröbelweg. Wenn beide realisiert würden, drohe eine echte Überkapazität. „Dann könnten wir vermutlich zwei oder gar drei Kitas schließen“, sagte er. Er betonte, wie wichtig es sei, die weitere Planung „mit Augenmaß“ zu betreiben. Der Ausschuss stimmte der Bedarfsplanung einstimmig zu.

95 Euro im Monat: Was der Ganztag kostet

Ebenfalls auf der Tagesordnung: die Kostenbeitragssatzung für den gesetzlichen Ganztagsanspruch an Grundschulen, der schrittweise eingeführt wird. Die Verwaltung schlug vor, die Ferienbetreuung mit einem Wochenbeitrag von 80 Euro anzusetzen — 80 Prozent Kostendeckung, die restlichen 20 Prozent trägt die Stadt. Für neun Ferienwochen ergibt das 720 Euro. Hinzu kommen Randzeiten in der Schulzeit (morgens 1,25 Euro, nachmittags 3,75 Euro pro Woche). Wer das Komplettpaket nutzt, zahlt im Jahresdurchschnitt 95 Euro pro Monat.

Anika Lilienthal (FDP), die nicjht anwesend sein konnte, kündigte bereits im Vorfeld an, nicht zustimmen zu können. Rüdiger Nijenhof (WGS FreieBurgdorfer) mahnte, die bisherigen Hortbeiträge als Vergleichsmaßstab zu nehmen, eine Härtefallregelung einzuführen und sicherzustellen, dass die Satzung BuT-fähig (Bildungs- und Teilhabepaket) sei. Er übte auch deutliche Kritik an der uneinheitlichen Umsetzung an den Schulen: An der Astrid-Lindgren-Grundschule (ALGS) könnten Eltern ihre Kinder zwischen 7:30 und 8:00 Uhr bringen — an anderen Schulen werde einfach um 7:30 Uhr die Tür auf- und anschließend wieder zugemacht. „Das sagt nur: Familien, ihr müsst euch nach uns richten. Das ist familienfeindlich.“

Der Ausschuss sprach sich dafür aus, die Vorlage vor der Abstimmung im Verwaltungsausschuss noch einmal zu überarbeiten — mit aktualisierten Zahlen, einer Härtefallregelung und einer überarbeiteten Fassung, die den Fraktionen noch am Freitag vor der Ausschusssitzung vorliegen soll, damit am Wochenende sich die Ausschussmitglieder einarbeiten und am Montag in den Fraktionen beraten können. Am 18. Juni entscheidet der Rat.

Die Sommerschule des Mehrgenerationenhauses, die 180 Kindern zwei Wochen kostenlose Betreuung von 9 bis 16 Uhr bietet, verdeutlichte Ursula Wieker vom Burgdorfer Mehrgenerationenhaus als Gegenmodell: kostenlos, kooperativ — und ausgebucht.

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