Schulweg in Otze: Ortsrat beschließt Zebrastreifen – stößt aber bei Warnschildern an Grenzen
Foto: Bastian Kroll
Der Weg von zu Hause zur Grundschule Otze ist für viele Kinder täglich eine Abfolge von Engstellen, unübersichtlichen Kreuzungen und einem Bahnübergang, bei dem es von Osten aus kommend nicht nur unübersichtlich bergauf geht und die Nachmittagssonne direkt in die Windschutzscheiben blendet. Einem Antrag von Ratsfrau Anika Lilienthal (FDP) folgend hat der Ortsrat Otze am heutigen Donnerstag, 7. Mai 2026, im Altenteilerhaus Am Speicher darüber abgestimmt. Das Ergebnis ist ein klares Ja zu einem Fußgängerüberweg – aber auch die Erkenntnis, dass an einem zentralen Punkt des Schulweges eine Schilderanfrage schon einmal gescheitert ist.
Drei Gefahrenstellen, ein Antrag
Auslöser war ein Vater, der Lilienthal seine Beobachtungen schilderte: Morgens stauen sich die Autos an drei Stellen, an denen Kinder die Fahrbahn queren müssen. An der Kreuzung Burgdorfer Straße / Worthstraße fehlt auf einer Seite ein Gehweg, Kinder stehen direkt am Fahrbahnrand. An der Kreuzung Worthstraße / Freiengericht blinken viele Fahrer nicht und nehmen Schulkindern die sichere Querung weg; Es wurden bis zu 50 Querungen je Stunde gezählt. Am Bahnübergang ist es nachmittags ein Problem der anderen Art: Dann blendet die Sonne die Autofahrer genau dann, wenn Schulkinder von der anderen Seite kommen.
Lilienthals Antrag forderte drei Maßnahmen: eine Fußgängerbedarfsampel an der Kreuzung Burgdorfer Straße / Worthstraße, einen Fußgängerüberweg an der Kreuzung Worthstraße / Freiengericht sowie eine Prüfung, wie der Bahnübergang sicherer gestaltet werden kann.
CDU zieht Änderungsantrag zurück
Die CDU im Ortsrat hatte die Ampelforderung zunächst per Änderungsantrag herausnehmen wollen: Ein alternativer, verkehrsärmerer Schulweg führe ohnehin über die bestehende Bedarfsampel am Friedhof, und die Chancen auf eine weitere Ampel seien gering. „Wir sind nicht der größte Freund von weiteren Ampeln“, so Ortsbürgermeister Fabian Demuth (CDU). Nach einem Gespräch mit Lilienthal zog die CDU den Änderungsantrag jedoch zurück. Punkt 1 – die Bedarfsampel – wurde vorerst zurückgestellt. Stattdessen sollen eine Geschwindigkeitsmesstafel und belastbare Zähldaten gesammelt werden, bevor die Frage erneut gestellt wird.
Für die verbleibenden Punkte stimmte der Ortsrat einstimmig: Der Fußgängerüberweg an der Kreuzung Worthstraße / Freiengericht soll bei der Verkehrsbehörde der Region Hannover beantragt werden. Der Bahnübergang soll auf Sicherheitsoptionen geprüft werden. Und die Verwaltung soll nachforschen, was aus einem früheren gemeinsamen FDP-SPD-Antrag zur Schulwegsicherung geworden ist.
Warnschilder: An der Schule schon einmal abgelehnt
Parallel dazu brachte die CDU einen Ergänzungsantrag ein: Auf der Worthstraße zwischen der Kreuzung Freiengericht und dem Bahnübergang sowie auf der Straße Heeg zwischen dem Bahnübergang und der Kreuzung Heeg / Weferlingser Weg sollen Schilder mit dem Zusatz „Achtung Schulweg“ aufgestellt werden. Auch dieser Antrag wurde einstimmig beschlossen.
Allerdings gab Burgdorfs Bürgermeister Armin Pollehn (CDU) zu bedenken, dass es an der Straße Heeg bereits einmal einen ähnlichen Versuch gegeben hat – und dieser scheiterte. Eine Mitteilungsvorlage der Stadtverwaltung vom Januar 2026 dokumentiert den Vorgang: Die Verkehrsbehörde der Region Hannover hatte die Aufstellung von „Achtung Kinder“-Schildern vor Grundschule und Kita am Heeg abgelehnt. Begründung: Die Örtlichkeit liege innerhalb einer Tempo-30-Zone. In solchen Zonen seien zusätzliche Verkehrszeichen grundsätzlich nur in Ausnahmefällen zulässig – eine besondere Gefährdungslage, die eine Ausnahme rechtfertige, sehe die Behörde nicht. „Im Heeg war es nicht möglich, da ist 30er, das ist ein verkehrsreduzierter Bereich, daher kein Zusatzschild“, fasste Pollehn zusammen. Man könne nicht einfach sagen, welche Schilder man wolle – zuerst müsse die Region gefragt werden, ob es möglich sei.
Für die Worthstraße, auf der der neue Antrag ebenfalls Schilder vorsieht, könnte die Rechtslage anders aussehen – sie liegt nicht innerhalb der Tempo-30-Zone am Schuleingang. Ob die Verkehrsbehörde dort zustimmt, bleibt abzuwarten.

Es ist höchste Zeit, die unverantwortliche Regelung zu überdenken, die in 30-km/h-Zonen auf zusätzliche Beschilderung verzichtet! Sicherheit im Straßenverkehr darf kein Zufallsprodukt sein; sie muss individuell an die tatsächliche Gefahrenlage vor Ort angepasst werden.
Mit der stetigen Zunahme von Tempo-30-Zonen wächst die Verantwortung, doch wir erleben das Gegenteil: Immer mehr Verkehrsteilnehmer ignorieren grundlegende Regeln. Das Beispiel Hülptingsen zeigt es deutlich – dort wird die „Rechts-vor-links“-Regelung systematisch missachtet, weil klare Hinweise fehlen.
Die bloße Absenkung der Höchstgeschwindigkeit entbindet die Behörden nicht von ihrer Pflicht, für eine eindeutige Verkehrsführung zu sorgen. Zu argumentieren, dass Tempo 30 allein ausreicht, um auf Schilder zu verzichten, ist nicht nur kurzsichtig, sondern gefährlich. Wenn wir diesen Weg konsequent weitergehen, könnten wir in Zukunft die gesamte Straßenverkehrsordnung infrage stellen. Wir fordern mehr Sicherheit durch klare Strukturen – für den Schutz aller Verkehrsteilnehmer!