Tempo 30 auf der Ramlinger Straße: Was in Ehlershausen still und heimlich Realität wurde
Foto: Bastian Kroll
Seit Ende März gilt auf der Ramlinger Straße in Ehlershausen dauerhaft Tempo 30 – und das nicht als Restposten eines ausgelaufenen Experiments, sondern als feste Maßnahme zum Schutz von Schulkindern auf ihrem Schulweg. Das Problem: Weder Ortsbürgermeister Wolfram Nolte noch Bürgermeister Armin Pollehn konnten bei der Ortsratssitzung am vergangenen Dienstag, 5. Mai 2026, erklären, worauf die neuen Schilder zurückgehen. Eine Presseanfrage des AltkreisBlitz brachte die Antworten.
Niemand im Ortsrat wusste Bescheid
Es war ein Bürger, der in der Einwohnerfragestunde auf die neuen Tempo-30-Schilder mit dem Zusatz „Schulweg – Mo–Fr 6–19 h“ aufmerksam machte. Ortsbürgermeister Wolfram Nolte (parteilos) zeigte sich überrascht: Der Ortsrat habe die Beschilderung nicht beantragt, die Kommunikation seitens der Region sei „sehr dürftig“ gewesen. Burgdorfs Bürgermeister Armin Pollehn (CDU) konnte die Begründung ebenfalls nicht erläutern. Der AltkreisBlitz fragte daraufhin bei der Region Hannover nach.

Ehlershausen gehörte zu den Besten im Modellversuch
Die Erklärung liegt im abgeschlossenen Modellversuch Tempo 30, an dem 17 Umlandkommunen der Region Hannover teilgenommen hatten. Die Ramlinger Straße in Ehlershausen zählt dabei laut Region zu den drei Standorten mit der größten Wirkung im gesamten Versuch. Die Zahlen sprechen für sich: Die Durchschnittsgeschwindigkeit sank nach Angaben der Regionsverwaltung von 36,6 km/h auf 30,4 km/h – ein Rückgang um 6,2 km/h. Noch deutlicher zeigt sich die Wirkung beim sogenannten 85-Perzentil, also der Geschwindigkeit, unter der 85 Prozent aller Fahrzeuge bleiben: Der Wert fiel von 48,5 km/h auf 39,7 km/h. Wer vorher also flott über die Ramlinger Straße fuhr, tut das heute merklich langsamer.
Die Ergebnisse des Modellversuchs seien der Stadt Burgdorf bereits im Januar präsentiert worden, teilt die Region Hannover dem AltkreisBlitz auf Nachfrage mit. Im Anschluss daran wurde das Verfahren zur dauerhaften Beschilderung eingeleitet.
Neue Rechtslage macht es möglich
Die formelle Grundlage liefert eine Aktualisierung der Straßenverkehrsordnung (StVO), die Kommunen mehr Spielraum für Tempo-30-Maßnahmen einräumt. Auf dieser Basis erließ die untere Verkehrsbehörde der Region Hannover die Anordnung am 16. April 2026, die Straßenmeisterei als Baulastträger setzte sie baulich um. Auch wenn der Ortsrat nicht gesondert informiert wurde: Im Anhörungsverfahren waren dem Sprecher der Region zufolge der Straßenbaulastträger, die Polizeiinspektion Burgdorf sowie die Stadt Burgdorf beteiligt.
Die Beschilderung ist dauerhaft – eine zeitliche Befristung gebe es nicht, heißt es in der Antwort der Region Hannover.
Mehr Sicherheit für Schulkinder – aber mit Kommunikationslücke
Das Ergebnis ist für Schulkinder auf dem Weg zur Schule in Ehlershausen eine echte Verbesserung. Dass die Maßnahme jedoch klammheimlich kam und weder Ortsbürgermeister noch Bürgermeister auf Anhieb Auskunft geben konnten, zeigt: Bei der Kommunikation zwischen Region und Ortsrat hat es in diesem Fall nicht funktioniert. Zumal im Ortsrat selbst die Idee einer Reduzierung auf Tempo 30 in bestimmten Streckenabschnitten aufkam – eine Idee, der durch die jetzige Beschilderung in der gesamten Ortsdurchfahrt erst einmal eine Absage erteilt wurde.


Schon wieder eine neue 30er-Zone in unserer Region – diesmal hat es die Ramlinger Straße in Ehlershausen getroffen! Man fragt sich unwillkürlich, womit die „untere Verkehrsbehörde der Region Hannover“ eigentlich ihre Zeit verbringt. Ist es das erklärte Ziel dieser Damen und Herren, uns das Leben durch immer neue Schikanen im Straßenverkehr systematisch schwer zu machen?
Es drängt sich der dringende Verdacht auf, dass hier – ähnlich wie bei den frustrierenden bürokratischen Hürden rund um den Zebrastreifen in Otze – eine ideologische Strategie verfolgt wird: Überall flächendeckend Tempo 30 einzuführen, nur um sich das Aufstellen notwendiger Verkehrsschilder zu ersparen. Es ist an der Zeit, diese praxisferne und bürgerfeindliche Willkür endlich zu hinterfragen und eine Verkehrsplanung zu fordern, die sich an der Realität und den Bedürfnissen der Autofahrer orientiert, statt uns unter dem Deckmantel der Ordnung den Alltag zu erschweren.
Es ist höchste Zeit, dass die Stimmen der Bürger bei der Verkehrsplanung endlich wieder Gehör finden – wie das Beispiel der Burgdorfer Marktstraße schmerzlich gezeigt hat, werden unsere Bedenken derzeit schlichtweg ignoriert. Nehmen wir die Ramlinger Straße in Ehlershausen: Mit einer Länge von fast zwei Kilometern bis zum Bahnübergang ist die Strecke für eine 30-km/h-Zone schlichtweg überdimensioniert. Wer hier eine „halbe Ewigkeit“ im Schneckentempo verbringen muss, verliert jedes Verständnis für die Maßnahme. Es steht außer Frage, dass sich Autofahrer ohne konsequente Kontrollen und die Installation von Blitzern nicht an diese realitätsfremden Vorgaben halten werden. Wir brauchen keine symbolische Politik, sondern Lösungen, die sowohl die Akzeptanz der Anwohner als auch die praktische Umsetzbarkeit berücksichtigen!
Es ist absolut nicht nachvollziehbar, welchen tatsächlichen Schutz eine pauschale Geschwindigkeitsreduzierung für unsere Schulkinder bieten soll – laufen diese etwa mitten auf der Fahrbahn? Wenn wir diesen fragwürdigen Logikpfad konsequent zu Ende denken, könnten wir innerorts auch gleich das Tempolimit von 50 km/h komplett abschaffen und uns alle mit 45-km-h-Autos begnügen; das wäre zumindest im Unterhalt wirtschaftlich konsequent.
Besonders empörend ist die mangelnde politische Mitsprache: Dass unsere gewählten Bürgermeister vor Ort bei solch einschneidenden Entscheidungen völlig übergangen werden, ist ein demokratisches Armutszeugnis. Wahre Sicherheit erfordert substanzielle Investitionen, doch hier scheint man sich mit dem billigen Aufstellen von Schildern zufriedenzugeben – entschieden von Personen, die weder hier leben, noch die lokalen Gegebenheiten vor Ort überhaupt kennen. Es ist an der Zeit, dass wir uns gegen solche praxisfernen Entscheidungen über unsere Köpfe hinweg zur Wehr setzen.