Burgdorf

Ausschüsse stimmen Grobkonzept zur Ganztagsbetreuung zu — Start am 13. August

[BURGDORF]

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Zwei Wochen nach der ersten Vorberatung haben die Burgdorfer Ausschüsse für Schulen, Kultur und Sport sowie für Jugendhilfe und Familie am heutigen Montag, 16. März 2026, gemeinsam das Grobkonzept zur Umsetzung des Ganztagsanspruchs an Burgdorfer Grundschulen einstimmig beschlossen. Als zusätzlicher Punkt wurde ergänzt, dass es ab dem 13. August auch eine Randzeitenbetreuung geben soll. Die Feinheiten — darunter die genaue Beitragshöhe für Eltern — sind noch offen und sollen später erarbeitet werden.

Das Konzept, über das bereits am 2. März ausführlich berichtet wurde, sieht vor, dass alle Grundschulkinder der Jahrgänge 1 bis 4 täglich von 7.30 bis 15.30 Uhr betreut werden. Die bestehenden Horte laufen bis zum 12. August 2026, danach übernimmt das neue Ganztagssystem. Erster Stadtrat Michael Kugel machte den Zeitplan klar: „Es geht los ab dem 13. August — auch mit der Randzeitenbetreuung.“

Streit um die Kosten

Lebhaft diskutiert wurde erneut, wie hoch der Elternbeitrag für die Ferienbetreuung ausfallen soll. Die Verwaltung hatte 80 Euro pro Woche als Richtwert in den Raum gestellt. Damit würden rund 80 Prozent der Kosten durch Elternbeiträge gedeckt, den Rest trüge der städtische Haushalt.

Anika Lilienthal (FDP) hielt dagegen: 80 Euro seien für viele Familien schlicht zu viel. Alleinerziehende im Niedriglohnsektor, die zudem keinen Anspruch auf das Bildungs- und Teilhabepaket hätten, würden damit zu kräftig zur Kasse gebeten. Zehn Wochen Ferienbetreuung summierten sich so auf 800 Euro — eine Summe, von der sie sich fragte, wer sie sich leisten könne. Sie sprach sich für maximal 25 Euro pro Woche aus, was einer Kostendeckung von nur einem Drittel entspräche, unterstrich der erste Stadtrat. Den vorliegenden Beschlussvorschlag könne sie in dieser Frage nicht mittragen.

Kugel warb hingegen für 80 Euro als vertretbaren Kompromiss: Eine vollständige Kostendeckung durch Elternbeiträge würde sogar 100 Euro pro Woche erfordern. Man wolle außerdem eine schlanke Staffelung — je detaillierter die Prüfung, desto mehr Personalaufwand. Die genaue Regelung soll aber ohnehin noch entwickelt und den Gremien gesondert zur Beschlussfassung vorgelegt werden.

Wenige Kinder in den Randzeiten — aber die, die kommen, sind darauf angewiesen

Cindy Ehmcke-Schaaf, Leiterin der städtischen Abteilung Familien und Kinder, legte Zahlen zur bisherigen Randzeitennutzung vor. Im Hort in der Weststadt kommen in der Frühbetreuung zwischen 7.00 und 7.30 Uhr durchschnittlich fünf Kinder, in den Hort in der Südstadt zwischen fünf und sieben. Im Zeitraum von 7.30 bis 8.00 Uhr kommen im Hort Weststadt noch einmal rund zehn Kinder dazu — ab diesem Zeitpunkt greift bereits das schulische Ganztagsangebot. In der Spätbetreuung ab 16 Uhr ist die Nachfrage im Hort in der Weststadt verschwindend gering — maximal ein Kind bis 17 Uhr; in der Südstadt dagegen sind es zwei bis vier Kinder. Sie sieht vor allem den Frühdienst als wichtig an, beim Spätdienst nach 16 Uhr gebe es keinen vorrangigen Handlungsbedarf.

Stadtjugendpfleger Horst Gohla betonte, man wolle keine pauschalen Lösungen, sondern individuell auf jede Schule schauen. Nach Ostern ist eine Abfrage geplant, um den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln. Als Vergleichsgröße nannte er: In der Wedemark kostet eine halbe Stunde Randzeitenbetreuung 1,80 Euro. Dass gute Lösungen gefunden werden, zeigte er sich zuversichtlich — auch für die Ingo-Siegner-Grundschule, für die er gemeinsam mit dem Kinderschutzbund und den Elternvertretungen eine eigene Regelung finden will.

Elternvertreterin Stefanie Schütte mahnte zur Vorsicht mit den Durchschnittswerten: Die Statistik sage wenig darüber aus, wie viele verschiedene Kinder insgesamt auf die Randzeiten angewiesen seien, da nicht jedes Kind täglich kommt und in der Übersicht als einzelne Person nicht erfasst werde.

Kritik am Zeitdruck, Skepsis am Konzept

Susanne Paul (SPD) begrüßte das Projekt grundsätzlich, ließ aber deutlich ihre Frustration erkennen: Sie sei durch die kurzfristige Einbringung der Schlussvorlage nicht gut auf diese Entscheidung vorbereitet und finde es problematisch, über eine so weitreichende Entscheidung in so kurzer Zeit abstimmen zu müssen — dabei existiere das Bundesgesetz bereits seit Oktober 2021. Sie forderte verlässliche Betreuungszeiten, die es Eltern mit normalen Arbeitszeiten ermöglichen, ihre Kinder gut versorgt zu wissen. Wenn das Konzept nicht funktioniere, werde man das deutlich zu spüren bekommen.

Noch kritischer äußerte sich Rüdiger Nijenhof (WGS FreieBurgdorfer), der selbst „Hortvater“ ist. Er zweifle daran, das Konzept in dieser Form gutheißen zu können: Es sei schlecht finanziert und komme ihm wie ein „Wahlkampfgeschenk“ vor. Die Statistiken zur Randzeitennutzung hielt er für wenig aussagekräftig — nicht die Zahl der gleichzeitig anwesenden Kinder sei entscheidend, sondern die Tatsache, dass Eltern ihr Leben auf das bislang bestehende Angebot ausgerichtet haben. Er plädierte außerdem dafür, die Schließzeiten mit dem Angebot der Landeshauptstadt Hannover zu synchronisieren — schließlich orientierten sich viele Arbeitgeber daran. Und er sprach sich ausdrücklich für eine Evaluation im August 2027 aus.

Positive Stimmen: Toller Meilenstein, aber Planungssicherheit nötig

Sinja Münzberg (Bündnis 90/Die Grünen) unterstützte das Konzept: Ganztagsbetreuung sei zunächst einmal etwas Gutes und ein „toller Meilenstein“ für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sie teile aber das Unbehagen von Susanne Paul — noch seien Fragen offen, und es brauche Planungssicherheit. Der Beschluss sei schwierig, notwendig aber auch: „Es wird nicht gleich zu 100 Prozent funktionieren.“ Niklas Peisker (SPD) fragte nach einem Vergleich mit anderen Kommunen und hörte von Horst Gohla, dass Burgdorf nicht allein mit dieser Herausforderung stehe.

Schulausschuss-Vorsitzender Hartmut Braun (Bündnis 90/Die Grünen) fasste die Linie zusammen, auf die man sich verständigte: Heute das Grobe beschließen — die Feinabstimmung kommt dann mit der Ratssitzung im Juni.

Christiane Gersemann (SPD), Vorsitzende des Jugendausschusses, betonte zum Abschluss, das Konzept könne nicht das Ende aller Überlegungen sein, eine Alternative gebe es aber nicht. Punkt 8 des Beschlusses nehme den Bürgermeister ausdrücklich in der Pflicht, Konzeptoptimierungen zu erarbeiten. Die Verwaltung werde stetig an Verbesserungen arbeiten, der Ausschuss das Verfahren begleiten.

Wie geht es weiter?

Nach der heutigen einstimmigen Empfehlung beider Ausschüsse liegt der nächste Schritt beim Verwaltungsausschuss am morgigen Dienstag, 17. März 2026. Die endgültige Entscheidung trifft der Rat der Stadt Burgdorf am kommenden Donnerstag, 19. März.

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