Doppelhaushalt für 2026 und 2027 genehmigt – Lehrte muss zugleich sparen

Die Kommunalaufsicht hat den Doppelhaushalt der Stadt Lehrte für die Jahre 2026 und 2027 genehmigt. Gleichzeitig machte sie aber auch deutlich, dass die Stadt vor erheblichen finanziellen Herausforderungen steht. Nach Angaben der Verwaltung ist die dauernde Leistungsfähigkeit derzeit nicht gegeben. Die Kommunalaufsicht stellte ihre Bedenken gegen die vorgesehene Neuverschuldung zwar zurück, weil es sich bei den geplanten Investitionen überwiegend um Pflichtaufgaben handelt. Zugleich empfahl sie jedoch ausdrücklich, dass sich Rat und Verwaltung zeitnah und intensiv mit Maßnahmen der Haushaltssicherung befassen. Dazu gehören auch die Prüfung einer möglichen Erhöhung der Realsteuerhebesätze bei Grund- und Gewerbesteuer sowie die konsequente Nutzung aller Möglichkeiten zur Steigerung der Erträge und zur Senkung der Aufwendungen.
Mit der Rechtskraft des Haushalts Anfang Mai erhält die Stadt nun Planungssicherheit und kann aus ihrer Sicht dringend notwendige Investitionen vor allem in die Infrastruktur anstoßen. Für 2026 sind Investitionen in Höhe von rund 64,2 Millionen Euro vorgesehen, für 2027 in Höhe von rund 70,7 Millionen Euro. Finanziert werden sollen sie größtenteils über Kredite. Nach Darstellung der Stadt fließt ein großer Teil dieser Mittel in zentrale Bereiche des täglichen Lebens, darunter Kinderbetreuung, Schulen und Infrastruktur. Bürgermeister Frank Prüße betonte, viele dieser Maßnahmen seien nicht optional, sondern zwingend notwendig. Zugleich forderte er mehr finanzielle Unterstützung von Bund und Land, insbesondere bei immer weiter steigenden Anforderungen etwa in der Kinderbetreuung.
Der Ergebnishaushalt weist jedoch deutliche strukturelle Defizite auf. Für 2026 stehen Erträgen von rund 134,6 Millionen Euro Aufwendungen von etwa 161,8 Millionen Euro gegenüber. Für 2027 rechnet die Stadt mit Erträgen von rund 147,3 Millionen Euro und Aufwendungen von etwa 166,2 Millionen Euro. Auch für das laufende Jahr 2025 wird ein negatives Jahresergebnis von voraussichtlich rund 9,75 Millionen Euro erwartet. Die Defizite im Doppelhaushalt sollen durch die fast vollständige Inanspruchnahme der noch vorhandenen Rücklage von rund 47 Millionen Euro ausgeglichen werden.
Weitere Risiken sieht die Stadt in externen Entwicklungen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen internationaler Krisen könnten den Haushalt zusätzlich belasten. Bürgermeister Prüße verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass die Ratsmehrheit dem Vorschlag der Verwaltung zur Einrichtung einer Deckungsreserve nicht gefolgt sei. Dadurch könnten bereits kleinere negative Abweichungen die finanzielle Lage weiter verschärfen.
Für Lehrte beginnt damit nach Einschätzung der Verwaltung eine Phase notwendiger Konsolidierung. Ziel bleibt es, die finanzielle Handlungsfähigkeit langfristig wiederherzustellen und zugleich die wesentlichen Aufgaben für die Bürger weiterhin erfüllen zu können. Die Stadt kündigt an, diesen Prozess gemeinsam mit der Politik transparent zu gestalten und die Einwohner frühzeitig einzubeziehen.