Region Hannover

Region Hannover sieht Wirtschaft im Wandel

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Der strukturelle Wandel in der Region Hannover sorgt dafür, dass Branchen wie die Energiewirtschaft und wissensbasierte Dienstleistungen wachsen, während traditionelle Industrien zunehmend unter Druck geraten. Das geht aus der aktuellen Auswertung „Trends und Fakten 2025“ der Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung der Region Hannover hervor. Danach ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den vergangenen zehn Jahren zwar um 67.000 auf 548.000 gestiegen, das Wachstumstempo hat sich zuletzt jedoch deutlich verlangsamt.

Zu den Gewinnern der Transformation zählt nach Angaben der Region vor allem die Energiewirtschaft. Sie verzeichnet mit einem jährlichen Beschäftigungswachstum von 8,7 Prozent und 2300 zusätzlichen Jobs seit 2020 den stärksten Aufschwung und liegt damit deutlich über dem Bundestrend. Als Treiber gelten vor allem Unternehmen, die an Lösungen für die Energiewende arbeiten, von Windkraft über Wasserstoff bis hin zu Speichertechnologien. Auch wissensbasierte Dienstleistungen mit einem Plus von 3,2 Prozent und 6400 zusätzlichen Stellen sowie die Gesundheitswirtschaft mit einem Plus von 1,8 Prozent und 7200 weiteren Jobs entwickeln sich dynamisch. Parallel dazu boomen naturwissenschaftlich-technische Berufe. IT- und IKT-Berufe legten binnen eines Jahres um 4,6 Prozent zu, Mathematik-, Biologie- und Physikberufe sogar um 7,1 Prozent. Auch Umweltschutz- und Geologieberufe verzeichneten ein Wachstum von 3,7 Prozent.

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Gleichzeitig bringt der Strukturwandel auch Verlierer hervor. Die Automotive-Branche verliert nach Angaben der Region jährlich 0,5 Prozent ihrer sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, was seit 2020 einem Minus von 600 Stellen entspricht. Noch stärker betroffen ist der Maschinenbau mit einem Rückgang von 1,3 Prozent pro Jahr beziehungsweise 800 Jobs. Auch das Messe- und Kongresswesen büßte mit minus 3,8 Prozent an Bedeutung ein. Traditionelle Berufsfelder wie Metallbearbeitung mit einem Rückgang von 17 Prozent oder Maschinen- und Fahrzeugtechnik mit minus 2,7 Prozent stehen damit besonders unter Druck.

Wirtschaftsdezernent Ulf-Birger Franz spricht von einem Scheideweg. Einerseits wüchsen die Zukunftsbranchen kräftig, andererseits müsse der Wandel in traditionellen Sektoren wie dem Maschinenbau oder der Automotive-Industrie aktiv begleitet werden. Genau dort setzten die beiden neuen Technologieparks in Garbsen und in der Nordstadt an. In Garbsen auf dem Maschinenbau-Campus solle eine Brücke für Unternehmen geschaffen werden, die sich neu aufstellen müssen. In der Nordstadt entstehe dagegen ein Hotspot für neue Technologien und Gründungen. Beide Standorte ergänzten sich aus seiner Sicht ideal und machten die Region Hannover zukunftsfest.

Trotz des Wachstums in Zukunftsbranchen bleibt der Arbeitsmarkt angespannt. Die Arbeitslosenquote stieg 2025 auf 8,1 Prozent, nachdem sie 2022 noch bei 7,1 Prozent gelegen hatte. Besonders betroffen sind junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren. Ihre Arbeitslosenzahl stieg auf mehr als 4600, die Quote liegt bei 7,0 Prozent. Gleichzeitig wird der Fachkräftemangel spürbarer. Aktuell absolvieren rund 83.000 junge Menschen in der Region eine Ausbildung oder ein Studium, rund sieben Prozent weniger als 2020. Besonders gefragt sind technische Ausbildungsberufe wie Elektro-, Metall- und Fahrzeugtechnik sowie Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen.

Alexander Skubowius, Leiter des Fachbereichs Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung, sieht darin zugleich Chance und Herausforderung. Es müsse sichergestellt werden, dass Menschen, deren Jobs in traditionellen Branchen wegfallen, neue Perspektiven erhalten. Gleichzeitig brauche die Region dringend Fachkräfte für Zukunftsbranchen. Die Technologieparks sollten deshalb eine zentrale Rolle spielen, weil dort Ausbildung, Forschung und Wirtschaft direkt zusammenarbeiten könnten.

In der Nordstadt sollen auf dem Gelände des Klinikums Region Hannover in direkter Nachbarschaft zum Uni-Hauptcampus bis 2034 zehn freigezogene Klinikgebäude mit rund 25.000 Quadratmetern Fläche für neue Nutzungen umgestaltet werden. Ab Ende 2027 sollen dort die ersten Start-ups und Unternehmen einziehen. Der Schwerpunkt liegt auf Künstlicher Intelligenz, Cybersicherheit und Naturwissenschaften. Ergänzt wird das Konzept durch günstiges Wohnen, Labore, Büros und gastronomische Angebote.

Am Standort Garbsen entsteht am Campus Maschinenbau in Partnerschaft mit privaten Investoren ein moderner Technologiepark. Dort soll die Techfactory als Mieterin in den neuen ONE TechCampus einziehen. Der erste Bauabschnitt startet nach Angaben der Region Ende dieses Jahres, die Fertigstellung ist für Ende 2028 vorgesehen.

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