Feuerwehr Burgdorf 2025: Neue Fahrzeuge, 227 Einsätze – und eine Blaulichtfamilie, die zusammenhält
Rund 120 Gäste kamen am gestrigen Sonnabend, 28. Februar 2026, zur Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Burgdorf ins Feuerwehrhaus an der Straße Vor dem Celler Tor. Musikalisch begleitet wurde der Abend vom Musikzug der Freiwilligen Feuerwehren Burgdorf und Hänigsen.



Ortsbrandmeister Florian Bethmann begrüßte zahlreiche Gäste aus Politik, Feuerwehr und befreundeten Organisationen. Für die Stadt nahmen der Erste Stadtrat Michael Kugel und die Feuerwehrausschussvorsitzende und stellvertretende Bürgermeisterin Beate Neitzel teil – Bürgermeister Armin Pollehn hatte sich kurzfristig krankheitsbedingt entschuldigt. Von der Feuerwehr waren unter anderem der stellvertretende Regionsbrandmeister Nils Wellmanns, Brandschutzabschnittsleiter Tobias Jacob, Stadtbrandmeister Dennis-Frederik Heuer, sowie Ehrenstadtbrandmeister Alfred Brönnemann anwesend. Ebenfalls begrüßt wurden die Ortsbrandmeister der umliegenden Wehren: Reinhard Nicks (Heeßel), Timo Scheffler (Schillerslage), Jan Bertke (Otze), Meik Zieseniß (Immensen), Alexander Heiduck (Hänigsen) und Martin Voß (Röddensen). Aus den befreundeten Organisationen waren Rüdiger Nijenhof (DRK), Lukas Czeszak (THW), Jörg Hoppe (Schützengesellschaft), Thomas Lüer (VVV) sowie der Superintendent Burgwedel-Isernhagen, Dirk Jonas, gekommen.



Ein Jahr der Weichenstellung
Ortsbrandmeister Florian Bethmann zog eine beeindruckende Bilanz. 2025 sei von den Einsätzen her vergleichsweise ruhig gewesen – und dennoch werde das Jahr in die Geschichte eingehen: als ein Jahr voller großer Investitionen und strategischer Weichenstellungen. 227 Einsätze bewältigte die Wehr, darunter 16 Verkehrsunfälle, 10 Taucheinsätze und 44 Personenrettungen, meist Türöffnungen bei alleinstehenden Senioren. Letzteres nehme seit Jahren zu und bereite ihm zunehmend Sorgen: „Der Nachbar hat keinen Schlüssel mehr, alles wird anonymer.“ Jede Öffnung sei dabei ein Einzelschicksal.
Die einsatzreichste Silvesternacht, die Burgdorf je erlebt hatte, rahmte das Jahr ein: 12 Einsätze in 12 Stunden, 10 davon in nur 3,5 Stunden. Bereits um 0:12 Uhr brannte eine Feuerwehrbatterie auf der Straße, um 0:31 Uhr stand ein Elektro-Pkw in Flammen. Der musste mit Unterstützung eines Hochvolttechnikers der Firma Flörke und einem Abrollbehälter Mulde gelöscht werden, damit er nicht immer wieder aufflammte. E-Autos seien eine wachsende Herausforderung, auf die man sich einstellen müsse, so Bethmann. Um 2:23 Uhr brannte die Fassade eines Hauses – mitten in der Innenstadt, die eigentlich schon immer eine ausgewiesene Feuerwerksverbotszone ist. „Doch wer will das durchsetzen?“, fragte Bethmann – eine Kontrolle sei kaum möglich, die Gefahr eines Brandes jedoch groß.
Auch die Nachbereitung von Einsätzen fordere immer mehr Kapazitäten: „Der Einsatz endet nicht, wenn wir wegfahren, sondern erst, wenn alles wieder einsatzbereit ist.“ Dass hierbei die unterstützenden hauptamtlichen Gerätewarte außerhalb ihrer Dienstzeit lediglich einen Freizeitausgleich erhielten, monierte er. Bethmann sprach sich dafür aus, eine Bereitschaftsregelung der hauptamtlichen Gerätewarte einzuführen – ähnlich der Winterdienstbereitschaft des Bauhofs. Nichts Neues müsse man dafür erfinden, das Modell könne man eins zu eins übernehmen, so Bethmann.
Rechnerisch leistete allein die Einsatzabteilung mehr als 10.000 Stunden, alle Abteilungen zusammen über 28.000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit. Als Landwirt wisse er, was Stunden wert seien, so Bethmann: Bei 25 Euro Stundenlohn – vergleichbar mit einem Mitarbeiter in der Rübenernte – entspreche das einem Gegenwert von rund 700.000 Euro pro Jahr, nur für die Ortsfeuerwehr Burgdorf. „Das ist eine außerordentlich hohe Summe und extrem hoher Würdigung wert.“
Neue Fahrzeuge, große Investitionen
Auf der Haben-Seite stehen mehrere bedeutende Fahrzeugbeschaffungen. Der eigentliche Meilenstein des Jahres war das neue TLF 4000, das kurz vor Weihnachten abgeholt wurde – nach einem langen Beschaffungsmarathon. Das Fahrzeug fasst 4.000 Liter Wasser und 200 Liter Schaummittel, die Pumpe fördert 3.000 Liter pro Minute, auf dem Dach sitzt ein Wasserwerfer. Es wurde noch an Silvester in den Dienst gestellt und in der Neujahrsnacht direkt zum ersten Mal eingesetzt. Das Land Niedersachsen förderte die Beschaffung mit 320.000 Euro. Noch nicht vorhanden ist die Schlauchhaspel – eine Privatperson hat jedoch eine Spende in Aussicht gestellt, so dass hier eine Beschaffung bald möglich sein sollte.
Kurz vor der Versammlung traf außerdem der neue Gerätewagen Wasserrettung ein – ebenfalls das Ergebnis eines langen Prozesses. Die Preise seien explodiert, die Suche mühsam gewesen. Am Ende fand sich ein gebrauchtes Feldjägerfahrzeug zu einem günstigen Preis, unterstützt von der Region Hannover. „Damit sind wir wieder mehr im Spiel“, sagte Bethmann sichtlich erleichtert.
In Planung befindet sich der dringend benötigte Gerätewagen Logistik 2 (GW-L2), der den bisherigen Lkw ersetzen soll. Er soll zentraler Bestandteil des Hygienekonzeptes werden: Die Dekontamination der Einsatzkräfte an der Einsatzstelle und eine mobile Umkleide sollen künftig sicherstellen, dass keine Schadstoffe mit nach Hause getragen werden. Die Region beteiligt sich mit 20.000 Euro, das Land steuert weitere 200.000 Euro bei. Drei neue Mannschaftstransportwagen vom Typ Ford Transit stehen nach 30 Monaten Wartezeit kurz vor der Abholung. Die Drehleiter befindet sich kurz vor der Ausschreibung, das LF8 soll 2027 ersetzt werden. Alle Maßnahmen, betonte Bethmann, seien kein Zufall, sondern folgten einem strukturierten Modernisierungskonzept. Erster Stadtrat Michael Kugel untermauerte das mit konkreten Zahlen: 446.000 Euro für das TLF, 60.000 Euro für den GW Wasserrettung, 220.000 Euro für den GW-L2, 162.000 Euro für einen GW-L1 sowie 1,3 Millionen Euro als Haushaltsansatz für die Drehleiter. „Es sind enorme Beträge, die Stadt und Politik bewilligen, damit die Arbeit bewerkstelligt werden kann.“
Starkes Netzwerk – innerhalb und außerhalb der Stadt
Einen großen Teil seines Berichts widmete Bethmann dem Netzwerk, auf das die Feuerwehr Burgdorf bauen kann. Die Zusammenarbeit der acht Ortsfeuerwehren sei so gut wie seit 20 Jahren nicht mehr. Besonders hob er auch die Feuerwehr Immensen hervor, die mit ihrem Tanklöschfahrzeug so manche Situation gerettet habe, sowie die Feuerwehr Hänigsen mit ihrem Gerätewagen Messtechnik, der zehnmal im Jahr in Burgdorf im Einsatz war – meist bei ungewöhnlichen Einsätzen mit gefährlichen Stoffen. Die Zusammenarbeit mit beiden solle weiter intensiviert werden. Dank gehe auch über die Stadtgrenzen hinaus: An die gesamte Stadtfeuerwehr Lehrte und Burgwedel mit ihren Drehleitern, die Regions-Drohnengruppe aus Ahlten, und „wenn gar nichts mehr geht“, unterstütze die Feuerwehr Röddensen bei der Tierrettung.
Auch die Partnerschaft mit THW, DRK und Polizei lobte Bethmann ausdrücklich. Aus gemeinsamen Einsätzen seien echte Freundschaften geworden. THW-Ortsbeauftragter Lukas Czeszak berichtete von einem weiteren Zukunftsprojekt: Stadt, Region und THW hätten eine Kooperationsvereinbarung für ein gemeinsames Sicherheitszentrum am Standort Vor dem Celler Tor auf den Weg gebracht. „Zukunftsfähige Strukturen – und das von Anfang an gemeinsam“, so Czeszak.
Ein Herbst, der in Erinnerung bleibt
Der emotionale Höhepunkt des Abends war ein Thema, das Bethmann nur vorsichtig ansprach, das aber mehrere Redner aufgriffen: die Verwerfungen rund um seine Ernennung als Ortsbrandmeister im Herbst. Die Verwaltung hatte Zweifel an der Ernennung geäußert – woraufhin sich die Blaulichtfamilie geschlossen hinter Bethmann stellte – nicht nur symbolisch. Dutzende Unterstützer verfolgten die Ausschusssitzung im Ratssaal, die ohne Ergebnis endete. Erst in der darauffolgenden Ratssitzung wurde der Beschluss öffentlich gemacht und Bethmann offiziell für weitere sechs Jahre ernannt. „Was im Herbst passiert ist, kann ich bis heute nicht in Worte fassen“, sagte Bethmann bewegt. Er sei tief geprägt von dem, was er an Solidarität erfahren habe. Mit der Stadt habe man inzwischen einen Neuanfang vereinbart, Raum für Kritik und offene Worte gefunden. „Ich bin zuversichtlich, dass wir eine gute zukünftige Zusammenarbeit pflegen werden.“
Deutlichere Worte fanden andere. Corpsführerin Jessica Inselmann vom Musikzug stellte klar, dass das Amt des Ortsbrandmeisters kein einfacher Job sei: „Was da politisch passiert ist, war wahrlich keine Werbung für das Ehrenamt – kein Signal der Zuversicht.“ Verwaltungs- und Bürokratieaufgaben würden immer mehr, die Unterstützung fehle, man werde mehr oder minder im Regen stehen gelassen. „Die Zukunft hängt davon ab, wie wir heute und in Zukunft mit dem Ehrenamt umgehen.“ Dieser Satz erhielt den lautesten Applaus des Abends.
Ortsbrandmeister Martin Voß aus Röddensen, der auch im Namen der Stadtfeuerwehr sprach, brachte es auf den Punkt: „Das war nicht gut für die Stadt Burgdorf, nicht gut für die Feuerwehr Burgdorf und nicht gut für die politischen Gremien. Wenn etwas nicht für alle drei gut ist, dann war es keine gute Aktion.“ Zugleich zeigte er sich optimistisch: Die Aussagen von Beate Neitzel und Michael Kugel stimmten ihn zuversichtlich. „Nicht zurückblicken, einen Neuanfang machen, Konflikte im Dialog lösen – ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg.“
Auch Erster Stadtrat Kugel sprach das Thema an – wenngleich mit einem anderen Akzent. Er appellierte an alle Beteiligten, sachlich zu bleiben und nicht zu feindselig aufzutreten: „Gegenseitiger Respekt hilft am meisten.“ DRK-Vorsitzender Rüdiger Nijenhof fand zum Schluss die vielleicht deutlichsten Worte: „Ich gratuliere euch zu diesem Ortsbrandmeister – ich weiß, diese Stadt ist in guten Händen.“
Starker Nachwuchs
Erfreuliches gab es aus den Nachwuchsabteilungen zu berichten. Die Kinderfeuerwehr – die „Feuerwehrflitzer 41“ – wuchs unter Kinderfeuerwehrwart Tobias Heck von 39 auf 43 Kinder, bei 35 Treffen und 3.616 Dienststunden. Neun Kinder wurden in die Jugendfeuerwehr übergeben, 15 neue Mitglieder kamen hinzu. Für 2026 sollen bereits 12 weitere Flitzer in die Jugendfeuerwehr wechseln. Die stellvertretende Kinderfeuerwehrwartin Ina Kruse würdigte Tobias Heck, der seit 2012 mit kleiner Unterbrechung die Kinderfeuerwehr leitet: Er habe durch intensive Öffentlichkeitsarbeit dafür gesorgt, dass die Kinder kamen – und blieben. Einige von ihnen sind heute bereits in den Reihen der Aktiven. Tobias Heck wurde für sein besonderes Engagement in der Nachwuchsarbeit mit dem Ehrenzeichen der Niedersächsischen Jugendfeuerwehren ausgezeichnet.
Die Jugendfeuerwehr unter Jugendfeuerwehrwart Jan Kruse wuchs von 28 auf 33 Mitglieder. Neben feuerwehrtechnischen Diensten, Fahrzeugkunde und Erste-Hilfe-Grundlagen sammelten die Jugendlichen bei den Maispiele in Fuhrberg Wettkampferfahrung, übernachteten im Feuerwehrhaus mit Besuch der Flughafenfeuerwehr und holten bei der VVV-Müllsammelaktion säckeweise Müll aus dem Stadtpark. Bethmann hob hervor, dass Jan Kruse selbst einst als Kind in der Kinderfeuerwehr begann und schon lange als Jugendfeuerwehrwart tätig ist: „Aus Kindern werden Leute – darauf bin ich verdammt stolz.“
Stadtbrandmeister Dennis-Frederik Heuer fasste die stadtweiten Zahlen zusammen: In den fünf Kinderfeuerwehren sind 134 Kinder aktiv, in den vier Jugendfeuerwehren 74 Jugendliche, die beiden Musikzüge zählen 95 Mitglieder, die Einsatzabteilung 385 Kräfte. Von den 271 stadtweiten Einsätzen war die Ortsfeuerwehr Burgdorf bei allen bis auf rund 50 beteiligt.
Der Musikzug absolvierte unter Corpsführerin Jessica Inselmann 43 Termine ohne die Proben, davon 33 Konzerte – vom Feuerwehrball in Hänigsen über den Zapfenstreich beim 100-jährigen Schützenfestjubiläum bis zum Winterkonzert am 30. November. Am Jahresende zählte der Zug 54 Musiker und 20 Mitglieder im Jugendorchester, die zusammen 7.928,75 Stunden bei rund 110 Auftritten und Proben leisteten. Inselmann nutzte die Gelegenheit für einen Appell an Stadt und Feuerwehrführung: Der Musikzug trete als repräsentative Einheit auf – mit zwei verschiedenen Uniformen sei das nicht ideal. „Bitte einigt euch auf eine Uniform.“
Ehrungen und Ernennungen
Den Abschluss bildeten Ehrungen und Ernennungen. Lucas Simon, Leah-Sophie Bähre, Henry Schmiedner, Tom Helms und Simon Kirmse wurden vor der Versammlung auf die Fahne der Ortsfeuerwehr zu Feuerwehrmännern und -frauen vereidigt. Sebastian Graf von Görtz und Justus Sparacio wurden zum Oberfeuerwehrmann ernannt, den Dienstgrad Oberlöschmeister erhielten Florian Schäfer, Dennis Fischer, Niklas Gottschalk und Ann-Christin Neef. Tobias Heck, Andre Stockmeyer und Marcel Drietchen wurde nachträglich die Hochwasserehrennadel 2023/2024 verliehen. Kai Katzberg erhielt für 25-jährige aktive Mitgliedschaft das Feuerwehrehrenzeichen des Landes Niedersachsen, Peter Rückriem für 50-jährige Mitgliedschaft. Janine Czurgelies und Melissa Belde wurden für ihre 25-jährige Zugehörigkeit im Feuerwehrmusikzug geehrt.
Dank und Zusammenhalt
Am Ende eines langen Abends zog sich ein roter Faden durch alle Redner: Dank und Anerkennung für Menschen, die rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr, ihren Dienst tun – oft ohne dass die eigene Familie wirklich versteht, was sie dabei erleben. Bethmann sprach es offen an: Vieles, was Einsatzkräfte sehen und durchmachen, könne man nicht mit nach Hause nehmen – und solle es auch nicht. „Zu Hause verstehen sie es nicht“, sagte er schlicht. Umso wichtiger sei der Zusammenhalt innerhalb der Wehr: die lockere Runde nach dem Einsatz, das Gespräch unter Kameraden, das gegenseitige Aufeinander-Achten. „Das ist unglaublich wichtig – nur so können wir weiter geistig gesund bleiben und weiter in die Einsätze gehen.“ Diese Fürsorge füreinander werde zu einem erheblichen Teil durch Spenden finanziert, ohne die vieles nicht möglich wäre.
Der stellvertretende Regionsbrandmeister Nils Wellmanns, Stadtbrandmeister Dennis-Frederik Heuer, THW-Ortsbeauftragter Lukas Czeszak und DRK-Vorsitzender Rüdiger Nijenhof schlossen sich dem Dank ausdrücklich an – an die Einsatzkräfte, die Betreuer von Kinder- und Jugendfeuerwehr, den Musikzug, die Altersabteilung und nicht zuletzt an die Familien, die den Feuerwehrdienst mittragen und dafür täglich große Einschränkungen in Kauf nehmen. Florian Bethmann fasste es zum Schluss so zusammen: „Ehrenamt ist ein sehr wertvolles und zerbrechliches Gut – damit sollte man nicht leichtfertig umgehen. Es ist der Rückhalt unserer Gesellschaft.“





















































