Steinwedels Ortsbrandmeister übt leise, aber hörbar Kritik am geplanten Neubau des Feuerwehrgerätehauses
Der frühere Ortsbrandmeister Kai Böttcher wurde zum Ehrenortsbrandmeister ernannt.
Foto: Reinhard Kroll
Tobias Körner, seit einem Jahr Ortsbrandmeister der Ortsfeuerwehr Steinwedel, hat am gestrigen Freitag, 30. Januar 2026, im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Wehr im Dorfgemeinschaftshaus leise, aber durchaus hörbare Kritik an der Stadtverwaltung deutlich gemacht. Zudem standen die Jahresberichte des Kommandos der Ortsfeuerwehr sowie Ehrungen und Beförderungen im Mittelpunkt der Versammlung.
„Im Mai 2018 stellte die Feuerwehrunfallkasse erhebliche Sicherheitsmängel fest und drohte mit einer Stilllegung des Feuerwehrhauses, sollte nichts passieren“, sagte Tobias Körner unter anderem zum Thema geplantes Feuerwehrgerätehaus in Steinwedel. „Im Juni 2022 wurden die Weichen auf ‚go‘ gestellt. Es verging etwas Zeit. Die Planungen und Genehmigungen schritten voran. Zäh, aber Stück für Stück ein bisschen weiter.“ Es habe Treffen, Sitzungen und Planungsgruppen gegeben, es seien erste Entwürfe erstellt worden „Uns wurde viel Vertrauen entgegengebracht. Denn wir hatten die Möglichkeit, uns voll und ganz einzubringen. Ich denke, da kann ich auch im Namen unserer Projektgruppe sprechen. Das ist schon so ’n bisschen geil, wenn man an einem solchen Projekt mitgestalten kann. Wie oft im Leben bekommt man eine solche Möglichkeit?“ Aber so langsam nervte es massiv. Seit zwei Jahren verschiebe sich der Start des Neubaus immer wieder, und auf Nachfragen würden immer wieder verschiedene Gründe, warum es so ist, wie es ist, genannt. Aber keine Lösungen. „Laut dem Bauzeitenplan, den ich im Oktober 2025 bekam, sollte eigentlich noch im ersten Quartal dieses Jahres der Baubeginn sein. So langsam weiß ich aber auch nicht mehr, was ich unseren Leuten erzählen soll. Wir platzen aus allen Nähten und der Zustand des aktuellen Gebäudes wird auch nicht besser. Wir haben Kameraden, die Stunden, Wochen, Monate damit verbracht haben, sich in dieses Projekt einzubringen. Da steckt richtig Arbeit hinter.“
Zu Beginn der gut besuchten Versammlung begrüßte der Ortsbrandmeister einige Gäste besonders, so den 1. stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Lehrte, Ekkehart Bock-Wegner, Ortsbürgermeister Jens Utermann, Tobias Jacob, Brandabschnittsleiter der Region Hannover für den hiesigen Brandabschnitt, Stadtbrandmeister Hendrik Voges, Michael Großmann, Fachbereichsleiter im Lehrter Rathaus, sowie den ersten Vorsitzenden des Fördervereins Steinwedel, Norbert Zilz. Von der Partnerfeuerwehr in Sondheim/Hessen war Nicole Schwaab dabei,
Jahresbericht des Ortsbrandmeisters
Die Einsatzabteilung verfügt über 61 Mitglieder (13 weiblich, 48 männlich). Es gab 2025 drei Neueintritte und einen Austritt wegen Wohnortwechsels. Die Jugendwehr besteht aus elf Mitgliedern. Sechs Mädchen und fünf Jungen. In der Kinderfeuerwehr sind 13 Kinder – fünf weiblich, acht männlich – dabei, zur Alters- und Ehrenabteilung gehören 13 Mitglieder. „Es wurden viele Lehrgänge besucht“, sagte Tobias Körner. „Wenn ich alle Stunden zusammenfasse, sprich: Einsätze, Ausbildungen, Sitzungen, Veranstaltungen, Brandschutzerziehung usw., kommen wir auf etwa 4653 Stunden.“ 2025 gab es 36 Alarmierungen, die aufgeteilt sind in 15 Brandeinsätze, sieben technische Hilfeleistungen und sieben Mal durch ausgelöste Brandmeldeanlagen. Der überwiegende Teil der Einsätze erfolgte in den Nachbargemeinden. „In 2025 betrieben wir auch wieder viel Ausbildung in verschiedenen Bereichen. Wir setzten uns verschiedene Schwerpunkte und haben diese behandelt. Neben der Brandbekämpfung stiegen wir auch immer tiefer in die technische Hilfeleistung ein.“
Nach Tobias Körner trugen Jugend-Feuerwehrwart Adriano Fraterrigo und Kinder-Feuerwehrwart Nicolas Bode ihre Berichte vor. Fraterrigo berichtet darüber, dass zum 31. Dezember 2025 zur Jugendfeuerwehr Steinwedel elf Jugendliche, sechs Jungen und fünf Mädchen, gehören. „Wir waren beim Orientierungsmarsch in Lehrte dabei – eine Aktion, bei der Teamarbeit, Köpfchen und Durchhaltevermögen gefragt sind. Zudem stand das Stadtzeltlager in Arpke auf dem Programm“, sagte er. Dazu sei die Jugendfeuerwehrfreizeitfahrt in Bad Zwischenahn gekommen. Im Juni haben zehn Jugendliche die Jugendflamme 1 bestanden, zudem haben zwei Jugendliche die Jugendflamme 2 erworben. Im September haben Elias Klocke und Lian Prusko die Leistungsspange bestanden. „Das ist eine starke Leistung und gehört zu den höchsten Auszeichnungen, die man in der Jugendfeuerwehr erreichen kann. Zum Jahresabschluss hatten wir unsere Weihnachtsfeier mit Spieleturnier und selbstgemachter Pizza. Damit hatten wir einen rundum gelungenen Jahresabschluss – entspannt, gemeinschaftlich und mit bester Stimmung.“ Am Ende seiner Ausführungen verabschiedete Adriano Fraterrigo mit Marie Rückert eine langjährige Betreuerin.
Grußworte der Gäste
Wie Ekkehart Bock-Wegner unter anderem betonte, hätten die Berichte aufgezeigt, „was hier alles geleistet wird. Das erfordert Verlässlichkeit und verdient allerhöchsten Respekt. Hier ist eine starke Feuerwehr im Einsatz. Die gute Ausrüstung unserer Wehren ist in Lehrte eine Pflichtaufgabe“. Danach ernannte er den früheren Ortsbrandmeister Kai Böttcher zum Ehrenortsbrandmeister. „Er war 12 Jahre Ortsbrandmeister, seit 2005 in der Einsatzabteilung aktiv, er hat sich um das Feuerwehrwesen in besonderer Weise verdient gemacht.“
Jens Utermann sprach unter anderem der Wehr im Namen des Ortsrates den Dank für ihr ehrenamtliches Engagement aus. „Immer, wenn’s darum geht, zu helfen, seid ihr da. Wir sind froh und dankbar, dass es hier im Ort diese Feuerwehr gibt.“
Michael Großmann räumte ein, dass in Bezug auf das geplante neue Feuerwehrgerätehaus in Steinwedel „Sand im Getriebe“ war. „Die Kritik müssen wir annehmen“. Großmann geht davon aus, dass im Januar 2027 das Haus fertiggestellt ist. „Ich gehe davon aus, dass in diesem März mit dem Bau begonnen wird.“
Für den hiesigen Brandabschnitt (Lehrte, Sehne, Burgdorf und Uetze) trug Tobias Jacob unter anderem vor, dass es im vergangenen Jahr 1175 Einsätze gegeben hat, das seien im Schnitt fünf je Tag. Hendrik Voges lobte in seinem Grußwort die funktionierende Dorfgemeinschaft in Steinwedel. Und die Feuerwehr habe verlässlich alle Aufgaben abgearbeitet. „Euer Engagement wird gesehen.“
Nachdem Nicole Schwaab ihr Grußwort gesprochen und Kai Böttcher zum Ehrenmitglied der Sondheimer Wehr ernannt hatte, trat Norbert Zilz an das Rednerpult. „Wir haben 2025 wieder Unterstützung geleistet, meistens zwar nur Kleinigkeiten“, sagte er unter anderem.
Ehrungen und Beförderungen
Für seinen 25 Jahre langen aktiven Dienst in der Wehr ist der Erste Hauptlöschmeister Stefan Ringel mit dem Feuerwehrehrenzeichen des Landes Niedersachsen ausgezeichnet worden. Zudem wurde Finn Schulze aus der Jugendwehr übernommen und für die Einsatzabteilung als Feuerwehrmann vereidigt. Befördert worden sind zudem Malte Lahmann (Oberfeuerwehrmann), Lukas Lezius (Oberfeuerwehrmann), Tamea Vandrey (Oberfeuerwehrfrau), Niclas Bode (Erster Hauptfeuerwehrmann), Daniel Willkens (Erster Hauptfeuerwehrmann), Andre Lück (Oberlöschmeister), Tobias Körner (Oberlöschmeister) und Maik Thiemroth (Oberlöschmeister). Überdies bekam eine Reihe von Steinwedeler Feuerwehrleuten an diesem Abend die Hochwasserehrennadel vom Land Niedersachsen für ihren Einsatz beim Hochwasser 2023/2025 überreicht.























