Fördergelder für Sportstätten: Burgdorfer Rat ringt um den richtigen Kurs
Foto: Bastian Kroll
In einer Sondersitzung des Rates am heutigen Dienstag, 27. Januar 2026, prallten zwei gegensätzliche Philosophien aufeinander: Während ein Teil des Rates forderte, möglichst viele Förderanträge im Rahmen der sogenannten Bundessportmilliarde zu stellen, beharrte die Verwaltung darauf, die bestehende Prioritätenliste kontrolliert abzuarbeiten. Am Ende stand ein einstimmiger Beschluss – doch die grundsätzlichen Fragen über Burgdorfs Förderstrategie blieben im Raum.
Hallenbad-Lüftung als Konsens
Der konkrete Anlass der Sondersitzung war unumstritten: Die Wirtschaftsbetriebe Burgdorf sollen sich mit der Sanierung der Lüftungsanlage im Hallenbad am Interessenbekundungsverfahren des Bundesprogramms zur „Sanierung kommunaler Sportstätten“ beteiligen. Die 820.000 Euro teure Maßnahme gilt als dringend erforderlich, eine Förderquote zwischen 45 und 75 Prozent erscheint realistisch. Der Rat stimmte geschlossen zu.
„Sie haben der Stadt geschadet“
Doch die eigentliche Debatte entzündete sich an der Frage, warum Burgdorf nicht bereits früher und umfassender Anträge gestellt hatte. Dirk Bierkamp (WGS Freie Burgdorfer) warf der Verwaltung vor, durch Untätigkeit der Stadt geschadet zu haben. Bereits am 11. September habe man nachgefragt, am 1. Dezember sei im Sport- und Kulturausschuss die Renovierung von Sporthallen in der Südstadt und Otze abgelehnt worden. „Es wird immer gesagt: Mit Förderprogrammen haben wir schlechte Erfahrungen gemacht und wir haben nicht die Ressourcen“, kritisierte Bierkamp. Eine Prioritätenliste hätte vorgelegt werden müssen, „damit man nicht 1000 Euro für eine zusätzliche Sitzung des Ratees berappen muss. Das ist das Mindeste, was man erwarten kann.“
Michel Fleischmann, parteiloser Ratsherr, pflichtete bei: „Ich halte die Vorlage auch gut, sie hat aber einen faden Beigeschmack. Es ist bedauerlich, dass die Förderung bei der Sporthallen an der Gudrun-Pausewang-Grundschule, in Schillerslage und Otze nicht beantragt wurde.“ Vereine hätten sich zudem bereit erklärt, bei einem zu bauenden Kunstrasenplatz die restlichen 25 Prozent Eigenanteil durch Sponsoren zu decken. „Eine Politik im Interesse Burgdorfs hätte anders laufen müssen.“
Der Blick auf die Nachbarn
Rüdiger Nijenhof (WGS Freie Burgdorfer) verwies auf andere Kommunen: „Es erbost uns, dass wir Nachbarkommunen sehen, die mit vielen Projekten reingehen, in der Hoffnung, einen Zuschlag zu bekommen.“ Als Beispiel nannte er die Gemeinde Uetze, die „geradezu einen Katalog eingereicht“ habe. „Es demotiviert ganz schön. Im Dezember hieß es, wir sind alle zu spät dran. Die Sondersitzung hätte ich gerne für den Kunstrasenplatz und die Hallen gehabt.“
Warnung vor Euphorie
Klaus Köneke (CDU) dämpfte die Erwartungen mit nüchternen Zahlen: Bei einer gleichmäßigen Verteilung der Bundesmilliarde würden auf Burgdorf etwa 128.000 Euro entfallen. „Ich will die Euphorie nicht bremsen, aber der Korb von Wünschen von Vereinen und Ratsmitgliedern ist riesengroß. Es wird eine Riesenenttäuschung, wenn gar nichts dabei rauskommt.“ Zwischen 25 und 55 Prozent müsse die Stadt selbst tragen. „Darüber sollten wir auch nachdenken. Es sollen Projekte sein, die wirklich kommen müssen. Die Sahnehäubchen mit ins Spiel zu bringen, bringt nichts.“
Gerald Hinz (SPD) verteidigte das Vorgehen: „Es wird so getan, als ob wir den Lottoschein abgeben und die Millionen abholen. Stufe 3 der Planung ist gefordert – nicht, dass ich eine Zahl aus dem Ärmel schüttle und einreiche“ Die Wirtschaftsbetriebe würden seit über einem Jahr an der Hallenbad-Sanierung planen.



Bürgermeister: „Wir denken 2-3 Schritte weiter“
Bürgermeister Armin Pollehn wies die Vorwürfe zurück: „Diese Pauschalität, wir hätten kein Personal, stimmt so nicht. Es ist nicht die Frage des Antrags, sondern der Abarbeitung der Fördersumme. Es geht nicht darum, dass wir kein Personal zum Anstellen von Anträgen haben.“ Man denke positiv, dass Gelder akquiriert werden könnten – aber: „was machen wir dann, wenn wir kein Personal haben?“ Die Verantwortung müsse daran gemessen werden, dass man Projekte auch umsetzen könne. „Ich bin dann mal gespannt, wer das on den anderen Kommunen hinbekommt, 2-3 Millionen zu bekommen und dann einzuplanen.“
Die Verwaltung habe versucht, Projekte zu finden, die in der Planung „so gut wie abgeschlossen“ seien. Bei einem Wettbewerb werde auch darauf geschaut, wie weit ein Projekt fortgeschritten sei, betonte der Bürgermeister. „Wir sind eher vorsichtig, wollen nicht ins Risiko laufen. Projektiert, Ressourcen und dann umsetzen.“ Zum Hallenbad betonte Pollehn: „Auch das Hallenbad ist eine Sportstätte. Die TSV hat eine große Schwimmabteilung. Wir haben nur dieses eine Schwimmbad“. Man habe gesehen, wie schmerzlich es von den Sportlern vermisst wurde, als es grundlegend saniert werden musste.




50 bis 60 Großprojekte im Stau
In der Einwohnerfragestunde wurde deutlich, wie groß der Frust ist. Ein Bürger bezeichnete die Situation als „beschämend“, an der Planung eines Kunstrasenplatzes sitze man „keine Woche dran“. Pollehn verwies auf die Komplexität: „Wir haben einen immensen Sanierungsstau, nicht nur in Burgdorf. Das sind 50 bis 60 Projekte, nicht kleinteilig, sondern große Projekte. Wir gehen in die Millionenprojekte, die europaweit ausgeschrieben werden müssen – das dauert länger als ein halbes oder dreiviertel Jahr.“
Den Stau, der seit 30 bis 40 Jahren entstanden sei, in den Griff zu bekommen, könne dauern. „Wir sind kein Wirtschaftsunternehmen, haben nicht nur ein Produkt, sondern tun alles für die Bürger der Stadt.“ Eine Einwohnerin fragte, warum man nicht alle Projekte für die Förderung anmelde. Pollehn erklärte, man arbeite mit einer bewerteten Prioritätenliste. „Wir arbeiten sukzessive ab. Man kommt nicht so schnell voran, wie auch ich mir das vorstellen würde.“ Aber wenn Projekte aufgrund der Förderung ad hoc die Zeitschiene verändern würden, wäre die Effizienz nicht mehr gegeben, mahnte der Bürgermeister, der zudem deutlich machte, dass die Verwaltung bestrebt sei, kontrolliert die umzusetzenden Projakte anzugehen.
Die Sitzung endete nach 50 Minuten – einstimmig, aber nicht im Einvernehmen über den grundsätzlichen Kurs. Es bleibt ein Thema, das die Burgdorfer Politik noch länger beschäftigen wird. Die Verwaltung zeigte sich zuversichtlich, bei der 2. und 3. Runde des Bundesprogramms noch Projekte zur Förderung anmelden zu können.

