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Region Hannover
Mittwoch, 24.11.2021 - 13:39 Uhr

Zum Schutz von gewaltbetroffenen Frauen

Sozialdezernentin Dr. Andrea Hanke und Gleichstellungsbeauftragte Petra Mundt fordern mehr Schutz für Betroffene

REGION

Häusliche Gewalt hat viele Formen: ob körperliche, sexuelle, emotionale, psychische oder wirtschaftliche Gewalt - sie stellt ein gravierendes Risiko für die Gesundheit von Frauen dar. Die Weltgesundheitsorganisation WHO bezeichnet Gewalt als eine der zentralen Gesundheitsrisiken für Frauen. Den Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen am 25. November nehmen Dr. Andrea Hanke, Dezernentin für Soziale Infrastruktur der Region Hannover, gemeinsam mit Petra Mundt, der Gleichstellungsbeauftragten der Region Hannover, zum Anlass, das Thema häusliche Gewalt in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu lenken.

 

"Alle Frauen in Notsituationen müssen sich sicher sein können, dass sie nicht alleine sind und schnelle Hilfe bekommen können - das ist immens wichtig für Frauen in einer solchen Lage!", unterstreicht Dr. Andrea Hanke. "Unser zentrales Anliegen ist, diese Frauen zu schützen und ihnen ausreichend Angebote und Schutzräume zu schaffen."

 

An jedem dritten Tag stirbt in Deutschland eine Frau durch Gewalt, die vom eigenen Partner oder Ex-Partner ausgeht. Das geht aus den Daten zur Partnerschaftsgewalt des Bundeskriminalamts (BKA) hervor, die am gestrigen Dienstag, 23. November 2021, veröffentlicht wurden. Demnach ist die Zahl der Fälle von Partnerschaftsgewalt im vergangenen Jahr um 4,4 Prozent auf insgesamt 148.031 angezeigte Delikte gestiegen. 2019 lag die Zahl der Anzeigen von Gewalt innerhalb von Beziehungen laut BKA bei insgesamt 141.792. Insgesamt starben im vorigen Jahr 139 Frauen und 30 Männer durch die Hand des Partners. Ein Jahr zuvor waren es 117 Frauen und 32 Männer. "Es ist absolut nicht hinnehmbar, dass wir immer noch in einer Welt leben, in der so viele Frauen psychisch und körperlich bedroht, geschlagen, sexuell missbraucht, getötet werden. Wir müssen jetzt dringend handeln!", fordert auch Petra Mundt

 

In der Region Hannover bieten aktuell vier Frauenhäuser in der Region Hannover von Gewalt betroffenen Frauen und ihren Kindern eine geschützte Unterkunft. Das im vergangenen Jahr eröffnete FrauenHaus.24 hat rund um die Uhr für Frauen geöffnet und nimmt Frauen und ihre Kinder in Notsituationen umgehend auf. Außerdem eröffnet die Region im nächsten Jahr ein weiteres gesichertes Frauenhaus im Umland, um damit die Anzahl der Plätze von derzeit 78 Familienplätzen für Frauen und ihre Kinder auf 90 Plätze regionsweit zu erhöhen. Weitere Bausteine der Hilfen für Frauen in Notsituationen sind die Einrichtung von Übergangswohnformen sowie die gezielte Suche nach passenden Wohnungen für die betroffenen Frauen und ihre Kinder nach Auszug aus dem Frauenhaus.

 

Eine weitere Initiative als Ergänzung zu den bereits bestehenden Hilfsangeboten ist die Entwicklung einer der Schutz-App für Betroffene häuslicher Gewalt, an der die Region neben dem Trägerverein Gewaltfrei in die Zukunft e.V. und den niedersächsischen Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden als Projektpartnerin beteiligt ist. Dafür hat die Region als Modellstandort ein Projektbüro eingerichtet und koordiniert vor Ort die Zusammenarbeit mit den lokalen Unterstützungseinrichtungen und weiteren relevanten Akteurinnen und Akteuren. Die App soll niedrigschwellige Hilfe zur Selbsthilfe anbieten und der Gewaltprävention dienen. Neben Informationen soll die App denjenigen, die sich in einer gewaltbelasteten Beziehung befinden, Wege aufzeigen, wie sie sich Hilfe suchen können und auch, welche sicheren Schritte ihnen zur Verfügung stehen. Die Funktion der Gewaltdokumentation sichert die Möglichkeit, die erfahrene Gewalt gerichtsfest vor Gericht darzulegen. Des Weiteren gibt die App Hinweise auf Unterstützungseinrichtungen sowie die Möglichkeit, bei akuter Bedrohung schnell die Polizei oder Vertraute zu kontaktieren. Sie wird momentan mit ehemaligen Betroffenen getestet und danach eingesetzt – dies geschieht unter Begleitung aller Projektbeteiligten.

 

"Die Pandemie hat die Situation der Frauen zusätzlich erschwert. Da ist es umso wichtiger, die Frauen auf verschiedenen Wegen zu unterstützen", so Dr. Andrea Hanke. "Aber klar ist auch: Partnerschaftsgewalt und insbesondere Gewalt an Frauen ist kein privates Problem, sondern ein gesellschaftliches, das nur im Miteinander gelöst werden kann."