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Lehrte
Montag, 29.03.2021 - 14:22 Uhr

Gedenkort zur NS-Zwangsarbeit: Stele ersetzt Findling am Lehrter Eisenbahnlängsweg

SPD Lehrte begrüßt einstimmigen Beschluss im Kulturausschuss

Beispiel einer Stele mit einer Bronzegedenktafel auf dem Altern Friedhof in Lehrte.Aufn.: Helga Laube-Hoffmann

LEHRTE

Zum Gedenken an die im Zweiten Weltkrieg im Reichsbahnlager Ida in Lehrte eingesperrten Menschen soll eine deutlich wahrnehmbare Stele mit Infotafel und QR-Code am Eisenbahnlängsweg errichtet werden. Das haben die Mitglieder des Lehrter Kulturausschusses einstimmig am 25. März 2021 beschlossen. Der unscheinbare Findling mit inzwischen unlesbarer Gedenktafel am Eisenbahnlängsweg soll entfernt werden.

 

Dies hatte SPD-Ratsfrau Helga Laube-Hoffmann bereits in der ersten Sitzung des neu eingerichteten Kulturausschusses vorgeschlagen. Nach einer überaus sachbezogenen geführten Debatte herrschte am Ende der Sitzung Einigkeit. So fand der gemeinsame Antrag von SPD, Bündnis90/Die Grünen und den Linken volle Zustimmung. Helga Laube-Hoffmann (SPD erläutert: "Es geht um die Pflege einer bewussten Erinnerungskultur. Wir müssen uns verantwortlich fühlen, die Erinnerung wachzuhalten."

 

Die Inschrift der Tafel zum Gedenken soll lauten: " An diesem Ort waren im Reichsbahnlager Ida von 1942 bis 1945 Tausende Männer, Frauen und Kinder schutz- und rechtlos eingesperrt und wurden durch Zwangsarbeit für die NS-Kriegswirtschaft ausgebeutet. Die Befreiung der Lagerinsassen erfolgte am 11. April 1945 durch die Alliierten."

 

Auf Nachfrage aus dem Ausschuss zu den Daten und Aussagen des Textes auf der Gedenktafel konnte Ratsherr Dr. Bodo Wiechmann (SPD) bestätigen, dass die Angaben geprüft und mit dem Stadtarchivar Dr. Jens Mastnak abgestimmt sind. Es sei auch sicher, dass Kinder durch die NS-Zwangsarbeit betroffen waren.

 

Wiechmann berichtete von Recherchen unter anderem zum großen Sammelgrab auf dem Alten Lehrter Friedhof. Vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge habe er die Gräberliste von 86 ums Leben gekommenen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern (überwiegend aus der ehemaligen Sowjetunion) erhalten. 85 der Opfer seien namentlich mit Geburts- und Todesdatum bekannt, zu einem fehlten die Angaben. Zu den 86 Bestatteten zählen 36 Kinder im Alter von 10 Jahren bis 4 Monaten. Auf nahezu allen Friedhöfen in Lehrte inklusive der Ortschaften gebe es weitere Grabstätten.

 

Alle Mitglieder des Ausschusses zeigten sich von den Informationen Dr. Wiechmanns beeindruckt. Die Gruppe CDU/Piraten zog ihren Antrag zurück, der die Beibehaltung des Findlings beinhaltete und stimmte dem Antrag von Rot-Grün-Rot zu.

 

Ratsherr und SPD-Ortsvereinsvorsitzender in Lehrte Dr. Bodo Wiechmann abschließend: "Mit diesem Beschluss leisten wir einen Beitrag zur lokalhistorischen Aufarbeitung eines dunklen Kapitels der Geschichte."