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Lehrte
Mittwoch, 05.06.2019 - 15:11 Uhr

Oliver Gels zu seiner Bürgermeister-Kandidatur und zum Wahlergebnis

Oliver Gels erreichte bei der Wahl des Bürgermeisters in Lehrte 19,7 Prozent der abgegebenen Stimmen.Aufn.:

LEHRTE

In einer Pressemitteilung äußert sich der parteilose Bürgermeisterkandidat Oliver Gels zum Ausgang der Wahl und seinen zukünftigen Ambitionen. Eine Empfehlung für die Stichwahl am 16. Juni 2019 gibt er ausdrücklich nicht.

 

Wir geben hier die Pressemitteilung im Wortlaut wieder:

"Ich wollte mit meiner parteilosen Kandidatur für das Bürgermeisteramt in Lehrte ein 'Signal' setzen. So war mein Statement im November 2018, als ich die Kandidatur offiziell bekanntgegeben habe. Ich denke, dass mir dieses auch durch die erreichten 19,7 Prozent (4.345 von 22.104 Stimmen) gelungen ist. Dennoch hat es nicht für die Stichwahl gereicht und das war ja mein Ziel, da ich für einen Wechsel und frischen Wind im Rathaus angetreten bin.

 

Aber zunächst möchte ich mich bei meinen Wählern bedanken. Vielen Dank an 397 Wähler aus Ahlten, an 188 aus Aligse, an 164 aus Arpke, an 268 aus Hämelerwald, an 125 aus Immensen, an 41 aus Kolshorn, an 28 aus Röddensen, an 145 aus Sievershausen, an 148 aus Steinwedel, an 687 Briefwähler und 2.154 aus der Kernstadt. Den Wahlbezirk 17 (Lehrte-Süd / Schachtsiedlung) habe ich sogar mit 47,6 Prozent klar gewonnen. Allen 4.345 Wählern möchte ich sagen, vielen herzlichen Dank für Eure Stimme. Ihr habt erkannt, wer wirklich frischen Wind in die Politik und ins Rathaus gebracht hätte.

 

Was macht man nun mit diesem Ergebnis und wie geht es weiter? Ich denke, dass jeder fünfte Lehrter durch seine abgegebene Stimme deutlich gemacht hat, dass was Anderes außer der SPD und CDU gewünscht ist. Ich werde daher weiter unparteiisch bleiben und werde mich weiter in die Kommunalpolitik einmischen. Nun geht es darum, dass Interesse der Lehrter Bürger an eine Wählergemeinschaft oder Gruppe abzufragen. Ziel sollte es sein, mit einer größeren Gruppe zur Kommunalwahl 2021 anzutreten. Die beiden großen Parteien haben auch nur jeweils ca. 300 eingetragene Mitglieder. Wer möchte die Gruppe 'Gels' unterstützen und hat Interesse in Lehrte etwas zu bewegen?

 

Erreichen kann man mich über meine Homepage, Facebook oder Instagram. Nicht nur meckern, sondern sich selber aktiv einbringen. Ich denke, dass ich dies durch meine Kandidatur bereits deutlich gemacht habe. In den sozialen Medien wurde im Wahlkampf von 'Populismus' und 'Hetze' geschrieben. Dies kann ich nicht bestätigen, da man sich als Bürgermeisterkandidat an der aktuellen Politik und der Arbeit des Amtsinhabers orientieren muss. Ohne einen Amtsinhaber als Kandidat wäre es vermutlich ein anderer Wahlkampf geworden. So war mein Motto einen 'Wechsel' herbeizuführen.

 

Wenn die Kommunalpolitik und die Arbeit des Verwaltungsleiters zufriedenstellend gewesen wären, bräuchte man eigentlich überhaupt keine Gegenkandidaten. Die Entscheidungsträger und insbesondere der Bürgermeister müssen sich schon an ihrer Arbeit messen und dabei Kritik gefallen lassen. Das bringt das Amt mit sich und auch dem neuen Bürgermeister wird es nicht anders ergehen. Wer das nicht möchte, darf sich auch nicht für dieses Amt bewerben. Wie gesagt, es geht dabei immer um sachliche Kritik.

 

Nun sind einige Tage nach dem Wahlsonntag vergangen, an dem auch die sehr anstrengende Zeit des Wahlkampfs beendet worden ist. In der letzten Woche ist dann der ganze Druck von mir abgefallen und ich war ganz schön fertig und kaputt. Von einem Tag auf den anderen ist plötzlich wieder alles anders und das vorherige Leben hat einen wieder. Das ist auch gut so, denn mein bisheriger Lebensinhalt mit unserem Familienleben, die Kontaktpflege zu Verwandten und Bekannten, meinem wirklich fordernden Beruf und meine vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten sind in der letzten Zeit absolut zu kurz gekommen.

 

Ich musste den Wahlkampf und das Ergebnis erstmal verarbeiten und merke jetzt, wie viel doch in der letzten Zeit liegen geblieben ist. Aber wenn ich was mache, dann versuche ich das richtig zu machen.

 

Zum Ergebnis ist zu sagen, dass der amtierende Bürgermeister zwar als Wahlsieger mit 1.897 Stimmen Vorsprung aus dem ersten Wahlgang hervorgeht, aber dennoch muss dabei auch festgestellt werden, dass ihn 12.872 von 22.104 Bürgern nicht gewählt haben. Als Amtsinhaber wäre das für mich ein Ergebnis, mit dem nicht einverstanden wäre. Als er vor 8 Jahren als einigermaßen unbekannter 'Neuling' mit dem Kandidaten von der CDU gleich auf war, wird er mit dem knappen Vorsprung von 59 Stimmen einverstanden gewesen sein. Nun als Amtsinhaber müsste er einen anderen Anspruch haben und eigentlich im ersten Wahlgang schon die absolute Mehrheit holen. Der Bürger hat dies mit seiner Stimmabgabe aber anders entschieden.

 

Auch der Effekt, dass er von den Grünen im Wahlkampf unterstützt worden ist, hat meiner Meinung nach nicht gezogen. Bei der Wahl 2011 hatte der damalige Kandidat der Grünen beachtliche 4.167 Stimmen geholt.

 

Zudem war die Wahlbeteiligung bei der aktuellen Wahl erfreulicherweise 10 Prozent höher, was ca. 3.000 Wähler mehr bedeutet. Der Bürgermeister hat im Gegensatz zur Wahl 2011 aber nur 1.849 Stimmen mehr bekommen. Somit sind ihm viele damalige 'Grün-Wähler' nicht gefolgt, obwohl er vermutlich auch durch einige Entscheidungen in den letzten Jahren SPD-Stammwähler verloren haben dürfte. Die nun erlangten 9.232 Stimmen werden sich aus der SPD-Stammwählerschaft, von 'Grünen-Wählern', durch den Amtsinhaberbonus und insgesamt von Bürgern zusammensetzen, die sagen, dass der Bürgermeister in den letzten 8 Jahren gute Arbeit gemacht hat und die nötige Erfahrung für das Amt besitzt. Das ist Demokratie und muss akzeptiert werden.

 

Die Grünen sind für mich dennoch der Wahlverlierer Nummer 1 in Lehrte. Sie hätten den aktuell vorhandenen Trend nutzen können und mit einem eigenen Kandidaten richtig abräumen können. Das wäre richtig spannend und interessant gewesen, wie viele der enttäuschten SPD und CDU Wähler zu ihnen gewechselt wären. So wurde lieber der bequeme Weg gewählt und sich an den Bürgermeister gehängt. Wie bereits erwähnt, dieser Effekt ist ausgeblieben. Vermutlich haben sie entschieden, da sie keinen besseren Kandidaten gefunden hatten. Sie hätten gerade mit einer eigenen Kandidatur richtig an Profil gewinnen können. Diese Entscheidung muss man auch akzeptieren, obwohl dies einige Stimmen gekostet hat.

 

Nun zieht der Bürgermeister als SPD-Kandidat mit Unterstützung der Grünen (ohne Logo auf den Plakaten) zusammen mit dem CDU-Kandidaten in die Stichwahl ein. Die CDU hat leider bezogen auf die Wahl von 2011 und der höheren Wahlbeteiligung (ca. 3.000) keine Stimmen dazu gewonnen. Hier muss die CDU ihre eigene Analyse machen und sich fragen, warum 25 Prozent (5.537 Stimmen) der Wähler, die nicht den Bürgermeister gewählt haben, auch nicht die CDU gewählt haben.

 

Schon am Wahlabend wollte man von mir eine Wahlempfehlung hören und aus Sicht der CDU dadurch natürlich die zum Wahlsieg fehlenden 1.897 Stimmen aufholen. Die wird es von mir nicht geben. Wie bereits am Wahlabend gesagt, bleibe ich bei meiner Aussage.

 

Als ich damals als parteiloser, unparteiischer Kandidat angetreten bin, war dies eine wohl überlegte Entscheidung, zu der ich auch immer noch stehe. Ich habe in den letzten Jahren die Kommunalpolitik sehr genau verfolgt und mir haben viele Entscheidungen der beiden großen Parteien nicht gefallen. Die SPD in der Ratsmehrheit hat mir nicht wirklich gefallen und die CDU habe ich nicht als Opposition wahrgenommen. Gerade die sachliche und intensive Diskussion bei einigen Themen ist wichtig und gehört bei einer Entscheidungsfindung unbedingt dazu. Bei vielen Themen ist aber in den letzten Jahren nicht viel passiert. Wenn man sich die Wahlprogramme der in Lehrte aktiven Parteien zur Kommunalwahl 2016 durchliest, sind die Inhalte überwiegend gleich. Viel wurde davon noch nicht umgesetzt.

 

Nach einer Bewertung insbesondere der Arbeit vom Bürgermeister in vielen Themenbereichen habe ich mich daher zur Kandidatur entschlossen. Ich habe meine Kandidatur auch nicht zurückgezogen als die CDU ihren jetzigen Kandidaten aufgestellt hat. Von Anfang bin ich für einen Wechsel angetreten und ich wollte frischen Wind ins Rathaus bringen. Dabei habe ich vornehmlich die Arbeit des Bürgermeisters, aber auch indirekt der beiden großen Parteien bewertet.

 

Die Frage, warum der Wähler mir seine Stimme gegeben hat, ob aus Protest gegen die beiden großen Parteien oder aus Überzeugung kann ich natürlich nicht beantworten. Ob diese Wähler nun bereit sind an der Stichwahl teilzunehmen, bleibt abzuwarten. Wer einen neuen Bürgermeister möchte, der braucht wohl keinen extra Wahlaufruf und auch keine Wahlempfehlung.

 

Ich nehme mich selber nämlich auch nicht so wichtig, dass ich jetzt meinen Wählern empfehlen muss, was sie am 16.06. wählen sollen. Eine Partei kann gerne eine Wahlempfehlung ausgeben, ich halte davon gar nichts. Jeder Wähler entscheidet für sich und dies ist auch gut so. Die Wähler, die nicht die SPD und CDU gewählt haben, werden vermutlich auch die Zeit (3 Wochen) zwischen den Wahlgängen zur Erholung und Überlegung benötigen.

 

Ich kann daher gut damit leben, dass mir die CDU meine Plakate abgenommen hat und diese mit dem Spruch 'Frischer Wind ins Rathaus. Jetzt den Wechsel wählen' für die Stichwahl weiter nutzt. Das widerspricht auch nicht meiner weiterhin unparteiischen Einstellung, da ja auch mein Ziel der Wechsel gewesen ist.

 

Es sind jetzt nur noch die Kandidaten der beiden großen Parteien übriggeblieben und jeder Wähler hat nun die Möglichkeit mit seiner Stimme den amtierenden Bürgermeister im Amt zu bestätigen oder einem 'Neuling' eine Chance zu geben. Es wird auch genügend Wähler geben, die aus Enttäuschung nicht mehr an der Wahl teilnehmen. Da haben die bisherigen Stichwahlen leider immer wieder gezeigt. Es ist die Aufgabe der beiden Kandidaten die Wähler zu animieren und von sich zu überzeugen.

 

Wenn man so wie ich selber Kandidat war ist ein Umschwenken, am besten noch am Wahlabend, nicht möglich. Man hat mich zwar im Wahlkampf fair behandelt, aber ernst genommen hat man mich wohl nicht. Nach den nun erreichten 19,7 Prozent hat sich die Meinung wohl geändert und ich bin plötzlich ein Talent. Zum Glück bin ich immer sehr selbstkritisch und bin daher ganz bei mir.

 

Die Übergabe der Plakate bedeutet aber nicht, dass ich die CDU jetzt weiter unterstützen werde. Ich rate nämlich allen an der Wahl beteiligten Parteien nach der Stichwahl in die detaillierte Analyse zu gehen und über Veränderungen nachzudenken. Die nächste Wahl kommt bestimmt. Die Bürger wollen endlich eine Entwicklung bei den für Lehrte wichtigen Themen sehen und kein parteipolitisches Taktieren mehr. Das erzeugt Politikverdrossenheit.

 

Die Übergabe der Plakate hat für mich überwiegend praktische Gründe. Ich muss die Plakate nicht mehr selber abhängen und entsorgen. Dazu muss man wissen, dass ich den ganzen Wahlkampf selber finanziert und meine Plakate auch selbst aufgehängt habe. In den letzten Wochen bin ich mehrere Male alle Standorte abgefahren, habe Plakate umgehängt, repariert, neu mit Kleister versorgt, zusätzlich Banner besorgt und Flyer mit einigen Unterstützern verteilt. Alle Termine habe ich persönlich wahrgenommen und habe mir dabei immer ausreichend Zeit für die Bürger genommen. Wenn das alles selber organisiert und finanziert weiß man es auch anders zu schätzen.

 

Da ich mir gegenüber immer ganz ehrlich und selbstkritisch bin, weiß ich auch, dass ich bei der Vorbereitung und im Wahlkampf selber einige Fehler gemacht habe. Ich konnte nicht genügend Wähler von mir und meinem Programm überzeugen. Zum Erreichen der Stichwahl hätte ich vermutlich noch mehr Zeit und Geld investieren müssen. Mein Bekanntheitsgrad war nicht überall vorhanden und meine Positionen sind wohl auch nicht rübergekommen. So eine Kandidatur kann man nicht nebenbei zum Beruf, den von mir betreuten vier Fußballmannschaften und den Aktivitäten bei der Gemeinschaft 'Glück Auf' machen. Die Familie kommt während dieser Zeit sowieso zu kurz und muss einiges aushalten.

 

Ich wäre gerne Bürgermeister geworden und hätte gerne geholfen Lehrte weiter zu entwickeln. Dabei hätte ich gerne höchstpersönlich wichtige Themen/Projekte enger begleitet und mich aktiv eingebracht. Ich denke, dass Lehrte eine große Chance verpasst hat. Dies werden natürlich einige anders sehen.

 

Jetzt werde ich die Resonanz der Lehrter abwarten und dann entscheiden wann und wie es mit meinem Engagement weitergeht.

Vielen Dank an alle Unterstützer von mir.

- Oliver Gels -

Bürgermeisterkandidat 2019"

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