Region Hannover

Region Hannover berät immer mehr Sexarbeitende

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Die Region Hannover erreicht mit ihrem Beratungsangebot für Sexarbeitende immer mehr Menschen. Seit Einführung des Prostituiertenschutzgesetzes im Jahr 2017 ist die Zahl der gesundheitlichen Beratungen kontinuierlich gestiegen. Im ersten Jahr wurden 171 Beratungen verzeichnet, im Jahr 2025 waren es 754. Für die Region Hannover ist diese Entwicklung ein wichtiges Signal, dass das Angebot angenommen wird und Vertrauen schafft.

„Die steigenden Zahlen zeigen, dass wir die Menschen besser erreichen – und genau darum geht es beim Prostituiertenschutzgesetz“, sagt Gesundheitsdezernentin Christine Karasch. „Unsere Beratung ist niedrigschwellig, vertraulich und vor allem eines: unterstützend. Sie bietet Raum, über gesundheitliche Fragen zu sprechen, aber auch über schwierige Lebenssituationen.“

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Die gesundheitliche Beratung ist für Sexarbeitende gesetzlich vorgeschrieben und Voraussetzung für die Ausübung ihrer Tätigkeit. Ein multiprofessionelles Team im Gesundheitsamt der Region Hannover berät zu Themen wie Infektionsschutz, Verhütung, Rechte und Pflichten. Bei Bedarf vermittelt es auch an weiterführende Hilfsangebote.

Ein zentraler Bestandteil der Arbeit ist außerdem die aufsuchende Beratung. Mitarbeiter gehen aktiv auf Menschen im Milieu zu und informieren über Unterstützungsangebote. Alle Beratungen sollen nach Angaben der Region einen realistischen und vorurteilsfreien Blick auf die Lebenssituation von Sexarbeitenden ermöglichen.

Dabei zeigt sich, dass die Lebensrealitäten von Sexarbeitenden oft komplex sind. Die Beratung kann ein erster geschützter Kontakt sein, um auch über mögliche Zwangslagen, Ausbeutung oder persönliche Belastungen zu sprechen. Eine bundesweite Evaluation des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen bestätigt nach Angaben der Region die Qualität dieses Ansatzes. Die Beratungen würden von den Befragten mehrheitlich positiv bewertet, insbesondere mit Blick auf Respekt, Kompetenz und Aufklärung.

Gleichzeitig geht die Region weiterhin von einem Dunkelfeld aus. Erfahrungen aus anderen Regionen zeigten, dass viele Sexarbeitende bislang nicht von den Angeboten erreicht würden. Im Landkreis Hameln-Pyrmont seien zuletzt kaum Beratungen in Anspruch genommen worden, obwohl bekannt sei, dass dort Prostitution stattfinde. Vor diesem Hintergrund baut die Region Hannover ihre Zusammenarbeit aus und übernimmt künftig die Beratung für den Landkreis Hameln-Pyrmont.

Ziel ist es, die bestehenden Strukturen und die gewachsene Expertise der Region Hannover zu nutzen, um mehr Menschen zu erreichen. „Wenn Beratung nicht ankommt, steigt das Risiko von gesundheitlichen Problemen und das Abrutschen in die Illegalität“, betont Karasch. Ein weiterer Vorteil der neuen Vereinbarung sei, dass es für viele Betroffene leichter sei, ein Angebot außerhalb ihres direkten Lebens- und Arbeitsumfelds wahrzunehmen. Die Beratung im Gesundheitsamt der Region Hannover ist zentral gelegen, gut erreichbar und auf Wunsch anonym.

Die Beratungs- und Untersuchungsangebote für Menschen in der Sexarbeit haben ihren Sitz in der Weinstraße 2-3 in Hannover. Kontakt ist per Mail an gesundheitl.Beratung@region-hannover.de sowie unter Telefon 0511/61625252 möglich. Telefonische Terminvergaben erfolgen montags von 9 bis 11 Uhr und von 13 bis 15 Uhr, donnerstags von 10 bis 12 Uhr und von 13 bis 17 Uhr sowie freitags von 9 bis 12 Uhr.

Die Mitarbeiter des Teams verfügen über Sprachkenntnisse in Englisch und Französisch. Zusätzlich unterstützen Übersetzerinnen für Bulgarisch, Rumänisch, Spanisch und Russisch. Außerdem berät und informiert das Team Menschen in der Sexarbeit auch direkt vor Ort, etwa auf dem Straßenstrich, in Bordellen, Clubs, Wohnungen und Lovemobilen.

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