Deutsche und Krypto: Passt das zusammen?

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In den vergangenen Wochen standen Kryptowährungen wieder verstärkt im Mittelpunkt öffentlicher Debatten. Diskussionen über Bitcoin als mögliche staatliche Reservewährung in den USA oder neue Rekorde an den Kryptomärkten – das Thema Krypto ist kaum zu übersehen.
Deutschland: Das Interesse ist vorhanden
Auch in Deutschland ist das Interesse über die Jahre größer geworden. Laut einer aktuellen repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom zeigt sich rund ein Viertel der Bevölkerung offen für Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum.
Konkret haben 8 Prozent der Befragten schon einmal Coins gekauft, 4 Prozent planen das in naher Zukunft. Weitere 14 Prozent können sich zumindest vorstellen, selbst einzusteigen. Damit bleibt die grundsätzliche Offenheit mit 26 Prozent auf einem ähnlichen Niveau wie im Jahr 2024, als laut der Studie rund 28 Prozent offen für Krypto waren. Für die Mehrheit von 71 Prozent sind Kryptowährungen jedoch weiterhin kein Thema. Besonders interessiert zeigen sich die 30- bis 49-Jährigen: Fast ein Drittel dieser Altersgruppe kann sich vorstellen, Kryptowährungen zu kaufen oder hat bereits Coins erworben.
Bitkom-Experte Frederic Meyer ordnet die Ergebnisse der Studie so ein: Kryptowährungen sind längst kein Randphänomen mehr. Vielmehr hätten sich Bitcoin und Co. zu einem festen Bestandteil der digitalen Finanzwelt entwickelt. Vor allem technologieaffine Menschen und Anleger, die neue Trends aktiv nutzen wollen, seien besonders offen für diese Form der Geldanlage.
Warum viele Menschen Krypto kaufen wollen
Wer sich mit dem Thema Kryptowährungen beschäftigt, der macht das aus sehr unterschiedlichen Gründen. Ein zentrales Motiv ist die Unzufriedenheit mit der aktuellen Geldpolitik. Zwei Drittel derjenigen, die Kryptowährungen offen gegenüberstehen, sehen sie als Alternative zu den klassischen Währungen, weil sie kein Vertrauen mehr in Zentralbanken haben.
Doch auch die Aussicht auf Gewinne ist für viele ein sehr wichtiger Antrieb. Fast die Hälfte der Befragten, die Kryptowährungen gekauft haben oder darüber nachdenken, hofft auf steigende Kurse. Diese Hoffnung wird auch durch Prognosen bestärkt. Natürlich geht es auch um kurzfristige Spekulationen: So kann man bereits mit Krypto Futures auf kurzfristige Preissteigerungen wetten. Hier sind hohe Gewinne möglich, wenn sich der Preis wie gewünscht entwickelt.
Ein Viertel möchte das eigene Geld vor einem staatlichem Zugriff schützen. Außerdem spielt Neugier eine nicht zu außer Acht lassende Rolle. Viele wollen einfach ausprobieren, wie Kryptowährungen funktionieren. Jeder Fünfte sieht in digitalem Geld zudem ein Symbol für eine moderne Gesellschaft.
Ein Teil verfolgt aber auch ganz andere Ziele: 9 Prozent wollen mit Kryptowährungen einen Teil ihrer Ersparnisse langfristig anlegen. 6 Prozent planen, damit zu bezahlen und 3 Prozent schätzen die Möglichkeit, Geld anonym und sicher transferieren zu können.
Warum die Mehrheit weiterhin zögert
Es gibt auf der anderen Seite aber auch einige Gründe für Zurückhaltung. Das größte Hindernis ist natürlich die Angst vor einem Wertverlust. 3 von 4 Befragten, die Kryptowährungen ablehnen, haben die Befürchtung, dass die Kurse stark fallen könnten und das investierte Geld verloren geht.
Hinzu kommen technische Hürden und Desinteresse. Mehr als die Hälfte der Skeptiker gibt an, sich schlicht nicht für das Thema zu interessieren. Die Hälfte hat Angst, den Zugriff auf ihre Coins zu verlieren – beispielsweise aufgrund technischer Probleme oder weil man das Passwort vergessen hat.
Auch Nachhaltigkeitsaspekte spielen für viele Befragte eine gar nicht so unwesentliche Rolle. Fast jeder Zweite hält Kryptowährungen wegen des hohen Energieverbrauchs für nicht zukunftsfähig. 45 Prozent meinen zudem, Krypto sei vor allem etwas für Zocker und 44 Prozent geben an, gar nicht zu wissen, wofür man Kryptowährungen überhaupt verwenden könnte.
Ein weiterer wichtiger Punkt, der viele abschreckt, ist die Sorge vor Betrug und Diebstahl. 37 Prozent befürchten, dass ihre Coins gestohlen werden könnten, 27 Prozent haben zudem Angst, beim Kauf von Betrügern hereingelegt zu werden. Knapp ein Drittel hält den Erwerb zudem für zu kompliziert. Mehr als ein Viertel weiß des Weiteren gar nicht, wie man Kryptowährungen überhaupt kauft.
Chancen, Risiken und Ausblick
Die Zahlen zeigen: Während eine immer größer werdende Minderheit Kryptowährungen aktiv nutzt oder sich zumindest aufgeschlossen zeigt, überwiegt bei der Mehrheit noch immer die Skepsis. Die Motive reichen von der Suche nach alternativen Anlageformen über technologische Neugier bis hin zu politischem Misstrauen. Gleichzeitig bleiben die Ängste vor allem groß, wenn es um die Sicherheit, Wertstabilität und ökologische Nachhaltigkeit geht.
Bitkom-Experte Meyer betont, dass es unterschiedliche Wege gibt, an der Entwicklung von Kryptowährungen teilzuhaben. Neben dem direkten Kauf über Kryptobörsen bieten auch klassische Finanzprodukte inzwischen Zugang zu den digitalen Assets. Wichtig sei aber, sich im Vorfeld gut über Chancen und Risiken zu informieren und sich bewusst zu machen, dass auch bei Kryptowährungen Verluste möglich sind.