Ministerin besucht Genossenschaftskneipe in Dedenhausen – Viel erreicht, große Pläne für die Zukunft

Auf Einladung der Genossenschaft „Zum Bahnhof 40“ hat die niedersächsische Ministerin für Europa und regionale Landesentwicklung, Melanie Walter, die Genossenschaftskneipe in Dedenhausen besucht. Begleitet wurde sie von der SPD-Landtagsabgeordneten Thordies Hanisch. Gemeinsam mit Mitgliedern des Genossenschaftsvorstandes kamen sie mit Aktiven aus dem Ort ins Gespräch. Mit dabei waren unter anderem Ortsbürgermeister Joachim Hutschenreuter, die Vorstandsmitglieder Reinhard Bührig, Karin Lawrenz, Viktoria Homann, Ingrid Neumann, Jörn Hasberg, Matthias Kröger und Söhnke Leßmann sowie Ursula Tesch, Erste Gemeinderätin der Gemeinde Uetze.
Im Mittelpunkt stand der direkte Austausch darüber, welche Bedeutung Saal und Kneipe für Dedenhausen haben, was bereits erreicht wurde und welche Projekte als Nächstes anstehen. Ebenso ging es um konkrete Herausforderungen vor Ort und die Frage, wie Politik unterstützen kann.
Ministerin Walter würdigte das Engagement der Genossenschaft ausdrücklich. „Solche Orte sind unverzichtbar für den ländlichen Raum“, betonte sie. Die gleichwertige Lebensqualität außerhalb der Ballungszentren sei ein zentrales politisches Anliegen. Es gebe zahlreiche Fördermöglichkeiten von Land, Bund und Europa, insbesondere im Bereich der Strukturförderung. „Es kann gut sein, dass hier gerade ein portugiesischer oder französischer Euro wirkt – ein Investment direkt in die Gemeinschaft“, sagte sie. Sie kündigte an, konkrete Förderwege und Ansprechpartner zu prüfen und die Erfahrungen aus Dedenhausen mitzunehmen.
Die heutige Genossenschaft geht auf eine Zukunftswerkstatt zurück. Als die damalige Wirtin der Gaststätte „Zum Bahnhof“ den Betrieb aufgab, entstand die Idee, die Räumlichkeiten als sozialen Treffpunkt zu erhalten. Aus der Initiative entwickelte sich eine engagierte Gruppe, die schließlich die Genossenschaft gründete.
„Wenn es die Genossenschaft nicht gäbe, wäre die Kneipe weggebrochen“, erklärte Thordies Hanisch, die selbst Mitglied der Genossenschaft ist. „Solche Orte sind so wichtig, um außerhalb der eigenen Blasen ins Gespräch zu kommen – und im Gespräch zu bleiben.“
Karin Lawrenz beschrieb die Motivation der Beteiligten so: „Wir haben wenig Geld, aber viel Elan und viele kreative Köpfe.“ In den vergangenen Jahren wurden die oberen Wohnetagen geräumt und entkernt, das Saaldach instandgesetzt, der Saal renoviert und die ehemalige Saalküche für Catering und Selbstnutzer umgestaltet. Auch die Außenanlagen wurden gärtnerisch hergerichtet, der Biergarten erhielt eine Bühne für kulturelle Veranstaltungen. Eine neue Toilettenanlage mit Zugang vom Biergarten entstand, die Innentoiletten wurden saniert. Zudem baute die Genossenschaft eine Internet- und Social-Media-Präsenz auf und verpachtete die Gaststätte erfolgreich neu. Ein Großteil der Arbeiten erfolgte in Eigenleistung der ehrenamtlichen Mitglieder mit Unterstützung aus dem Ort und durch den Betreiber der Gaststätte. Verputzen, Schleifen, Streichen und gemeinschaftliche Renovierungen prägten die vergangenen Jahre. Dabei gilt der Grundsatz, Neues mit Altem zu verbinden.
Als nächster großer Schritt steht die energetische Sanierung an. Rund 360.000 Euro werden benötigt, um die alte Ölheizung durch eine Wärmepumpe zu ersetzen, eine Photovoltaikanlage zu installieren und das Gebäude zu dämmen. Ein Teil der Summe soll über Förderprogramme finanziert werden, ein anderer über den Verkauf weiterer Genossenschaftsanteile. Da es keine vollständige Förderung gibt, sind Eigenmittel zwingend erforderlich. Neben dem Zeichnen von Anteilen ist die Genossenschaft auf Spenden und Sponsoring angewiesen. „Hier tut sich künftig hoffentlich noch etwas Potenzial auf. Die Gemeinnützigkeit unserer Genossenschaft ist beantragt. Dann lassen sich Spenden steuerlich geltend machen und werden auch für Unternehmen attraktiver“, erklärte Söhnke Leßmann.
Auch Sachspenden wie Werkzeug und Baumaterial sowie Unterstützung bei größeren Arbeitseinsätzen sind willkommen. Positiv wurde eine jüngste Rechtsänderung bewertet, nach der bei Förderprogrammen Abschlagszahlungen und ein vorzeitiger Maßnahmenbeginn möglich sind. Dadurch müssen Projekte nicht mehr vollständig vorfinanziert werden. Zudem wurde auf Beratungsangebote mit festen Ansprechpartnern hingewiesen, die Initiativen künftig gezielter begleiten sollen.
„Eine Genossenschaftsmitgliedschaft ist ein tolles Geschenk zur Geburt – nicht nur in Dedenhausen“, sagte Hanisch mit Blick auf die breite Beteiligung im Ort. „Das hier ist ein Ort gelebter Demokratie – offen für alle Menschen, egal welchen Alters, welchen Berufs oder politischer Einstellung.“ Karin Lawrenz ergänzte: „Wenn ich hier nicht aktiv geworden wäre, hätte ich viele Menschen nicht kennengelernt, die ich heute nicht mehr missen möchte.“
Am Ende des Abends blieb der Eindruck eines engagierten Dorfes, das sein Projekt mit großer Überzeugung trägt. „So hohen Besuch hatten wir noch nie“, bemerkte Reinhard Bührig und unterstrich damit die besondere Bedeutung des Treffens.
Die Genossenschaft zählt inzwischen rund 260 Mitglieder. Die Gaststätte ist an einen engagierten Wirt verpachtet und öffnet donnerstags bis sonnabends. Besonders in den Sommermonaten finden zahlreiche Veranstaltungen statt, darunter Konzerte im Garten. Der Saal ist in diesem Jahr bereits 46-mal vermietet. Anteile in Höhe von 250 Euro können über die Internetseite zumbahnhof40.de/mitglied-werden gezeichnet werden. Informationen zu Veranstaltungen sind in den sozialen Medien zu finden. Für Fragen sowie zur Abwicklung von Sach-, Arbeits- oder Geldspenden steht Reinhard Bührig per Mail an info@zumbahnhof40.de zur Verfügung.