Lehrte

Blaulicht-Familie feiert 150 Jahre Feuerwehr Lehrte mit ökumenischem Gottesdienst

[LEHRTE]

„Dass wir geschlossen hier stehen, zeigt: Wenn es brennt, sind wir da. Wir sind die Blaulicht-Familie.“ Mit diesen Worten brachte Ortsbrandmeister Marc Wilhelms am gestrigen Mittwochabend, 11. Februar 2026, die Geschlossenheit der Rettungskräfte auf den Punkt. Rund 170 Besucher erlebten in der Fahrzeughalle der Freiwilligen Feuerwehr Lehrte an der Schützenstraße einen besonderen ökumenischen Blaulichtgottesdienst. Anlass waren insbesondere das 150-jährige Bestehen der Freiwiiligen Feuerwehr Lehrte und zeitgleich auch der europäische Tag des Notrufs am 11. Februar.

Unter dem Motto „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben“ (Psalm 46,2) kamen Vertreter von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst, DRK, Maltesern, Johannitern, THW, DLRG und Notfallseelsorge zusammen. Unter den Gästen waren Brandschutzabschnittsleiter Tobias Jacob, Lehrtes Bürgermeister Frank Prüße sowie politische Vertreter aus Burgdorf, Lehrte, Sehnde und Uetze.

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Mehrere Kirchen – ein Gottesdienst

Den ökumenischen Gottesdienst gestalteten gemeinsam die stellvertretende Superintendentin Friederike Grote des ev.-luth. Kirchenkreises Burgdorf, Gemeindereferent Stefan Horn von der katholischen Pfarrgemeinde St. Nikolaus Burgdorf, die Pastorinnen Gesa Steingräber-Broder und Friederike Schweizer von der ev.-luth. Gesamtkirchengemeinde Lehrter Land sowie Pastor Roland Bunde von der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Lehrte.

Stefan Horn, der seine Premiere in Lehrte feierte – „eigentlich bin ich eher in Burgdorf“ –, begrüßte zusammen mit Ortsbrandmeister Marc Wilhelms die Anwesenden. „Für die Welt ist es ein gewöhnlicher Mittwoch, für uns hier ist es ein Tag voller Symbolik“, sagte er. „Es ist nicht nur der europäische Tag des Notrufs, sondern wir blicken voller Stolz auf 150 Jahre Feuerwehr Lehrte. 150 Jahre, in denen die Feuerwehrkräfte für die Menschen eingestanden haben.“

„Geschlossenheit zeigt sich in der Ökumene“

Ortsbrandmeister Marc Wilhelms betonte die Einheit der Blaulicht-Familie: „Dass wir geschlossen hier stehen, zeigt: Wenn es brennt, sind wir da. Wir sind die Blaulicht-Familie und zeigen Geschlossenheit.“ Stefan Horn griff den Gedanken auf: „Geschlossenheit zeigt sich auch in der Ökumene.“ Er verwies darauf, dass der Rat der Stadt Lehrte seine Sitzung extra hat verlegen lassen, um dem Gottesdienst beiwohnen zu können. Dieses „ist eine würdige Geste, 150 Jahre ehrenamtliches Engagement zu feiern. Es ist das Rückgrat der Stadtgesellschaft“, so Horn weiter.

Wilhelms erinnerte daran, dass neben 150 Jahren Ortsfeuerwehr auch 75 Jahre Jugendfeuerwehr gefeiert werden. „In jeder Uniform steckt ein Mensch“, betonte er und dankte den Partnern und Familien. „Wir wissen, dass wir nicht unfehlbar sind und unsere Kraft endlich ist.“

Stefan Horn zitierte aus der Bibel: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten“. Er erklärte weiter: „Gott ist da, bevor der Melder geht.“ Gemeinsam sangen die Anwesenden das Florianslied und sprachen mehrfach gemeinsam: „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.“

Erfahrungen aus dem Einsatz

Pastor Roland Bunde und Pastorin Gesa Steingräber-Broder führten Interviews mit drei Vertretern von Feuerwehr, Polizei und DRK, die auf der Bühne standen und sich kurz vorstellten. Die Biografien waren ganz unterschiedlich – „ob Beruf oder Ehrenamt, es ist was Besonderes, was sie tun“, Gesa Steingräber-Broder. Die Interviewten erzählten von verschiedenen Gründen, weshalb sie damit angefangen haben: Es ginge ihnen vor darum, etwas mit Menschen zu tun zu haben. „Ich habe es nicht bereut“ hieß es, wenn sie aus einer guten Lebenssituation „der Gesellschaft etwa zurückgeben“. Sie sprachen auch über den Respekt vor dem, was sie im Ehrenamt leisten. Die drei berichteten von ihrer Biografie, ihrer Motivation und dem Umgang mit unschönen Dingen.

Predigt: Das Netz, das uns trägt

Die stellvertretende Superintendentin Friederike Grote hielt die Predigt. „Das ist hier ein bunt zusammengewürfelter Haufen – was verbindet uns?“ Sie nannte mehrere verbindende Elemente: 150 Jahre Feuerwehr Lehrte, die 112, den Gottesdienst. „Dass wir unseren Verstand, unsere Hände einsetzen, eben um Leben zu retten, um in Gerechtigkeit und Frieden zu leben. Auch mit allem Einsatz ist der Ausgang oft ungewiss.“

Grote hatte ein Netz mitgebracht – als Symbol der Verbindungen. „Wir haben so viele Netze, unsichtbare, Strom- und Gasnetze, die so selbstverständlich sind. Wie wenig selbstverständlich das ist, sieht man in der Ukraine. Da wird es lebensgefährlich.“ Sie nannte weitere Netze: mobiles Datennetz, Funknetz, „das soziale Netz – Familien, Gemeinschaft in der Feuerwehr, Kollegen, Freunde. Wichtige Netze, um sich zu regenerieren, wenn wir gefordert sind.“

Die Rettungskräfte täten alles, um Leben zu schützen und zu retten. „Nicht immer geht alles gut, manchmal ist auch meine Kraft zu Ende.“ Dann gelte: „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke.“ Die biblischen Botschaften bildeten eine Art Netz. „Dieses Netz, was uns durchs Leben trägt, ist Gott – unsichtbar, aber so wertvoll, wie ein doppelter Boden unter uns, wenn wir aus dem Gleichgewicht gebracht werden.“

Segen für alle – unabhängig vom Glauben

Stefan Horn leitete zum besonderen Teil des Gottesdienstes über: „Heute Abend ist ein Moment, bewusst zur Ruhe zu kommen. Wir möchten Ihnen etwas mitgeben: Der Gottessegen, der Sie begleitet, als ein Geschenk – unabhängig davon, ob Sie einer Kirche angehören oder glauben.“ An fünf Tischen konnten die Besucher zu den fünf Geistlichen kommen und sich segnen lassen. Begleitet wurde dies von stiller Musik mit Flöte und Gitarre.

Horn dankte vielfach: „Großer Dank an die Feuerwehr Lehrte, die so viel dafür getan haben, dass wir hier Gottesdienst feiern können. 150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Lehrte: Gut, dass wir euch haben!“ Es folgte großer Applaus. Er dankte auch dem Posaunenchor der evangelisch-lutherischen Gesamtkirchengemeinde Lehrte und dem Instrumentalduo.

Die Kollekte ging an die Diakonie Katastrophenhilfe – „eine Art Rettungsdienst weltweit“ so Stefan Horn. Nach den Fürbitten und dem gemeinsamen Vaterunser gab es Applaus nach dem letzten Stück des Posaunenchors.

Der Abend klang bei Suppe und Kaltgetränken aus, wo die Gäste Gelegenheit zum Austausch und zur Vernetzung zwischen den verschiedenen Organisationen hatten.

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