Revivaltreffen beim 1. FC Burgdorf: Ein Burgdorfer schaffte es sogar in den Profifußball
BURGDORF
"Früher war ohnehin alles viel besser." Wer kennt diesen Satz nicht, wenn auf die Vergangenheit zurückgeblickt wird? So oft, wie er nicht stimmt, für den 1. FC Burgdorf gilt er leider im Fußball. Die erste Mannschaft des Klubs aus der Burgdorfer Südstadt spielt nur noch in der 1. Kreisklasse. Da mag man kaum glauben, dass der 1. FC in den 1990er Jahren in Burgdorf die Nummer 1 war - und in der ganzen Region für Schlagzeilen sorgte.
Das Erinnerungskästchen des 1. FC Burgdorf ist prall gefüllt, entsprechend viel gab es zu erzählen, als sich ehemalige Spieler, Trainer und Verantwortliche der Teams aus den erfolgreichen Jahren 1988 bis 1995 zum ersten großen Revivaltreffen auf der FC-Anlage wiedersahen. Dass sogar Karin Edeling kam, die Witwe des langjährigen Vorsitzenden und Mäzens Rolf Edeling, sagt viel aus über die Zeit, die viele Besonderheiten zu bieten hatte.
Fünf Vizemeisterschaften in der Bezirksklasse in wenigen Spielzeiten? Das dürfte bis heute im Fußball in der Region einmalig sein. Und welcher Klub kann schon behaupten, einen Profifußballer herausgebracht zu haben? Der damalige Trainer Uli Pigulla, einer der besten Trainer in der Region, vertraute in der Saison 1989/90 im Sturm einem 19-Jährigen, der schnell zum Albtraum der Abwehrspieler wurde: Marco Dehne, wie Pigulla bei der Revivalparty dabei, schoss 30 Tore, und jeder, der ihn spielen sah, ahnte: Der wird einmal Profi. So kann es dann 1994 auch: Dehne ging zu Hannover 96 und bestritt für die Roten 40 Zweitligaspiele, bevor er zum Erzrivalen Eintracht Braunschweig ging, wo er von den Fans als "Fußballgott" gefeiert wurde.
Und auch das dürfte einmalig sein: Zweimal schossen die Burgdorfer weit mehr als 100 Tore, gewannen zwei Aufstiegsspiele in der Verlängerung und stiegen dennoch nicht auf, weil in den oberen Ligen die falsche Mannschaft gewann. Die Elf des 1. FC von Anfang der 1990er Jahre, da sind sich fast alle einig, hätte heute das Zeug, in der Landesliga eine gute Rolle zu spielen. Der herausragende Torwart Thomas Quick (er hatte vorher ein Probetraining bei Borussia Mönchengladbach absolviert), der eisenharte Verteidiger Ralf Engel, Marco Dehne, der bereits verstorbene Thorsten Maass, der sogar 33 Tore in einer Saison erzielte, und viele andere - meist Burgdorfer und aus der Region - sorgten dafür, dass der 1. FC Burgdorf damals in aller Munde war. Der Stolz darauf war mehr als 30 Jahre später beim von Waldemar Reinert und Christian Lieke organisierten Treffen zu spüren. Genau wie der Wille, dass es bis zum nächsten großen Wiedersehen nicht wieder so lange dauert…