Uetze
Montag, 08.08.2022 - 20:26 Uhr

Bürgerinitiative Umwelt Uetze: "Bergwerksflutung in Lehrte ist gescheitert"

Im Lehrter Bach blubbert es.Aufn.:

HäNIGSEN/LEHRTE

Wolfgang Tannenberg, Vorsitzender der Bürgerinitiative (BI) Umwelt Uetze, äußert sich besorgt um die Vorgänge im Lehrter Stadtteil Köhlerheide: "Seit wir uns in der BI mit der Firma K+S und ihren Vorhaben beschäftigen, sind uns schon sehr viele widersprüchliche Aussagen und Behauptungen zu Halden und Bergwerksflutungen begegnet - und es werden immer mehr. Kalibergwerke werden mit der Zeit (mit oder ohne Flutung) vom Druck des umgebenden Salzes langsam wieder zusammengedrückt. Nach einer Flutung ist daher regelmäßig davon auszugehen, dass das versalzene Wasser langsam wieder nach oben herausgepresst wird und in das Grundwasser gelangt. Wenn Süßwasser oder Wässer fremder Standorte mit anderer chemischer Zusammensetzung als der des örtlichen Bergwerkssalzes eingeleitet werden, ist die Auflösung unter anderem der wichtigen Stützpfeiler die Folge."

 

"In Hänigsen ist K+S bei der Planung der Untertagedeponie davon ausgegangen, dass das Bergwerk auch ohne Flutung stabil genug ist. Nach Ende der Pläne für die Untertagedeponie ist die Flutung dann plötzlich sehr eilig gewesen. Kurze Zeit nach Beginn der Flutung mit Fuhse(süß)wasser ist sie (für viele Jahre) schon wieder gestoppt worden, um dort zukünftig salzhaltige Produktions- und Haldenwässer aus Hessen zu entsorgen. Solche Wässer hat man in Lehrte auch eingeleitet", ergänzt Stellvertreter Georg Beu.

 

"Über das bedrohliche Ergebnis hat die HAZ am 30. Juli 2022 unter der Überschrift 'Köhlerheide: das Erdreich senkt sich' berichtet. Laut LBEG hat die Senkung der Oberfläche jetzt eine Größenordnung erreicht, die die Definition eines sogenannten Einwirkungsbereiches der Senkungen erfordert. Die Festlegung des Einwirkungsbereichs hat große Bedeutung für Immobilieneigentümer im Falle der Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen bei Gebäudeschäden. Offenbar steht der schon früher festgestellte Luftaustritt im Lehrter Bach mit der Senkung in einem Zusammenhang. Lehrtes Bürgermeister Prüße hat betont, dass es nicht allein im Lehrter Bach 'blubbere'. Solch ein Phänomen sei auch in einem Brunnen auf einem Privatgrundstück festgestellt worden. Er hält es für 'gut möglich, dass noch an anderen Stellen Luft aus der Erde entweicht, wo kein Wasser ist'", zitiert Beu.

 

"Laut LBEG ist mögliche Ursache der Oberflächensenkung die Lage Lehrtes über dem Salzstock beziegungsweise eine angeblich geogen (also natürlich) bedingte Senkung oder der Bergbau. Die logische und auch dem LBEG bekannte Auflösung großer Mengen Salz im Bergwerk durch die Flutungswässer wird als Ursache ignoriert. Für uns ist das der Versuch, von den gravierenden Folgen der schon lange nicht mehr zeitgemäßen und gefährlichen Flutungen abzulenken", so Tannenberg und Beu.

 

"Auch in Hänigsen, wie in Lehrte, ist eine Oberflächenabsenkung zu befürchten, wenn die Flutung nicht endgültig gestoppt wird. Allerdings besteht hier noch ein vielfach höheres Risiko für die Anwohner, wenn nämlich aufgrund der im Schacht Niedersachsen-Riedel eingelagerten Kampfstoffe anstatt Luftblasen ein chemisches Kampfstoff-Gasgemisch aus Arsen den Weg an die Oberfläche findet. Das Ausmaß einer solchen Umweltkatastrophe wäre nur schwer abzuschätzen", bemerkt Vorstandsmitglied und Anwohner von Riedel, Ulf Wucherpfennig.

 

Die Vorstandsmitglieder sind sich einig: "Daher gilt es jetzt diese durchaus möglichen Folgen unvorstellbaren Ausmaßes aufgrund der aktuellen Lage und Erkenntnissen aus Lehrte mit allen Anstrengungen zu verhindern. 

 

Aus diesem Grund fordert die BI Uetze Umwelt zum wiederholten Mal die Flutung vom Schacht Niedersachsen-Riedel unverzüglich zu stoppen und das Bergwerk mit der Kalirückstandshalde Wathlingen mittels bereits seit 1908 im deutschen Kalibergbau angewendeten und erprobten Spülversatzverfahren zu verfüllen. Sollte K+S und das LBEG jetzt nicht handeln und die Flutung nicht unverzüglich aufgeben, wäre diesen Verhalten als 'grob fahrlässig' zu bezeichnen".