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Sehnde
Montag, 20.12.2021 - 11:36 Uhr

Mit Meisen gegen die Kastanienminiermotte

Ansgar Ritter vom Baubetriebshof der Stadt Sehnde beim Aufhängen der Nistkästen.Aufn.: Stadt Sehnde

SEHNDE

Kleines Insekt, große Wirkung: Seit etwa 20 Jahren haben die weißblühenden Rosskastanien (Aesculus hippocastanum) in Niedersachsen mit der Rosskastanien-Miniermotte (Cameraria ohridella) zu kämpfen. Die Larven der ursprünglich aus dem Balkan stammenden Motte legt ihre Eier im Frühling auf die jungen Blätter der Kastanien. Nach dem Schlüpfen fressen die Larven dann regelrechte Gänge in die Blätter, saugen die Zellen aus um sich dann in den Blättern zu verpuppen.

 

Als Folge haben die Kastanien schon im Sommer braune und welke Blätter. Bis zu fünf überlappenden Generationen wurden schon in einem Jahr an Kastanien beobachtet. Kein Wunder also, dass die Bäume dagegen nicht ankommen und durch den Befall in ihrer Vitalität geschwächt werden.

 

Zusätzlich grassiert seit einigen Jahren ein Bakterium (Pseudomonas syringae pv. aesculi), welches die Leitungsbahnen der Bäume verstopft und sie so zum Aufplatzen bringt. Zu erkennen an schwarzen Schleimflecken an der Rinde. Diese Komplexerkrankung hat gravierende Folgen für die Vitalität und Verkehrssicherheit der Bäume. Kommen dann noch Sekundärerreger wie baumzerstörender Pilze hinzu, ist es um die Kastanien meist geschehen und sie müssen gefällt werden.

 

Ein Grund für die schnelle Verbreitung der Motte könnte der fehlende natürliche Fressfeind sein. Mittlerweile haben Blau- und Kohlmeisen aber gelernt, die Motte für sich und ihre Jungen als Nahrungsquelle zu nutzen und ihr Wissen an die nachfolgenden Generationen weiter zu geben. Systematisch werden die Kastanien nach Larven und Puppen abgesucht und verspeist.

 

Hier versucht nun die Stadt Sehnde anzusetzen und hat in Zusammenarbeit mit dem Fachdienst für Stadtentwicklung und Straßen, Grünflächen und Klimaschutz und dem Baubetriebshof der Stadt Sehnde 20 Nistkästen in alten Kastanien-Alleen der Stadtteile Ilten und Bolzum aufgehängt. Weitere sollen folgen.

 

Die Kosten für Behausungen der neuen Schädlingsbekämpfer sind im Vergleich zu anderen Maßnahmen zur Bekämpfung der Motte gering. Um diese wirksam zu bekämpfen, ist es nur möglich, Insektizide einsetzen oder das ganze Jahr über lang Laub zu sammeln und dieses zu verbrennen, was kaum zu leisten ist.

 

Mit dem Nahrungsangebot für die Meisen direkt vor deren Haustür erhofft sich die Stadt Sehnde, den Befallsdruck der Motte zu minimieren und so die Vitalität der Bäume wieder zu erhöhen.

 

Damit haben die Kastanien bessere Chancen, sich gegen sekundäre Erreger zur Wehr zu setzen und es kann im besten Fall zu weniger Fällungen führen.