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Sehnde
Mittwoch, 01.12.2021 - 17:07 Uhr

Weiterhin angespannte Personalsituation in den städtischen Kindertagesstätten

SEHNDE

Mittlerweile sind es keine neuen Meldungen mehr, dass der demographische Wandel und Fachkräftemangel den Arbeitsmarkt generell vom Anbieter- zum Nachfragemarkt gewandelt haben. Insbesondere betroffen davon ist der Bereich der Kindertagesbetreuung. Dieser Sektor hat ein nie dagewesenes Ausmaß erreicht: Die Zahl des pädagogischen und leitenden Personals ist allein im Zeitraum zwischen 2006 und 2016 in Deutschland um rund 62 Prozent gestiegen.

 

Somit ist die Personalsituation in den Kindertagesstätten bereits seit längeren angespannt. Dies wird daran deutlich, dass es immer schwieriger wird, vakante Stellen neu zu besetzen und Fachkräfte zu gewinnen. Viele Stellen, bei denen die Arbeitszeit eher ausschließlich im Nachmittagsbereich liegt (wie zum Beispiel Hort) und in den Schulferien täglich ganztags gearbeitet wird, die mehrmals die Woche Arbeitszeiten bis 17 Uhr aufweisen oder generell unattraktiv aufgrund von Befristungen (beispielsweise Elternzeit oder Krankheit) sind, können im Prinzip kaum noch besetzt werden. Dies führt zu längerfristigen Vakanzen einerseits und andererseits zu regelmäßigen Stellenauswahlverfahren.

 

Allein für den Kitabereich der Stadt Sehnde wurden bis November 2021 insgesamt sechs Auswahlverfahren durchgeführt. "Bei Berücksichtigung von Ausschreibungs- und Ladungsfristen bedeutet diese, dass kontinuierlich Stellenauswahlverfahren stattfinden und sobald ein Verfahren abgeschlossen wird, das nächste beginnt. Hinzu kommen regelmäßige Kurzverfahren um Initiativbewerbungen zeitnah zu bearbeiten", teilt die Stadt Sehnde mit.

 

In genannten sechs Verfahren wurden insgesamt 21 Stellen ausgeschrieben, zusätzlich hat die Stadt Sehnde eine Dauerausschreibung auf den Internetseiten in der entsprechenden Rubrik veröffentlich, sodass jederzeit Initiativbewerber motiviert werden, sich zu bewerben.

 

Insgesamt mussten sechs Stellen mehr als einmal ausgeschrieben werden, ehe eine Besetzung erfolgt ist. Die Stellen von Spring- oder Vertretungskräften mussten sogar viermal hintereinander ausgeschrieben.

 

In 2021 konnten von der Stadt trotzdem bis November 24 pädagogische Kräfte und drei Auszubildende eingestellt werden. "Dennoch lebt der Bereich mit ständigen Vakanzen über alle Kindertagesstätten verteilt. Eine Dauerbelastung, die allein durch die Vertretungskräfte nicht kompensiert werden kann. Die Springkräfte sind vornehmlich für die Vertretung von Krankheitsfällen, kurzfristigen Freistellungen bei Schwangerschaften, Fortbildungstagen und Urlaub eingesetzt und geplant - erschwert wird die Situation zusätzlich, dass gerade die Stellen der Vertretungskräfte häufig vakant sind und das erforderlich Stundenkontingent für Vertretungen somit nicht erfüllt werden kann", erklärt die Stadt Sehnde.

 

Insgesamt müsse festgestellt werden, dass es nur wenig Bewerbungen auf die ausgeschriebenen Stellen gibt, so dass eigentlich gar keine richtige Auswahl stattfinden kann. "Einzige Ausnahme war die Ausschreibung der drei QuereinsteigerInnen Ausbildungsplätze, wo es 27 Bewerbungen gab. Und nicht jede/r geeignete/r BewerberIn nimmt dann tatsächlich am Vorstellungsgespräch teil", erklärt die Stadtverwaltung.

 

Hinzu komme, dass die Novellierung des Niedersächsischen Kindertagesstättengesetzes einen veränderten Personal- beziehungsweise Betreuungsschlüssel vorschreibt, der vorsieht, dass in allen Gruppen ständig jeweils zwei Fachkräfte mit der Qualifikation ErzieherIn oder vergleichbar anwesend sind. Zuvor waren ein/e ErzieherIn und ein/e SozialassistentIn möglich. "Dies führt dazu, dass derzeit und auch noch zukünftig viele Träger von Kindertagesstätten in ganz Niedersachsen auf der Suche nach ErzieherInnen oder Fachkräfte mit einer vergleichbaren Qualifikation sind. Somit spitzt sich die angespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt weiter zu und Stellenbesetzungen bleiben äußerst schwierig beziehungsweise werden voraussichtlich noch schwieriger werden", so die Stadt Sehnde.

 

Die Stadt Sehnde habe bereits viele Maßnahmen auf den Weg gebracht um, sich als attraktive Arbeitgeberin auf dem Arbeitsmarkt im Ballungsraum Hannover behaupten zu können und überprüfe diese kontinuierlich auf Aktualität und überarbeitet sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Gerade im Kitaereich werde verstärkt auf die MitarbeiterInnenbindung und -haltung gesetzt. So gehören Maßnahmen wie das Personalhaltungs- und -gewinnungskonzept bereits seit mehreren Jahren zum festen Bestandteil des Personalmanagements. Hierzu zählen unter anderen:

  • Vergabe von Stipendien für Auszubildene Finanzierung von Fort- und Weiterbildungen (beispielsweise FachwirtIn Kindertagesstätten, Ausbildung zum/zur ErzieherIn)
  • Flexibles Stundenkontigent um Stellen den Bedürfnissen von Mitarbeitenden anpassen zu können
  • Leistungsgeminderte Arbeitsplätze

 

Weiterhin bietet die Stadt Sehnde Stellen für die tätigkeitsbegleitende beziehungswiese berufsbegleitende vergütete Ausbildung zum/zur SozialassistentIn (QuereinsteigerInnen) an. Ebenso zählt ein umfangreiches Gesundheitsmanagment mit zum Beispiel Gesundheitstagen und Sport- und Entspannungsangeboten zum regelmäßigen Repertoire. Hierzu zählen ebenso Impfangebote als auch generelle Angebotsuntersuchungen.

 

"Dennoch gestaltet sich die aktuelle Situation äußerst schwierig. Bereits seit mehreren Wochen müssen wir im Rahmen der jahreszeitlichen Krankheitswelle zahlreiche krankheitsbedingte Ausfälle unter den Mitarbeitenden in den Kindertagesstätten feststellen. Dies führt dazu, dass in fast allen Kitas der Personalschlüssel zumindest tageweise reduziert ist und der Betrieb teilweise nur durch viel Einsatzbereitschaft der Mitarbeitenden, wie zum Beispiel das Anhäufen von Überstunden, aufrechterhalten werden kann. Dies stellt eine sehr belastende Situation für die Betroffenen dar", teilt die Stadt Sehnde mit.

 

Die Stadt weiter: "Als Beispiel sei die KW 46 genannt. Hier waren an einem Tag bei insgesamt 174 Beschäftigten im Fachdienst Kindertagesbetreuung und Jugendarbeit 51 Krankmeldungen zu verzeichnen. Dies entspricht einem prozentualen Anteil von rund 30 Prozent. Hinzukommen 'Kind krank-Meldungen', diverse Stellenvakanzen, Abwesenheit durch Fort- und Weiterbildung sowie Urlaub. In der Folge mussten in der Woche in zwei Kindertagesstätten die Betreuungszeiten für insgesamt drei Gruppen um jeweils zwei Stunden von 16:00 Uhr auf 14:00 Uhr reduziert werden."

 

Da die krankheitsstarke Jahreszeit gerade erst begonnen hat muss nach Angaben der Stadt "leider davon ausgegangen werden, dass sich die Situation auch langfristig nicht erheblich entspannen wird. Dennoch hoffen wir sehr, dass Reduzierungen von Betreuungszeiten oder gar ganze Gruppenschließungen weiterhin nur in einem sehr geringfügigen Maße erforderlich werden, aber leider nicht ausgeschlossen werden können."