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Burgdorf
Freitag, 12.11.2021 - 13:12 Uhr

Deutschland - vom Fluchtland zum Zufluchtsland

"Heimat und Exil": Erinnerungen an die jüdische Familie Emil Cohn

Dr. Judith Rohde eröffnete die Erinnerungsveranstaltung "Heimat und Exil" vor dem Gedenkfries im Ratssaal des Burgdorfer Schlosses am Spittaplatz.Aufn.: Georg Bosse

BURGDORF

Am gestrigen Donnerstag, 11. November 2021, hatte der Burgdorfer Arbeitskreis (AK) "Gedenkweg 9. November" zu der Gedenkveranstaltung "Heimat und Exil - Erinnerung an die Familie Emil Cohn" in den Ratssaal des Schlosses am Spittaplatz eingeladen.

 

Zwei Tage nach dem 9. November, dem "Schicksalstag" in der deutschen Geschichte, und just an dem Tag, als in den Karnevalshochburgen trotz besorgniserregendem Pandemiegeschehen Kamelle und Konfetti flogen und knallende Sektkorken die fast ungebremste "närrische Jahreszeit" ankündigten, begrüßte AK-Sprecherin Dr. Judith Rohde gut 60 Gäste in der "Herzkammer der Burgdorfer Lokalpolitik".

 

Emil Cohn (*1885) hatte 1910 seine Schlachtermeisterprüfung in Celle abgelegt und war bis 1914 in dem vom Vater David übertragenden Geschäft in der Gartenstraße 9 tätig. Emil war der jüngste der vier Söhne von Schlachtermeister David Cohn.

 

Nach Kriegsende 1918 betrieb Emil Cohn als Fleischer Geschäfte an verschiedenen Orten in Burgdorf, zuletzt in der Wallgartenstraße 38. Hier musste er 1929 den Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben.

 

Die erste Welle der nationalsozialistischen Judenverfolgung ab 1933 gipfelte in der Pogromnacht am 9. November 1938, in der Betstuben und Geschäfte, Wohnungen sowie zahlreiche jüdische Friedhöfe und Synagogen zerstört wurden. Darüber hinaus wurden mehrere hundert jüdische Menschen ermordet.

 

Mit dem Gefühl der Unsicherheit und vielen Hoffnungen im Gepäck gelang der sechsköpfigen Familie Cohn im Januar 1941 die Flucht über Lissabon nach Argentinien.

 

Aber insgesamt 18 Mitglieder der Familie Cohn haben die mörderischen Verfolgungen nicht überlebt.

 

Seinem Grußwort setzte Bürgermeister Armin Pollehn ein Zitat aus dem Talmud, einem der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums, voran: "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist." Unter diesem Leitsatz hat der Kölner Künstler Gunther Demnig seine Stolperstein-Aktion gestellt. Am heutigen Freitag werden in der Burgdorfer Garten- und Wallgartenstraße zwei weitere Stolpersteine eingelassen. "Die Stolpersteine sind wichtige Bestandteile der Erinnerungskultur in Burgdorf", bezeugte Pollehn mit Nachdruck.

 

Den Begriff "Heimat" hat Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) so erklärt: "Heimat ist da, wo man sich nicht erklären muss."

 

Da sich Deutschland inzwischen vom Fluchtland zum Zufluchtsland gewandelt habe, "sollten wir auch Burgdorf zu einem Ort machen, wo man sich nicht erklären muss", so der Bürgermeister.

 

Dass das in Burgdorf mit Unterstützung von Stadt und Diakonie, Mehrgenerationenhaus und Nachbarschaftstreff gelingen kann, bewiesen die Afghanin Parivash Ashadi und der Syrer Yahyar Alshar, die in Deutschland Zuflucht und in Burgdorf eine (neue) Heimat gefunden haben. Sie erzählten den Anwesenden die betroffen machenden Umstände ihrer Migrationsgeschichte.

 

Annika Paul, jüngstes ehrenamtliches AK-Mitglied und Neu-Ratsherr Arne Hinz legten dar, warum sie sich für die Erinnerungsarbeit und Deutschland als Zufluchtsland einsetzen. Die Zeit des "1000-jährigen Reichs" sei mitnichten ein "Vogelschiss" der deutschen Geschichte. "Es ist unsere Verantwortung, sich mit dem Geschehenen auseinanderzusetzen und jüngeren Menschen die Geschichte der Juden in Burgdorf näherzubringen. Und wir dürfen uns heute den menschlichen Schicksalen direkt vor unserer Haustür nicht verschließen."

 

Die Wortbeiträge während der Gedenkveranstaltung wurden von Dr. Matthias Schorr (Violine) und Michael Schalamov (Klavier) mit hebräischen Melodien und Stücken von Bach und Kantor Meir Finkelstein würdevoll begleitet.

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