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Dienstag, 03.08.2021 - 15:42 Uhr

BIOS-Leitungsteam tauschte sich mit Bundestagskandidatin Rebecca Schamber aus

OTZE

Um Kontakte zur Bundesebene fortzuführen, möglichst sogar zu vertiefen, hat die "Bürgerinitiative Otze Schiene" (BIOS) die mögliche Nachfolgerin der Bundestagsabgeordneten Caren Marks - Rebecca Schamber - zu einem Gespräch im Rahmen eines Treffens des Leitungsteams eingeladen.

 

"Im Falle ihrer Wahl könnten wir dann das Netz nach Berlin auch auf dieser Ebene weiterhin nutzen. Denn eines ist für uns weiterhin ganz klar: Alles das, was wir hier in Otze (und in Ehlershausen) hinsichtlich der Verbesserungen im Schienenverkehr vor Ort angesichts vermutlich steigender Verkehrsbelastungen für die Otzer Bürgerinnen und Bürger fordern, wird letztlich in Berlin entschieden", so BIOS-Sprecher Arnim Goldbach.

 

Die Teilnehmer an diesem Gespräch waren die Mitglieder des Leitungsteams der Bürgerinitiative (BI) bestehend aus Arnim Goldbach (als Sprecher und Gesprächsleiter), Hans Peter Grupe, Karl-Heinz Meyer und Dietrich Vollbrecht sowie Torsten Carl aus Ehlershausen, BIOS-Mitglied und Ideen-Geber für dieses Gespräch, sowie Andreas Meyer, Otzer Ortsbürgermeister, und Rebecca Schamber als Bewerberin für ein Bundestagsabgeordnetenmandat der SPD im hiesigen Wahlkreis.

 

In lockerer Gesprächsatmosphäre wurden zunächst einige äußere und vereinsbezogene Rahmenbedingungen angesprochen. Daran schloss sich eine "Kennenlern-Runde" durch gegenseitiges kurzes Vorstellen der Anwesenden statt. Dabei wurden auch einige interessante Bezüge des Gesprächsgastes zu Otze "aufgedeckt".  Im Anschluss daran erläuterte der BIOS-Sprecher die Grundphilosophie und Leitideen der Bürgerinitiative - so wie sie in der Satzung festgeschrieben sind. "Diese Grundeinstellung, offen, transparent, demokratisch und vernetzt, aber auch selbstkritisch die Probleme des Lärms, der Dorfzerschneidung und der Sicherung des Schienenpersonennahverkehrs anzugehen, kam bei Rebecca Schamber gut an, wie sie in einer Reaktion erklärte", teilt Arnim Goldbach mit.

 

Damit sei auch die Grundlage für die Vorstellung und Besprechung der aktuell relevanten Probleme beziehungsweise Fragen des Schienenverkehrs durch Otze, aber auch durch Ehlershausen, geschaffen worden.

 

"Hinsichtlich des Lärms durch den Güterverkehr waren wir ursprünglich guter Dinge, denn wir hofften auf die sofortige Wirkung des Schienenlärmschutzgesetzes. Dieses ist im Dezember vorigen Jahres in Kraft getreten und soll verhindern, dass laute Züge auf deutschen Schienen fahren. Entgegen offizieller Aussagen haben wir daran aber immer noch Zweifel. Zwar beobachten auch wir, dass immer mehr leise Güterzüge durch Otze fahren. Dennoch gibt es auffallend viele 'Mischzüge', die einige laute Waggons noch mitführen. Das aber macht den Erfolg der leisen Waggons fast ganz zunichte. Hier zeigt sich wieder einmal, dass zwischen dem Inkraft-Treten eines (neuen) Gesetzes ('Theorie') und der Umsetzung ('Praxis') mitunter große Lücken klaffen. Das ist uns nicht nur selbst aufgefallen (zum Beispiel dadurch, dass wir in 2019 weniger Spitzen-Lärm gemessen haben, als ein Jahr danach, in dem ja doch eigentlich mehr Waggons umgerüstet gewesen sein müssten), sondern auch der Redaktion der Zeitschrift 'Capital', die (in Heft 6/2021 auf S. 20) feststellte, das an der noch bestehenden Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit auch die noch fehlende Sanktionen für Betreiber lauter Züge verantwortlich sein könnten. Hier müssen wir weiterhin wachsam bleiben (beispielsweise schon im Rahmen der nächsten Zähl- und Messaktion am 7./8. September 2021). Mit diesem Problem und unserem Anliegen sind wir erfreulicherweise auf sehr offene Ohren gestoßen", so Arnim Goldbach.

 

Das gelte auch für die zweite Problematik - die Querung des Schienenweges durch eine Straße (in Otze Stadtstraße, in Ehlershausen Kreisstraße). Hier konnten die BIOS-Mitglieder berichten, "dass - in erfreulich enger Zusammenarbeit mit der Stadt Burgdorf - die DB Netz bereits auf die Stadt zugegangen ist und signalisiert hat, dass eine bestandsnahe Beseitigung des höhengleichen Bahnüberganges durch eine Untertunnelung alternativlos ist. Zwar wird eine Planungsvereinbarung der Stadt Burgdorf mit der DB zunächst für Ehlershausen getroffen werden (weil die Situation durch den Zusammenhang bin der Bahnsteigverlängerung und der Ampelkreuzung B 3 komplizierter ist), was aber für uns in Otze nicht heißt, dass wir damit abgehängt werden. Vielmehr wurde uns bei einem Ortstermin signalisiert, dass ein Projekt zum Bau eines Tunnels in Otze 'vergleichsweise unproblematisch' sei. Wir hoffen, dass eine Realisierung nicht zu lange auf sich warten lässt, denn wir können und müssen immer wieder darauf verweisen, dass einerseits wichtige Sozial- und Erziehungs- sowie Bildungseinrichtungen in 'Klein-Otze' liegen, ebenso die Anlagen der Sportvereine und des Schützenvereins, während andererseits die Feuerwehr in 'Groß-Otze' ansässig ist und zudem alle Otzer Landwirte zu bewirtschaftende Flächen jenseits des Bahnüberganges zu liegen haben; da sind lange Schrankenschließzeiten bei hohen Querungszahlen in Otze, ganz besonders aber in Ehlershausen sehr hinderlich", so BIOS. Auch für diese Problematik habe Rebecca Schamber viel Verständnis gezeigt und sie konnte interessante Vergleiche aus dem Raum Neustadt am Rübenberge ziehen und mitteilen, wo - unter anderem in Poggenhagen - einige Projekte zur Beseitigung des höhengleichen Bahnüberganges zur Realisierung anstehen.

 

Hinsichtlich der Frage der Sicherung (möglichst sogar Verbesserung) des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) durch die S-Bahn-Verbindung zwischen Celle über Burgdorf nach Hannover wurde positiv hervorgehoben, dass es eine Verbesserung durch Verlängerung der Züge (mit der Folge der Bahnsteigverlängerung in Otze, Ehlershausen und Aligse) geben soll, auch wenn die Dreier-Taktung (drei Züge pro Stunde etwa alle 20 Minuten) wohl zeitnah nicht realisierbar erscheine.

 

Zum Schluss kam das allgemeinere Thema "Sicherstellung der Umsetzung des Alpha-E-Projekts" des Dialogforums Schiene Nord (DSN) zur Sprache. "Hier konnten wir unsere Position deutlich machen, dass wir mit den anderen Bürgerinitiativen im Gebiet der Lüneburger Heide und dem Projektbeirat Alpha-E (finanziert durch das Land Niedersachsen) Neubaustrecken kritisch sehen, sie aber (vielleiht im Gegensatz zu einigen BI) grundsätzlich als 'letzte Möglichkeit' dogmatisch auch nicht völlig ausschließen wollen, wenn andernfalls das Klimaziel gefährdet wäre. Gleichwohl stellen der geplante Deutschlandtakt und die beabsichtigte Erhöhung der Fahrgastzahlen um 100 Prozent sowie die Erhöhung des Schienengüterverkehrsanteils von 18 Prozent auf 25 Prozent bis 2030 große Herausforderungen dar. Nach zwei Gutachten können diese Anforderungen aber ohne Schienenneubau realisiert werden, was die DB derzeit bestreitet. Hier lässt die Informationstransparenz seitens der DB nach Ansicht des Projektbeirates und der BI zu wünschen übrig. Das ist auch für uns gegebenenfalls problematisch, denn die Entwicklungen zwischen Lüneburg und Celle und gegebenenfalls auch in Wilhelmshaven werden Auswirkungen auf unsere Strecke Celle-Lehrte haben. Dennoch sind wir als BIOS auf der einen Seite nicht gegen mehr Güterverkehr auf der Schiene, sondern sogar für die deutliche Verlagerung des Gütertransports von der Straße auf die Schiene, weil andernfalls das anvisierte Klimaziel nicht erreichbar erscheint", so das BIOS-Leitungsteam. Es müsse auf der anderen Seite "die höhere Belastung für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort durch die diskutierten Maßnahmen auch deutlich reduziert werden. Und im Übrigen haben wir mit der DB Hannover immer eine gute Kommunikation gehabt."

 

Abschließend bekam Rebecca Schamber noch interessante Erläuterungen zu den vier Gebäuden des Ensembles auf dem Otzer Backhausplatz.

 

"Wir danken Rebecca Schamber ganz herzlich für die Ausdauer, das aufmerksame Zuhören - immerhin hat sie sich für uns fast drei Stunden Zeit genommen - und für die sachlich-konstruktive und offene Diskussion sowie für das entgegengebrachte große Verständnis für unsere Anliegen. Auch wenn sie im Falle eines Wahlerfolges mit 'Gesundheit' und 'Kommunales' andere inhaltliche Arbeitsschwerpunkte als den Schwerpunkt 'Verkehr' setzen will, so hätten wir doch - nach Caren Marks - weiterhin eine wichtige Ansprechpartnerin für uns in Berlin, durchaus auch über den Arbeitsschwerpunkt 'Kommunales', wie sie selbst äußerte", so BIOS-Sprecher Arnim Goldbach abschließend.