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Sehnde
Mittwoch, 07.07.2021 - 17:27 Uhr

"Haben Sie das Auto gesehen?!"

Aktion zu digitaler Gewalt: Die Erste Stadträtin Bettina Conrady, Bürgermeister Olaf Kruse, Franziska Albers von der AWO-Frauenberatungsstelle und Sehndes Gleichstellungsbeauftragte Jennifer Glandorf.Aufn.: Stadt Sehnde

SEHNDE

Ein mit Post-its beklebtes Auto erregte am Mittwoch, 7. Juli 2021 auf dem Marktplatz vor dem Rathaus in Sehnde das Aufsehen vieler Sehnder. Mit dieser ungewöhnlichen Aktion hat der Arbeitskreis häusliche Gewalt des Präventionsrates der Stadt Sehnde auf das Thema digitale Gewalt hingewiesen.

 

"Die Zettel mit verschiedenen Zitaten, Sprüchen und Faktenwissen zum Thema (digitale) Gewalt sollen die Menschen für das Thema sensibilisieren und die QR-Codes führen direkt zu Beratungs- und Unterstützungsstellen, denn digitale Gewalt bleibt in vielen Fällen unsichtbar", sagt Sehndes Gleichstellungsbeauftragte Jennifer Glandorf.

 

"Wir beobachten in der Beratung häufig, dass Frauen von digitaler Gewalt betroffen sind, die auch andere Gewaltformen erleben. Digitale Gewalt geht häufig einher mit analoger Gewalt", sagt Franziska Albers von der AWO-Frauenberatungsstelle.

 

Digitale Gewalt ist ein Sammelbegriff für verschiedene Formen geschlechtsspezifischer Gewalt. Gemeint sind Gewalthandlungen, die sich technischer Hilfsmittel und digitaler Medien (Apps, Handy, Mails, Internetanwendungen etc.) bedienen und Gewalt, die im digitalen Raum, zum Beispiel auf Online-Portalen oder sozialen Plattformen stattfindet. Durch die Anonymität im Internet fühlen sich viele TäterInnen sicher.

 

Cyber-Mobbing, Stalking in sozialen Netzwerken und heimliche Aufnahmen, dies passiert in den allermeisten Fällen Frauen. Jede dritte Frau hat in ihrem Leben mindestens einmal gewalttätige Übergriffe erlebt, egal ob digital oder analog. Die zunehmende Digitalisierung vieler Lebensbereiche bringt es mit sich, dass auch Gewalt gegen Frauen neue Wege findet. Ob sexistische, beleidigende, frauenfeindliche oder bedrohende Kommentare - für viele Frauen und jugendliche Mädchen sind sie inzwischen Teil ihres Online-Alltags. "In den unterschiedlichen Beratungskontexten merken wir, dass das Thema digitale Gewalt zunimmt. Daher ist es uns ein großes Anliegen auf diese Thematik aufmerksam zu machen", sagen die Mitglieder des Arbeitskreises gegen häusliche Gewalt.

 

Offizielle Zahlen zu Fallzahlen in Deutschland gibt es bisher nicht. In der Kriminalstatistik werden zwar Straftatbestände wie Beleidigung oder üble Nachrede erfasst - nicht aber, ob digitale Medien dabei eine Rolle gespielt haben. Es ist aber davon auszugehen, dass sich digitale Gewalt zunehmend ausbreitet. Die Europäische Grundrechtsagentur hat herausgefunden, dass jede zehnte Frau ab 15 Jahren digitale Gewalt erfahren hat. (Quelle: sOpens external link in new windowtaerker-als-gewalt.de/gewalt-erkennen/digitale-gewalt-erkennen)

 

Für die Betroffenen von digitaler Gewalt sowie auch anderen Gewaltformen gibt es verschiedenen Beratungs- und Unterstützungsstellen:

  • Bundesweites Hilfetelefon: 0800/0116016
  • AWO- Frauenberatungsstelle für Burgdorf, Lehrte, Sehnde und Uetze mit Sprechstunden in Sehnde: 05132/823434
  • Polizei: 110

Auf der Homepage des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und des Bundesverbandes der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe in Deutschland, finden Betroffenen und Interessierte umfangreichen Informationen zur Thematik.

 

Zum Arbeitskreis häusliche Gewalt gehören in Sehnde: AWO Frauenberatungsstelle, AWO Frauenhaus, Polizeistation Sehnde, KGS Sehnde, Flüchtlingshilfeverein Sehnde e.V., European Homecare, Region Hannover FB Jugend, ehrenamtlich Aktive, Gleichstellungsbeauftragte Stadt Sehnde.