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Dienstag, 29.06.2021 - 10:58 Uhr

Neue Glücksspielregeln für Deutschland: Sind Online Casinos jetzt sicher?

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Online Casinos spielen schon seit geraumer Zeit eine große Rolle in Deutschland. Bislang konnte weitestgehend unkontrolliert gespielt werden. Casinos mit EU-Lizenzen bieten Spiele an, bei denen Einsätze im Tausenderbereich gemacht werden können. Auch Einzahlungslimits gibt es kaum. Jetzt soll der Glücksspielmarkt in Deutschland endlich besser kontrolliert werden. Casinos können sich auf deutsche Lizenzen bewerben, die mit strengeren Spielerschutzmaßnahmen einhergehen. Was genau es mit der Opens external link in new windowneuen Gesetzgebung auf sich hat und wie sicher der Glücksspielmarkt dadurch wirklich wird, diskutieren wir in diesem Artikel.

 

Kaum bis gar keine Kontrollen in der Vergangenheit

In Schleswig-Holstein war das Online-Glücksspiel in der Vergangenheit erlaubt, in anderen Teilen Deutschlands nicht. Werbung geschaltet wurde dennoch fleißig – und am Ende interessierte es nicht, aus welchen Teilen des Landes die Spieler kamen. Außerdem gab es eine Fülle an internationalen Online Casinos, die gut besucht waren. Seiten, die etwa mit Lizenzen aus Malta oder Curacao operieren, sind für deutsche Spieler nutzbar, haben aber wenig Regularien. So können hohe Einsätze gemacht werden und eine zentrale Sperrdatei gibt es nicht. Zum Teil haben die Online-Spielbanken ihre Angebote der deutschen Lizenz entsprechend angepasst. Einige EU-Casinos zeigen sich aber unbeeindruckt und bieten ihre Dienste weiterhin weitestgehend unkontrolliert an. Trotz des neuen Glücksspielgesetzes, auf das wir im nächsten Punkt genauer eingehen, gibt es also auch weiterhin Seiten, die sich den deutschen Gesetzen zu entziehen versuchen.

 

Neuer Glücksspielstaatsvertrag: Spielerschutz im Vordergrund

Um sich auf eine deutsche Lizenz zu bewerben, muss erst einmal eine Kaution in Höhe von mehreren Millionen Euro hinterlegt werden. Dann müssen Anbieter zudem nachweisen, dass sie festgelegte Maßnahmen zum Spielerschutz ergreifen. Dazu gehört, dass einige Spiele von den Seiten verschwinden müssen. Das betrifft zum Beispiel Live-Dealer-Spiele und Jackpot-Slots. Im Bereich der Sportwetten werden Live-Wetten eingeschränkt, da auch diese laut der Regierung zu übermäßigem Spielen verleiteten. Zusätzlich sind Einstellungen vorzunehmen, die die Spieler an zu hohen Einzahlungen hindern. Auf 1.000 Euro pro Monat soll der Betrag begrenzt werden. Am Spielautomaten darf pro Runde mit maximal einem Euro gespielt werden. Das ist ein extremer Kontrast zu dem, was Spieler aus anderen Casinos kennen: Hier können Slots mit über 100 Euro pro Runde gezockt werden. Zwangspausen oder zentrale Sperrdateien gibt es ebenfalls nicht.

 

Festgelegt hat die deutsche Gesetzgebung außerdem, dass Spieler nur noch in einem Casino zur gleichen Zeit spielen dürfen. Zusätzlich darf nur ein Spiel gespielt werden. Gleichzeitig einarmiger Bandit und Sportwetten, das funktioniert also nicht mehr. Alle Regeln sollen den Spielerschutz verbessern und Menschen davor bewahren, sehr schnell sehr viel Geld zu verlieren. Grundsätzlich klingt das nach einem guten Ansatz, in der Realität gibt es aber noch einige Probleme. Denn nicht alle Casinos, die in Deutschland ihre Dienste anbieten, aber im EU-Ausland ihren Sitz haben, halten sich an die Regeln. Wer also Opens external link in new windowkeine lästigen Beschränkungen haben möchte, wählt ein Casino mit internationaler Lizenz aus, das sein Angebot nicht an die deutschen Gesetze angepasst hat. Denn bis heute berufen sich einige Plattformen auf die Dienstleistungsfreiheit in der Europäischen Union und weigern sich, sich den deutschen Gesetzen zu unterwerfen.

 

Ist der Spielerschutz ausreichend?

Internationale Casinos sind das eine Problem, die eigene Lizenz das andere. Denn die Opens external link in new windowdeutschen Landesregierungen sind sich nicht einig darüber, ob die deutsche Zulassungsbehörde streng genug ist. Gleichzeitig streitet man um die Duldung internationaler Casinos. Zwar sollen diese auf lange Sicht abgestraft werden, wenn sie sich nicht an deutsche Gesetze halten, einen genauen Plan scheint es aber noch nicht zu geben.

 

Aktuell haben sich die Regierungen auf eine Übergangslösung geeinigt: Casinos mit internationalen Lizenzen, die ihr Spielangebot und die Limits anpassen, werden geduldet. Betreiber, die sich den neuen Regeln widersetzen, sollen dagegen an Zahlungen gehindert werden. Auch Werbung dafür soll unterbunden werden. Die Seiten stuft Deutschland dann als unzuverlässig und unseriös ein. Doch auch bei Seiten, die sich an deutsche Gesetze halten, fragt man sich zurecht, ob denn zum Beispiel ordentliche Geldwäscheprävention überhaupt möglich sei. Denn Geldwäsche ist ein großes Thema in internationalen Casinos, die Zahlungswege sind oft nicht allzu leicht nachzuverfolgen. Außerdem fällt es einigen Regierungsparteien schwer, Casino-Anbietern plötzlich zu vertrauen, obgleich sie sich in der Vergangenheit doch wenig kooperativ zeigten.

 

So wird auch jetzt noch viel diskutiert, ob in Deutschland die richtige Taktik gefahren wird. Manch ein deutscher Spieler wird sich in deutschen Casinos wohl gut aufgehoben fühlen, doch die internationalen Anbieter sind nur wenige Klicks entfernt. Wer möchte, findet in wenigen Sekunden eine Seite, auf der hohe Einzahlungen und Einsätze kein Problem darstellen. Sicher machen diese Seiten mehr Spaß, sie bergen aber auch vermehrt Gefahren. Wie Deutschland nun wirklich gegen die illegalen Anbieter vorgehen wird, bleibt abzuwarten. Klar ist, dass bei uns alles etwas länger dauert. So hat es schon viele Jahre gedauert, bis sich die Regierungen überhaupt auf einen neuen Glücksspielstaatsvertrag einigen konnten, der das Online-Glücksspiel endlich legalisieren sollte. Sicher reguliert ist der Online-Glücksspielmarkt momentan in jedem Fall noch nicht und wir beobachten weitere Entwicklungen mit Spannung.