Region Hannover
Mittwoch, 09.06.2021 - 14:36 Uhr

Gedenkstätte Ahlem: Online-Lesung am 13. Juni

Jürgen Gückel liest aus seinem Buch "Klassenfoto mit Massenmörder"

REGION

Niedersachsen, August 1961: Der Klassenlehrer Walter Wilke wird in seiner Dorfschule aus dem Unterricht geholt und später in einem der ersten Prozesse über deutsche Verbrechen in Osteuropa verurteilt. Im Dorf wird über diese Sache nicht gesprochen. Später kehrt Wilke in sein Dorf zurück und lebt dort bis zu seinem Tod 1989.

 

Gerichtsreporter Jürgen Gückel hat sich auf Spurensuche begeben und aus dieser Geschichte ein Buch gemacht: "Klassenfoto mit Massenmörder". Auf Einladung der Gedenkstätte Ahlem liest der Autor am Sonntag, 13. Juni 2021, 15 Uhr, aus diesem Buch vor. Die Lesung findet aufgrund der aktuellen Situation via Webex statt. Im Anschluss ist ein Gespräch mit Jürgen Gückel möglich. Interessierte können den Online-Vortrag ab 14.50 Uhr unter bit.ly/3cu0SZQ verfolgen.

 

Die Geschichte des Massenmörders Walter Wilke hat Jürgen Gückel seit der Schulzeit beschäftigt, denn Wilke war sein erster Lehrer. Im Buch "Klassenfoto mit Massenmörder" rekonstruiert Gückel einen einzigartigen Lebensweg: "Walter" war in Wahrheit Artur Wilke, der die Identität seines gefallenen Bruders angenommen hatte, um nicht aufzufallen. Artur selbst war studierter Theologe und Archäologe, im "Dritten Reich" der SS beigetreten und nachweislich an Massenerschießungen von jüdischen Menschen beteiligt. Er galt als gefürchteter Partisanen-Jäger und wurde nach dem Krieg dann - Volksschullehrer. Sein Name ist mit grauenhaften Kriegsverbrechen verbunden, doch zur Rechenschaft gezogen wurde er für seine Taten nie.

 

Gückel zeichnet nicht nur eine bemerkenswerte deutsche Biografie im 20. Jahrhundert nach - die Entwicklung eines intellektuellen Christen zum brutalen Mörder - und die Verneinung jeglicher persönlicher Schuld, das Wegsehen der Gesellschaft. Er zeigt auch auf, wie schwierig das Erinnern ist, wie unterschiedlich Erlebtes bewertet wird und wie schwer die Aufarbeitung historischer Wahrheit dadurch ist. Auch nach Sichtung mehrerer zehntausend Seiten Gerichtsakten und anderer Dokumente bleiben viele Fragen offen.

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